Dass der gebürtige Ludwigsburger Felix Walter eigentlich ebenfalls zu den so genannten Vätern des Grundgesetzes gehört, ist inzwischen beinahe in Vergessenheit geraten. Felix Walter war einer von fünf Vertretern des Landes Württemberg-Baden, die der Landtag 1948 in den Parlamentarischen Rat nach Bonn entsandte. 77 Personen gehörten dem Parlamentarischen Rat an. Zu den 65 offiziellen Mitgliedern kamen fünf nicht stimmberechtigte Vertreter Berlins sowie sieben Nachrücker hinzu. Sämtliche Mitglieder des Parlamentarischen Rates einte die Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Fast alle wurden in den Jahren der NS-Diktatur diskriminiert, verfolgt, waren teilweise inhaftiert oder zogen sich weitgehend in die innere Emigration zurück.

Auch Felix Walter litt unter den Nazis. Sein Weg in den Parlamentarischen Rat war jedoch nicht zwingend vorgezeichnet. Felix Walter wurde am 19. September 1890 in Ludwigsburg geboren. Eine juristische Karriere war ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Bereits sein Vater Karl Ludwig Walter war damals zunächst als Richter am Amtsgericht Ludwigsburg tätig, und wurde 1901 an das Landgericht Ellwangen versetzt. Felix Walter machte dort 1908 das Abitur. Anschließend studierte Felix Walter bis 1913 Rechts- und Staatswissenschaften in Tübingen und Berlin. 1913 legte Walter sein erstes und 1917 sein zweites Staatsexamen ab. Als Amtsrichter und Hilfsanwalt war er in Stuttgart und Ulm von 1915 bis 1919 tätig. Bereits in jungen Jahren kam Walter mit der Politik in Berührung. Sein Vater wurde 1906 für die Zentrumspartei in den württembergischen Landtag gewählt. So war es nicht verwunderlich, dass Felix Walter selbst 1919 in die Zentrumspartei eingetreten ist. Drei Jahre später, 1922 wurde er deren Vorsitzender für den Bereich Stuttgart-West. Von 1924 bis 1933 war Felix Walter sogar Vorsitzender der Zentrumspartei von Groß-Stuttgart. Seine politischen Ziehväter waren Josef Beyerle (Justizminister von 1923 bis 1933) und Eugen Bolz (1919-1923 Justizminister, 1923 bis 1933 Innenminister, 1928 bis 1932 Staatspräsident).

Walters politische Aktivitäten blieben den Nationalsozialisten nach deren Machtergreifung nicht verborgen. Dass Walter seine berufliche Existenz nicht verloren hat, war vermutlich dem Rottenburger Bischof Johann Baptista Sproll zu verdanken. Walter wurde lediglich als Landgerichtsrat an das Landgericht Stuttgart zwangsversetzt. Josef Beyerle holte Walter nach Kriegsende in die Verwaltung zurück und ernannte ihn zum Ministerialrat und Kanzleidirektor im Justizministerium von Württemberg-Baden.

1945 Mitgründer der CDU

1945 war Walter Mitgründer der CDU, und als Vertreter des Wahlkreises Aalen-Ellwangen-Neresheim 1946 Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung. Kurzfristig war er nach der Landtagswahl 1946 sogar als Landtagspräsident im Gespräch, seine Fraktion legte sich jedoch auf Josef Andre fest, der wiederum Wilhelm Keil (SPD) unterlag. Felix Walter war auch Mitglied im Entnazifizierungsausschuss, und forderte dort vehement eine harte Bestrafung der Hauptschuldigen.

Am 13. August 1948 wurde der versierte Jurist   für Württemberg-Baden zu einem der fünf Vertreter für den Parlamentarischen Rat gewählt. Walters Kompetenzen waren besonders gefragt im kombinierten Ausschuss für die Organisation des Bundes, Verfassungsgerichtshofs und Rechtspflege und im Ausschuss für Wahlrechtsfragen.

Darüber hinaus war er stellvertretendes Mitglied im Hauptausschuss. In der 5. Sitzung des Hauptausschusses erläuterte Walter, wie er die Aufgabe des Parlamentarischen Rates sah: „Wir sind uns darüber einig…, dass wir eine Verfassung schaffen wollen gerade so, als wenn wir tatsächlich die volle Souveränität im deutschen Volke hätten und als wenn wir nicht die Besatzung durch vier fremde Mächte hätten. Wir wollen hier völlig souverän entscheiden“. Er engagierte sich mit seinem Sachverstand stark, nahm fast regelmäßig an den Sitzungen des Hauptausschusses teil. Sein Bestreben war, die neue Verfassung und den zu schaffenden Staat „diktaturfest“ zu machen, er bestand unter anderem auf eine Reduzierung des Einflusses des Bundespräsidenten, wollte einen mit dem Bundestag gleichberechtigten Bundesrat. Er konnte sich nicht überall durchsetzen, beispielsweise scheiterte der Jurist mit dem Ansinnen, die Todesstrafe beizubehalten.

An den Abschlussberatungen des Grundgesetzes konnte Walter nicht mehr teilnehmen. Völlig überraschend verstarb er am 17. Februar 1949 in Stuttgart.

Konrad Adenauer, der Präsident des Parlamentarischen Rates, würdigte Felix Walter am 24. Februar 1949 mit den Worten: „Er ist uns allen lieb geworden durch seinen Pflichteifer, seine Zuverlässigkeit, seine Ausgeglichenheit und seine starke Hilfsbereitschaft“.