Tamm Ein Votum und deutlicher Appell

Tamm / MICHAELA GLEMSER 18.11.2015
Am Montag haben die Tammer Gemeinderäte der auf rund 13 Hektar reduzierten Erweiterung des gemeinsam mit Bietigheim-Bissingen betriebenen Gewerbegebiets "Laiern" mehrheitlich zugestimmt.

Noch halten sich die Verstimmungen zwischen den Gemeinderäten in Tamm und Bietigheim-Bissingen in Grenzen. Doch die Gremiumsmitglieder aus Tamm gaben am Montag ihrer Überraschung darüber deutlich Ausdruck, dass in der Nachbarkommune die 19 Hektar große Gewerbegebietserweiterung zunächst abgelehnt worden war. Sie gingen aber wie schon im September erneut in Vorleistung und votierten bei vier Gegenstimmen schließlich für eine Erweiterung des Zweckverbandsgebiets "Laiern" um rund 13 Hektar - nicht ohne deutliche Kritik zu üben. Doch die fand anderntags zu wenige offene Ohren (siehe links).

"Wir sind schon verwundert darüber, dass wir heute erneut über diesen Punkt abstimmen sollen, bevor die Gemeinderäte in Bietigheim-Bissingen darüber entschieden haben. Wir hoffen daher sehr, dass dort die Zustimmung zu der auf nun rund 13 Hektar reduzierten Erweiterungsfläche erfolgt. Wir werden nämlich keine Salami-Taktik' mitmachen, mit Hilfe derer das Areal immer weiter geschmälert werden soll", betonte der Vorsitzende der AWV-Fraktion, Jürgen Hottmann.

Ähnlich sah es der Fraktionsvorsitzende der CDU, Adolf Bommer. "Tamm ist vor 20 Jahren zu Beginn des Gemeinsamen Zweckverbandsgebiets schon einmal in Vorleistung gegangen und hat mehr Flächen als Bietigheim-Bissingen eingebracht. Wir vertrauen nun auf die Fairness in Bietigheim-Bissingen und auf eine Zustimmung zur Gebietserweiterung. Sonst ist es mit unseren Nachbarn vielleicht nicht mehr ganz im Guten. Wir wollen auch Arbeitsplätze im vergrößerten Zweckverbandsgebiet sehen und nicht nur mehr Verkehr erdulden müssen", machte Bommer deutlich.

Sonja Hanselmann-Jüttner von der SPD verwies ebenfalls darauf, dass sie eigentlich erwartet hätte, dass zunächst die Räte in Bietigheim-Bissingen entscheiden. "Wir hätte gerne gesehen, wohin der Kurs geht. Natürlich begrüßen wir die Reduzierung der Flächengröße, denn wir haben zuletzt nur mit großen Bedenken zugestimmt. Leider fällt das Verhältnis der eingebrachten Flächen beider Kommunen jetzt nicht mehr so positiv für Tamm aus", erklärte die Fraktionsvorsitzende. Sie machte sich nachdrücklich dafür stark, dass mit der Erweiterung auch die Verkehrsführung auf der Landesstraße L1110 und der Kreisstraße K1671 verbessert werden müsse.

Dies bezweifelte der Grüne Reiner Balko. Eine bessere Verkehrsführung auf einer zu errichtenden Nordumfahrung erhöhe die Attraktivität Tamms für den Durchgangsverkehr eher. "Nur mit Pförtnerampeln an den Ortseingängen lassen sich Lösungen finden. Zudem gehen die Flächenverteilung und die Erschließung der Zweckverbandserweiterung zu Lasten Tamms, aber bei der Verteilung der Einnahmen herrscht immer noch ein Verhältnis von 50 Prozent zu 50 Prozent", so Balko, dessen Fraktion der Erweiterung nicht zustimmte.

Tamms Bürgermeister Martin Bernhard erinnerte Balko daran, dass die Nordumfahrung zur Minderung der Verkehrsbelastung in Tamm zunächst gebaut werden müsse. Dies könne nur mit der Vergrößerung des Zweckverbandsgebiets gelingen, da die Kommune allein das Geld für den Bau nicht aufbringen könne.

Auch Sandra Weber von der Liste Lebenswertes Tamm erinnerte daran, dass Bietigheim-Bissingen die Erweiterung des Zweckverbandsgebiets auch allein umsetzen könne. "Wir brauchen jedoch sichere und stabile Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Dennoch wirkt sich die Flächenverteilung nach der Verkleinerung sehr zu unseren Ungunsten aus. Ein Ausgleich zwischen Bietigheim-Bissingen und Tamm findet langfristig nicht statt. Deshalb sollten wir Verhandlungen führen, um den Ausgleich an anderer Stelle, zum Beispiel bei den Umlagekosten, zu schaffen", so Weber.

Bürgermeister Bernhard verwies darauf, dass er einer nochmaligen Reduzierung der Gebietserweiterung sicher nicht zustimmen werde, denn sonst entstehe ein zu großes Ungleichgewicht.

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