Friedensnobelpreis Ein Marbacher in Oslo gegen 15.000 Atomraketen

Marbach / Uwe Roth 13.12.2017

Am Montag flog Roland Blach aus der norwegischen Hauptstadt Oslo zurück nach Baden-Württemberg. Er war dort zur Verleihung des Friedensnobelpreises. Am Dienstagmorgen war er bereits wieder auf dem Weg von seinem Wohnort Marbach zu seinem Arbeitsplatz in Stuttgart in der Werastraße. Dort hat die DFG-VK ihre Landesgeschäftsstelle, die der 48-Jährige seit 2002 leitet. Es ist die Abkürzung für Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner. Diese ist wiederum Teil der Ican-Bewegung, die weltweit von mehr als 450 Organisationen in 100 Ländern getragen wird und sich für eine Ächtung von Atomwaffen einsetzt. Und dieses Engagement ist in diesem Jahr vom Komitee des Friedensnobelpreises gewürdigt worden. Am Sonntag war im Rathaus von Oslo die Feierstunde.

„Es war fantastisch Teil, dieser Zeremonie gewesen zu sein“, schwärmt der langjährige Friedensaktivist, obwohl er die Überreichung der Urkunde nicht unmittelbar verfolgen konnte. 250 Ican-Aktivisten waren gekommen, 12 aus Deutschland. „Bei so vielen Preisträgern mussten die meisten ins benachbarte Nobel Peace Center ausweichen. Nur wenige durften ins Rathaus“, berichtet Blach. Von dort aus verfolgten sie die Preisverleihung über Monitore.

Königspaar vergießt Tränen

„Die Stimmung bei uns war so, als wären wir in den ersten Reihen gesessen. Sehr emotional. Oft gab es stehende Ovationen“, schildert er die gefühlsgeladene Atmosphäre, in der manche Träne geflossen sei – und nicht nur bei ihm. Es seien Freudentränen gewesen, nach so vielen Jahren in der Friedensbewegung diese Würdigung erhalten zu haben; aber auch Tränen der Trauer, als die 85-jährige Japanerin Setsuko Thurlow, eine Überlebende des Atombombenabwurfs auf Hiroshima, ihre sehr bewegende Rede gehalten habe. „Das ist richtig unter die Haut gegangen.“ Auch das norwegische Königspaar habe Tränen nicht zurückhalten können, wie er beobachtete.

Mit sehr viel frischer Motivation sei er nach Deutschland zurückgekehrt. Als Teil einer Organisation, die Nobelpreisträgerin ist und damit in einer Reihe mit Nelson Mandela und Barack Obama stehe, setzt er im Einsatz gegen Atomwaffen auf eine größere Öffentlichkeit. Vor allem in Vorträgen und mit Schulbesuchen will er „auf die konkrete Bedrohungslage“ aufmerksam machen. Durch den US-Präsidenten Donald Trump und den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un habe sich die Kriegsgefahr erheblich verschärft, aber unterschwellig sei die Bedrohung durch Atomwaffen immer schon gegeben gewesen.

Zudem gelte es den Menschen, die er mit seiner Friedensarbeit erreichen könne, klarzumachen, dass ihr Leben auch dann zerstört werde, wenn Deutschland nicht direktes Ziel von Atomraketen sei. „Es sind Waffen der Hölle, der absoluten Hölle“, beschwört er. Davon gebe es weltweit 15 000 Stück. Jede einzelne könne das Weltgefüge aus dem Gleichgewicht bringen. Um diese Friedensarbeit voranzubringen, sucht Blach lokale Mitstreiter. Dazu gehören für ihn auch die Bürgermeister. Die Organisation „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden), mit der er kooperiere, setze sich für die gleichen Ziele ein. Aus Deutschland beteiligten sich inzwischen rund 500 Bürgermeister an der Initiative.

Er hofft auf weiteren Zulauf. Aus dem Stuttgarter Rathaus habe er bereits „eine wunderbare Gratulation“ erhalten. Die Ächtung der Atomwaffen müsse ein lokales Thema sein, in das beispielsweise das Rote Kreuz einbezogen werden müsse, sagt er. Das DRK leiste „eine großartige Friedensarbeit“. Die Nobelpreisverleihung habe für eine große Aufmerksamkeit in den Medien gesorgt. Nun will er durchstarten: „Das müssen wir nutzen, in einem halben Jahr ist dieser Effekt wieder verschwunden.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel