Pleidelsheim Ein Zeichen gegen das Insektensterben

Ein Tagpfauenauge saugt Nektar aus den Blüten eines Baumes. Der Einsatz von Pestiziden und großflächige Monokulturen sind Gründe für den Rückgang der Insekten. Pleidelsheim geht das Problem nun schrittweise an, und möchte den Tieren mehr Raum geben.
Ein Tagpfauenauge saugt Nektar aus den Blüten eines Baumes. Der Einsatz von Pestiziden und großflächige Monokulturen sind Gründe für den Rückgang der Insekten. Pleidelsheim geht das Problem nun schrittweise an, und möchte den Tieren mehr Raum geben. © Foto: dpa
Pleidelsheim / Günther Jungnickl 04.08.2018

Es geht um Klimawandel, zunehmende Flächenversiegelung, Industrialisierung der Landwirtschaft, großflächigen Einsatz von Pestiziden und den Zustand von privaten und öffentlichen Grünflächen, die einen englischen Rasen und steinernen Monumente haben. Dafür haben sich die beiden Fraktionen der Unabhängigen Wählervereinigung „Wir in Pleidelsheim“ (WIR) und der Offenen Grünen Liste (OGL) des Gemeinderats stark gemacht und für ihr Anliegen die Zustimmung von Pleidelsheims Bürgermeister Ralf Trettner und fast des gesamten Gemeinderats geerntet. Denn nur zwei Räte enthielten sich der Stimme beim Votum.

Allerdings schränkte der Bürgermeister ein, dass mit dem gegenwärtigen Personalstand das von der Verwaltung kaum zu stemmen sei und er aus diesem Grund möglicherweise noch einmal auf den Gemeinderat zukommen werde. Auf jeden Fall sei der Antrag „intensiv“ von der Verwaltung diskutiert und akzeptiert worden.

„Wir unterstützen diesen Antrag“, erklärte Stadtoberhaupt Ralf Trettner. Schließlich sei auf Anregung des Rathauses auch die Riedbachaue entstanden. Im Feuchtbiotop Riedbachaue ist der gesamte Grünbestand, der eine Gesamtgröße von etwa vier Hektar umfasst, unter Schutz gestellt worden (die BZ berichtete). Christel Staudenmaier (WIR) und Dieter Rohr (OGL) erläuterten ebenfalls noch einmal die Beweggründe, die sie auf diesen Antrag gebracht haben. Staudenmaier erinnerte dabei an die Pleidelsheimer Agenda 21 als positiven Ausgangspunkt. Bei dem Projekt gehe es allerdings nicht darum, „etwa Schuldige zu suchen“. Rohr verdeutlichte am Beispiel des Insektensterbens, wie wichtig es sei, statt „sauberer“ Gärten auch Unkraut zu akzeptieren.

„Es müssen ja nicht gleich Naturschutzgebiete sein, auch Pleidelsheim verfügt über viele vorbildliche Ecken“, räumte Rohr ein. Es gelte, dafür ein Bewusstsein in der Bevölkerung für die Natur zu schaffen. Während Inge Link (FWV) zustimmte: „Jeder kann in seinem Bereich dafür etwas tun“. Dem stimmte auch Albrecht Reuther zu, denn: „Es muss ja nicht jedes Unkräutle im Garten vernichtet werden.“

Hermann Höhne (SPD) signalisierte zwar seine Zustimmung wegen der zunehmenden Flächenversiegelung und der Umtriebe der Düngemittel- und Schädlingsbekämpfungsindustrie.

Professionalität wird gefordert

Hermann Höhne forderte allerdings dabei ein „professionelles und systematisches Vorgehen“ mittels einer Bestandsaufnahme. Diese sollte möglichst von Fachleuten geleitet werden. Dagegen sträubte sich jedoch Christel Staudenmaier und äußerte: „Wir wissen doch, dass es das Insektensterben gibt.“ Sie sei schon für mehr Verwaltungspersonal, „aber bitte in Grenzen“.

Ernst Speer (CDU) ließ allerdings wissen, dass er wegen der angespannten Personallage im Rathaus der Vorlage nicht zustimmen könne. Auf Grund dessen enthielt er sich bei der Abstimmung.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel