Stuttgart Ein ungleiches Paar

Stuttgart / PATRICIA FLEISCHMANN 24.09.2016
„Harold und Maude“ in der Komödie im Marquardt in Stuttgart mit Johannes Hallervorden.

Nach seinem Kinostart im Jahr 1971 lehnten Publikum und Kritik den Film „Harold and Maude“ als „geschmacklos“ ab. Inzwischen gilt Collin Higgins‘ Geschichte um die Liebe eines 20-Jährigen mit einer 60 Jahre älteren Frau als Kultfilm. In der Komödie im Marquardt feierte nun die Bühnenadaption Premiere.

Harold inszeniert einen Selbstmord nach dem anderen, um die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu erregen, die jedoch kaum noch ein müdes Gähnen für die mal blutig, mal nur gruselig ausgestalteten Suizidtableaus ihres Sohnes übrig hat. Stattdessen versucht die wohlsituierte Lady, ihn per Partnervermittlung mit Damen seines Alters zu verkuppeln. Harold trifft jedoch in der knapp 80-jährigen Maude seine erste Liebe. Gemeinsames Hobby: Beerdigungsbesuche.

Mit der faszinierenden Anita Kupsch als Maude, Stephanie von Borcke als Harolds Mutter, Markus Bader in der Rolle des Psychologen und des Pfarrers sowie Susanne Theil in den Rollen dreier heiratswütiger junger Damen stehen gestandene Komödianten auf der Bühne am Schlossplatz in Stuttgart. Stephanie von Borckes narzisstische Mutter fällt allen ins Wort und händelt in dieser zeitlich ans Heute angepassten Inszenierung durch Intendant Manfred Langner vier Gespräche gleichzeitig: Zwei an schnurlosen Telefonen, eines mit dem Butler und eines mit ihrem Sohn. Symbolisch für die Missachtung ihrer Mitmenschen, denen sie kaum den Hauch ihrer Aufmerksamkeit schenkt und ein Fest fürs Publikum. Perfektes Timing. Souveräne Darsteller. Glänzend ausgestattet von Barbara Krott.

Johannes Hallervorden gibt hier in Stuttgart wenige Tage nach seinem 18. Geburtstag sein Bühnendebüt in einer Hauptrolle.

Bei aller Sympathie für diesen sichtlich nervösen „blonden Hallervorden“ bleibt sein Spiel  ausbaufähig. Während er im Berliner Schlossparktheater, das Dieter Hallervorden leitet, schon in kleineren Rollen, auch mit seinem Vater aufgetreten ist, sammelte der späte Sohn des deutschen Komikers und Schauspielers vor allem vor der Kamera Erfahrung.

Info
Weitere Aufführungen in der Komödie im Marquardt noch bis zum 13. November.

www.schauspielbuehnen.de

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