Tamm Ein Dienst aus christlicher Nächstenliebe

90 Jahre Krankenpflegeverein (v.l.): v.l.: Bürgermeister Martin Bernhard, Dietmar Glaubitz, Sabine Hoffmann, Pfarrer Hans Hermann Enslin und der Leiter der Sozialstation, Michael Wagensohn.
90 Jahre Krankenpflegeverein (v.l.): v.l.: Bürgermeister Martin Bernhard, Dietmar Glaubitz, Sabine Hoffmann, Pfarrer Hans Hermann Enslin und der Leiter der Sozialstation, Michael Wagensohn. © Foto: Martin Kalb
Tamm / GÜNTHER JUNGNICKL 16.11.2015
Mit einem Tag der offenen Tür feierte der Krankenpflegeverein Tamm am Samstag in seinen Geschäftsräumen den 90. Geburtstag.

Es gab Selbstgebackenes und dazu Sekt und Orangensaft sowie flotte musikalische Beiträge der Saxofonistin Tanja Stähle. Denn der Krankenpflegeverein Tamm beging am Samstagvormittag seinen 90. Geburtstag in den freundlichen, hellen Räumen, die er erst im Vorjahr an der Hauptstraße bezogen hatte. Der Vorsitzende Dietmar Glaubitz konnte dazu eine große Zahl Vertrauter begrüßen, unter anderem auch den Ehrenvorsitzenden, Pfarrer Hans Hermann Enslin.

Bürgermeister Martin Bernhard war einer der ersten Gratulanten und wies in seiner kurzen Ansprache sogleich darauf hin, dass es Krankenpflege mitnichten erst seit 90 Jahren in Tamm gibt. Nach seinen Recherchen gab es bereits Vorläufer wie etwa den Wohltätigkeitsverein im Jahre 1876 und noch früher, nämlich 1722, einen herzöglichen Aufruf an die Gemeinden und Mediziner, sich um die Alten und Schwachen zu kümmern. "Also ist Krankenpflege in Tamm vielleicht sogar schon 139 oder gar 283 Jahre alt", scherzte er.

Im Ernst aber würdigte er die Arbeit des mit 870 Mitgliederfamilien besonders wichtigen Vereins, der seit den 90er-Jahren die Sozialstation betreibt. Denn immer mehr sei medizinische Fachkenntnis gefragt, seien die Anforderungen gewachsen und die Kosten gestiegen, erklärte er, "aber der Auftrag ist der gleiche geblieben, nämlich Hilfsbereitschaft aus christlicher Nächstenliebe". Dafür dankte er dem Verein, den hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfern um Michael Wagensohn, den Leiter der Sozialstation.

Einen Ausflug in die Geschichte des im Mai 1925 gegründeten Krankenpflegevereins unternahm Dietmar Glaubitz in seiner Festrede. Dabei erinnerte er vor allem an Gemeindeschwester Babett, die von 1943 bis 1973 den Krankenpflegevereins geprägt hat. Die kleine Frau mit der Schwesternhaube ist heute noch eine Legende, und mancher Festgast erinnerte sich an sie, wie sie zunächst zu Fuß, dann mit dem Fahrrad und schließlich mit dem Auto zu den Pflegebedürftigen unterwegs war, nachdem sie unter großer Anteilnahme der Bevölkerung endlich die Führerscheinprüfung bestanden hatte. Ähnlich stark und prägend agierte ab 1991 die frühere Vorsitzende Adelheid Jenner, die auch heute noch dem Vorstand mit Rat und Tat zur Verfügung steht.

Glaubitz selbst hat davon profitiert, dass er 2010 zum Krankenpflegeverein stieß. Denn nur deshalb, berichtete er jetzt, habe er sich beim damaligen Fleckafescht dazu überreden lassen, einen Blutdruck- und Zuckertest zu machen: "Und dabei hart es sich herausgestellt, dass meine Zuckerwerte lebensbedrohend hoch waren." Nicht nur deshalb ist der Unternehmensberater heute stolz, diesem Verein vorzustehen, dessen 15-köpfiger Pflegedienst inzwischen an 365 Tagen im Jahr 90 Patienten betreut, über mehr als ein Dutzend ehrenamtliche Helfer verfügt und einen Jahresumsatz von rund 650 000 Euro macht. Dass die Sozialstation darüber hinaus seit dem Vorjahr dank vieler Spenden, einigen Erbschaften und dem Entgegenkommen der Gemeinde über eigene Geschäftsräume verfügen kann, erfüllt Dietmar Glaubitz mit besonderem Stolz. Denn im alten Rathaus gab es zuvor nicht einmal einen barrierefreien Zugang.

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