Mit sogenannten „IIoT-Plattformen“ soll die Kluft zwischen der virtuellen und der realen Welt für Objekte, Systeme und Anwender überbrückt werden. Sie werden mit einer hohen Flexibilisierung und Effizienz in der Fertigung zu Dreh- und Angelpunkten der Industrie 4.0.

Für die Maschinenbaubranche hat der Bietigheimer Anlagenbauer Dürr gemeinsam mit seinen Partnern die IIoT-Plattform „Adamos“ geschaffen. Das offene System bietet ein Zuhause für alle Maschinenbauer – und damit einen schnellen und autonomen Zugang zum digitalen Geschäft der Zukunft, heißt es im aktuellen Newsletter des Unternehmens.

Auf Basis von Adamos können die Hersteller des Maschinenbaus eigene digitale Marktplätze betreiben, bei Dürr sind dies „Loxeo“ und „Tapio“. Dort finden Kunden Digital-Service aus einer Hand, speziell entwickelt für den Maschineneinsatz. Auch Lieferanten der Kunden können teilnehmen und Daten beisteuern.  Ebenso können Maschinen von Wettbewerbern angeschlossen werden. In der Dürr Digital Factory entwickeln rund 70 Spezialisten dafür neue Apps.

„Die Digitalisierung ist der wichtigste Trend in der industriellen Produktion. Die deutschen Maschinenbauer können von diesem Trend profitieren, wenn sie Ressourcen und Kompetenzen bündeln“, wird Ralf W. Dieter, Vorstandsvorsitzender der Dürr AG und Beiratsvorsitzender von Adamos, in einer Unternehmensmitteilung zitiert.

Maschinenbetreiber können beispielsweise mit einem Notebook, Tablet oder Smartphone die digitalen Marktplätze betreten und wählen Apps aus, die ihre Produktion verbessern. Loxeo und Tapio arbeiten dabei mit einer Fülle von Produktionsdaten, die ihnen die Plattform Adamos zur Verfügung stellt. So ist etwa der Wartungsbedarf von Maschinen schwer vorherzusagen. In manchen Fabriken läuft eine Maschine rund um die Uhr, in anderen nur wenige Tage pro Woche. Abhilfe leisten digitale Assistenten. Sie können vorhersagen, wann der Techniker das nächste Mal kommen muss. Wer die richtige App für seine Maschine hat, erhält einen Terminvorschlag, abhängig davon, wie intensiv die Maschine genutzt wird. Für solche und viele andere Services ist der digitale Marktplatz Loxeo konzipiert.

Er richtet sich nach Auskunft des Unternehmens an Kunden der Marken Dürr und Schenck, viele von ihnen sind aus der Automobilindustrie und Zulieferbranche. Einige Apps stehen schon in den Startlöchern, andere sind noch in der Entwicklung. Loxeo überwacht alle Abläufe in der Produktion. Kunden können auch einzelne Komponenten ihrer Anlagen automatisch untersuchen lassen, wenn sie nicht richtig arbeiten. Neuen Mitarbeitern wird angezeigt, wie sie eine Anlage vorschriftsmäßig bedienen müssen. Eine App kann ein  Problem in der Anlage aufspüren und erkennt sofort, welche Abteilung beim Maschinenbauer zuständig ist. In Sekunden ist der passende Dürr- oder Schenck-Profi am Telefon.

Hilfe zur Selbsthilfe gibt es in der E-Learning-Mediathek auf Loxeo, die verschiedene Trainingsmodule enthält. Darüber hinaus analysiert eine Software, an welchen Stellen der Anlage es hakt. Die Software schlägt vor, welches Training der Anwender absolvieren sollte, damit der Betrieb künftig reibungslos funktioniert.

Um die digitalen Service-Leistungen zu erbringen, scannt die Plattform Adamos pausenlos die Prozesse und Produktionsdaten des Kunden. Diese Informationen bleiben bei Dürr und dem Kunden. Von Anfang an entscheidet allein der Kunde, was mit seinen Daten passiert.

Wie Loxeo bietet auch Tapio einen digitalen Marktplatz. Die dort erhältlichen Apps vereinfachen die Fertigungsabläufe und die Maschinenwartung von Kunden der Homag Group von Dürr. Tapio ist offen für andere Unternehmen aus der Holzindustrie und Lieferanten, wie etwa Klebstoffhersteller.

Digitales Ökosystem

Maschinenbauer und Zulieferer der Holzindustrie rücken damit näher zusammen. Hand in Hand können sie digitale Lösungen für die gemeinsamen Kunden liefern. So entsteht ein vielseitiger Marktplatz mit digitalen Dienstleistungen und Lösungen – sozusagen das „digitale Ökosystem“ für die Holzbranche, so Dürr. Das App-Angebot auf Tapio wächst Schritt für Schritt, der Kunde kann sich beispielsweise über den Zustand der Anlage informieren. Stehen Maschinen still oder müssen nachgerüstet werden, erhält der Mitarbeiter eine Nachricht auf sein Smartphone. Die App bietet aber noch mehr: Der Bediener kann zum Beispiel die Verleimeinheit einer Maschine von zu Hause aus vorheizen – und im Betrieb sofort mit der Arbeit beginnen. Auch Ferndiagnosen an Maschinen, die nicht richtig arbeiten, können erstellt werden. Ein Online-Zugang zum Ersatzteil-Shop kommt hinzu.

Beitritt zum Adamos-Verbund


Die Software-Plattform Adamos für das Industrial Internet of Things (IIoT) wird von immer mehr Maschinenbauern eingesetzt.
Zuletzt sind nach Angaben der Dürr AG fünf weitere namhafte Unternehmen dem Adamos-Verbund beigetreten.

Dazu zählen die Maschinenbauer Oerlikon Textile (Textilmaschinen), Weber Maschinenbau (Verpackungsmaschinen für Lebensmittel), ILLIG Maschinenbau (Thermoformung, Verpackungstechnik) und Mahr (Fertigungsmesstechnik). Adamos wurde im Jahr 2017 von den Maschinenbauern DMG MORI, Dürr, Zeiss und ASM PT gemeinsam mit der Software AG gegründet. bz