Ingersheim Ein Eber und seine 2000 Ferkel

Günther Luithardt (links) und sein Sohn Andreas haben sich auf ihrem Hof bei Ingersheim auf die Ferkelaufzucht spezialisiert und investieren weiter in den Betrieb.
Günther Luithardt (links) und sein Sohn Andreas haben sich auf ihrem Hof bei Ingersheim auf die Ferkelaufzucht spezialisiert und investieren weiter in den Betrieb. © Foto: Martin Kalb
Ingersheim / GÜNTHER JUNGNICKL 25.06.2013
Seit fast einem Jahr wird am Hof beim Brandholz gebaut. Wenn noch in diesem Sommer alle Maßnahmen abgeschlossen werden, verfügt die Familie Luidthardt über die modernste und größte Ferkelproduktion im Kreis.

Eber "Peter" hat ein prima Leben. Der fünf Zentner schwere Prachtkerl vom Kehrsbachhof steht gut im Futter, ist stets umgeben von hunderten Säuen und spielt die Rolle des Animateurs. Das heißt: Von seinem Koben aus hat er stets soviel Männlichkeit auszudünsten, dass die "Damen" davon ganz wild, also "rauschig" werden. Er selbst hat jedoch nichts davon, denn der Samen, mit dem sie dann künstlich befruchtet werden, stammt von "Munzel". Der ist als Zuchteber beim Abstätter Hof angestellt, verfügt über einen lupenreinen Ahnenpass und somit über eine ganze Reihe positiver Eigenschaften: Psychische und physische Belastbarkeit, Krankheitsresistenz und Muskelmasse. "Munzel" gehört zur Rasse der Deutschen Pietrainschweine und seine guten Gene werden bei Luidthardts mit denen des Deutschen Landschweins gekreuzt, damit daraus später Schlachtschweine werden. Was heißt: Prima Fleisch mit wenig Fettanteil.

Denn das wünscht der Verbraucher heutzutage, wie Günther Luidthardt weiß. Der hat 1982 seinen Aussiedlerhof beim Brandholz von Kühen ganz auf Ferkelproduktion umgestellt und lag damit goldrichtig. Zusammen mit Sohn Andreas, einem diplomierten Landwirtschaftsmeister mit Lehrauftrag der Landwirtschaftsschule, bewirtschaftet er inzwischen den Kehrsbachhof und ist eben dabei, seine weitläufigen Ställe nach EU-Normen zu modernisieren und zu mechanisieren.

Fast einen siebenstelligen Betrag investiert die Familie, ohne die sonst das Geschäft mit den Ferkeln wirtschaftlich nicht mehr zu bewältigen wäre. Wenn im Sommer noch vor der Ernte die umfangreichen Bauarbeiten abgeschlossen sein werden, wird Platz für 450 Muttersäue und 2000 Ferkel sein. Damit ist der Betrieb größter Ferkelproduzent im Landkreis, mit 70 Muttersäuen hatte er einst angefangen.

Spezialisierung und Mechanisierung in der Landwirtschaft seien die Folge davon, dass der Verbraucher hierzulande Lebensmittel möglichst billig haben will, sagt Günther Luidthardt. Da ist kein Platz mehr für Romantik. Deshalb heißt "Peter" in Wirklichkeit auch nicht Peter, sondern hat eigentlich nur eine Nummer. So wie jedes Mutterschwein und jedes Ferkel am Hof auch. Die Mutterschweine züchtet Luidthardt auch nicht selbst, sondern bekommt sie wie "Munzels" Sperma von einem Spezialbetrieb aus der Region.

Alle sechs Wochen werden ein paar neue geliefert und kommen aus hygienischen Gründen zunächst in die "Quarantänestation". In der Ferkelproduktion kann es sich Luidthardt nicht leisten, dass Infektionskrankheiten eingeschleppt werden. Weil Muttersäue wie Ferkel schon seit Jahren in Gruppen gehalten werden, was inzwischen auch gesetzlich vorgeschrieben ist, könnte eines das andere anstecken. Auch gibt es keine Streu mehr in den Ställen, sondern durchlässige Kunststoffmatten. Urin fließt direkt ab, Kot wird regelmäßig mit Schiebern entfernt.

Gerade wird der riesige Abferkelbereich neu eingerichtet. Er ist so etwas wie der Kreissaal und die "Säuglingsstation". 28 Tage bleiben die Muttersäue dort mit ihren zwölf bis 14 Ferkeln beisammen. Werden die Ferkel von ihnen getrennt, kommen sie in Ferkelgruppen, bis sie 28 bis 30 Kilogramm schwer sind und an Mäster oder Schlachtereien verkauft werden können. In dieser Zeit legen die Luidthardts Wert auf gesundes Futter, weshalb es zum großen Teil aus eigener Produktion kommt: Winter- und Sommergerste, Weizen und Hafer. "Biofleischtauglich" seien sie deshalb allemal, betont Günther Luidthardt.

Um Verbrauchern zu zeigen, wo die Anfänge für ihre preiswerten Schnitzel liegen, hatte die Familie Luidthardt zu einem "Tag der offenen Tür" eingeladen. Das Echo war groß, rund 1000 Besucher schauten vorbei. "Wir haben nämlich nichts zu verbergen", begründet Günther Luidthardt diesen Schritt an die Öffentlichkeit. Allerdings gelte längst die betriebswirtschaftliche Maxime: Stillstand bedeutet Rückschritt.

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