"Ein bisschen verrückt bin ich schon, aber ich würde es immer wieder machen, und ich hatte viele schöne Erlebnisse", sagt Toni Gatzka. Um acht Uhr am 20. April dieses Jahres, seinem Geburtstag, setzte sich der 61-Jährige aus Bremen auf sein Rad und fuhr los. Sein Ziel: Portugal. "Ich habe aufgehört zu arbeiten und wollte etwas unternehmen", erzählt der ehemalige Polizeibeamte.

Also machte er sich alleine und mit 16 Kilogramm Gepäck auf den Weg in Richtung Portugal. Seine Route dorthin führte ihn von Bremen durch Belgien, Frankreich und entlang der spanischen Küste. "Ich bin auf dem Jakobsweg gefahren, aber dem Jakobsweg für Fahrräder, bis nach Santiago de Compostella", berichtet er. Von dort aus fuhr Gatzka die portugiesische Küste entlang und schließlich wieder zurück in Richtung Deutschland.

"Ich habe kein Navi dabei, sondern fahre nach meiner kleinen Karte", sagt Gatzka. Ein begeisterter Fahrradfahrer war er schon immer: "Ich erledige lieber alles auf dem Rad, da nimmt man seine Umwelt anders wahr. Meine erste Radtour habe ich mit 15 Jahren gemacht, da ging es von Bremen an den Bodensee."

Untergekommen ist der Vater von zwei Töchtern während seiner aktuellen Tour in Hostels und Hotels: "In Frankreich war ich aber meist bei Freunden privat untergebracht." Überfälle oder sonstige gefährliche Situationen habe er auf seinen bisher 7728 Kilometern, bis nach Freudental, nicht erlebt. Lediglich auf dem Hinweg hat man ihm in Frankreich seinen Helm geklaut. "Sonst waren alle nett, und ich habe mich nie unsicher gefühlt", erzählt der 61-Jährige. Und auch sein Fahrrad hat bisher standgehalten: "Ich musste nur zwischendrin ein paar Speichen vom Rad ersetzen, aber sonst ist alles bisher prima gelaufen."

Für einige Tage war Gatzka jetzt in Freudental auf Familienbesuch, um von hier aus wieder zurück nach Bremen zu fahren. Er freut sich schon auf das Wiedersehensfest mit der Familie. In Bremen wartet neben seinen beiden Töchtern und seiner Frau Johanna auch seine Enkeltochter Ida auf ihn. "Ich habe schon eine zweijährige Enkelin, aber am 31. Mai ist meine zweite Enkeltochter zur Welt gekommen, und die habe ich bisher ja noch nicht kennengelernt", so Gatzka.

Mit seiner 8500 Kilometer langen Radtour möchte Gatzka auch auf das Projekt "Kivu Simama" aufmerksam machen. "Ich habe die Tour natürlich in erster Linie für mich gemacht, aber ich habe mir überlegt, dass ich ja auch gleichzeitig etwas Gutes für mich und für andere tun kann", erklärt er. Das Projekt unterstützt die Region Bukavu Sud in der Demokratischen Republik Kongo, die durch Krieg im Mitleidenschaft gezogen wurde. Mit der finanziellen Unterstützung wird laut Gatzka dafür gesorgt, dass elternlose Kinder die Schule besuchen können, Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden kann sowie ein Hygienestandard geschaffen werden kann.

Allein mit 12 Euro kann dort ein Kind einen Monat lang zur Schule gehen und bekommt dort jeden Tag eine warme Mahlzeit", sagt Gatzka. "Das Projekt ins Leben gerufen hat mein Freund Joseph aus Frankreich. Er stammt selbst aus dieser Region im Kongo", erzählt Gatzka. Deshalb hatte der Bremer die Idee, dass für jeden Kilometer, den er mit dem Fahrrad zurücklegt, ein Cent an das Projekt gespendet werden könne. "Natürlich kann man auch mehr oder weniger spenden, denn jeder Cent zählt."