Pleidelsheim Ein Schriftsteller auf Weltrekordjagd

Autor Stefan Gemmel vor Schülern in Pleidelsheim.
Autor Stefan Gemmel vor Schülern in Pleidelsheim. © Foto: Richard Dannenmann
Pleidelsheim / GÜNTHER JUNGNICKL 22.09.2015
Der Jugendbuchautor Stefan Gemmel (45) hat am Montag auf seiner Jagd nach einem neuen Lese-Weltrekord in Pleidelsheim Station gemacht. Eine Stunde lang begeisterte er Mädchen und Buben der dortigen Friedensschule.

Der Mann mit der drahtigen Figur eines Marathonläufers hat es immer eilig. Fast im Laufschritt eilt er in der Festhalle auf die Bühne und im Eiltempo verlässt er sie auch nach seinem furiosen einstündigen Auftritt. Laut umjubelt von den rund 150 Grundschülern der Klassen zwei bis vier. Denn bei dieser Veranstaltung hat er - wieder einmal - sein Bestes gegeben. Hat sich als ebenso witziger wie dynamischer Entertainer präsentiert, seine jungen Zuhörer zeitweilig zum Mitmachen animiert und schließlich aus seinem Bestseller "Im Zeichen der Zauberkugel" gelesen und sie damit unübersehbar in seinen Bann gelockt. Also hat er sie im besten Sinn "unterhalten" - und vielleicht auch zum Lesen verführt.

Denn das ist der eigentliche Sinn dieser Weltrekord-Reise, die von Geschäftsführerin Eva Pfitzner von der rheinland-pfälzischen Leserattenservice GmbH organisiert und begleitet wird: Kinder und Jugendliche fürs Lesen interessieren. Seit 2012 ist der Erfolgsautor Gemmel bereits im Besitz eines Weltrekords, als er es in Koblenz mit zwei Lesungen vor jeweils über 50.000 Besuchern ins Guiness-Buch der Rekorde schaffte. In diesem Jahr will er in vierzehn Tagen 80 jeweilige einstündige Lesungen in über 70 Städten und Gemeinden Deutschlands abhalten. Pleidelsheim war seine 50. Station.

Als er mit dem Elektroauto mittags an der Pleidelsheimer Festhalle ankommt, hat er bereits zwei Veranstaltungen in Ehningen bei Ulm und in Süßen (Kreis Göppingen) hinter sich. Er wirkt leicht gestresst, doch das ist er eigentlich immer. Auf der Bühne merkt man das allerdings nicht mehr, denn der Mann ist Profi. Beinahe jedes Jahr führt er nämlich rund 250 Lesungen durch. Dass er dennoch vor vier Jahren vom deutschen Buchhandel zum "Lesekünstler des Jahres gekrönt wurde", spricht für die Qualität seiner Performance. Deshalb auch hat der 45-Jährige neben zahlreichen Jugendbuchpreisen auch bereits 2007 als einer der jüngsten Deutschen das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen.

Die Weltrekord-Lesereise durch Deutschland hat am 14. September 2015 um 8 Uhr in Hamburg begonnen und soll am kommenden Sonntag (27. September 2015) in Berlin enden. Pleidelsheim ist die einzige Teilnehmer-Gemeinde im Kreis Ludwigsburg.

Verantwortlich dafür ist das Lehrerkollegium der Friedensschule um Rektorin Brigitte Wolter. Nachdem eine der Lehrerinnen vom Lese-Weltrekordversuch Wind bekommen hatte, war man sich dort schnell einig: Da machen wir mit. Denn Lesen gehört zum besonderen Profil der Friedensschule. Das bekam auch Autor Gemmel am Montag schnell zu spüren. Als er die Buben und Mädchen von der Bühne herab nach ihrer Leselust befragte, da flogen die Hände fast ausnahmslos nach oben. Und selbst bei der Frage nach der täglichen Lektüre war es immer noch eine begeisterte glasklare Mehrheit. Doch Schulleiterin Brigitte Wolter wusste es vor dem schnellen Abgang des mutmaßlich neuen Weltrekordlers ganz genau: "Mädchen lesen natürlich deutlich mehr als Buben."

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