Freiberg Ein Deckel über die Autobahn

Für den „Freiberger Traum“, die A 8 zu überdeckeln, wurde eine Machbarkeistsstudie erarbeitet.
Für den „Freiberger Traum“, die A 8 zu überdeckeln, wurde eine Machbarkeistsstudie erarbeitet. © Foto: Werner Kuhnle
Freiberg / von Günther Jungnickl 17.04.2018

Seit einem halben Jahr träumen die Freiberger davon, dass die mitten durch die Stadt führende A 81 überdeckelt wird. Eine Machbarkeitsstudie zeigt nun auf, wie diese Vision gelingen könnte.

„Wir wollen damit nachweisen, wie aus einer vagen eine visionäre Idee werden kann“, sagte Bürgermeister Dirk Schaible. Mit „wir“ meinte er den CDU-Landtagsabgeordneten Fabian Gramling und sich selbst sowie das Stuttgarter Ingenieurbüro „str.ucture GmbH“, das die Machbarkeitsstudie  anfertigte, sowie die „Leichtbau BW GmbH“, die dem Büro mit Rat und Tat zur Seite stand. Mit dem Deckel will die Stadt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Stadtmitte von Lärm und Abgasen befreien und gleichzeitig zusätzliches Bauland für Wohnungen und Büros zu gewinnen, ohne weitere Außenbereiche in Anspruch zu nehmen.

Täglich 130 000 Fahrzeuge

Der Zeitpunkt dafür ist günstig. Denn der Bund will die mit täglich rund 130 000 Fahrzeugen belastete sechsspurige A 81 (Volksmund: „Längster Parkplatz Europas“) ohnehin in absehbarer Zeit auf acht Fahrstreifen ausbauen. Dazu wäre eine teure neue Brücke zwischen Geisingen und dem Stadtkern fällig, diese könnte jedoch bei einer Überdeckelung entfallen. Und außerdem ist für 2027 in Stuttgart die Internationale Bauausstellung (IBA) geplant, in der es um urbanes Leben in Ballungszentren gehen soll. Da käme eine solche „visionäre Idee“ gerade recht.

 Begonnen hatte alles 2016 mit dem Amtsantritt des CDU-Abgeordneten Gramling, nach dem er auch die Bürgermeister seines Wahlkreises besuchte, um zu eruieren, wo sie „der Schuh drückt“. Eher beiläufig erwähnte damals Freibergs Bürgermeister Schaible, dass die mitten durch die Stadt führende Autobahn die Wurzel so manchen Übels sei und die Pläne zur Neugestaltung der Stadtmitte hemme. Gramling versprach, sich darum zu kümmern – und hielt auch sein Wort.

Idee fast schon verworfen

Obwohl ihm ein bekannter Bauingenieur geraten hatte, sich von der Idee der Überdeckelung zu trennen, weil sie „viel zu teuer“ sei. „Da war ich nahe daran, sie zu verwerfen“, feixte Gramling. Da kam ihm aber zupass, das er als Mitglied des Wirtschaftsausschusses in den Aufsichtsrat der „Leichtbau BW“ gewählt wurde, deren Geschäftsführer Dr. Wolfgang Seeliger kennenlernte und so Kontakt zum Ingenieurbüro „str.ucture“ und zu dessen Geschäftsführer Dr.-Ingenieur  Michael Herrmann bekam. Als er dies dem Freiberger Bürgermeister berichtete, witterte der die große Chance aus dem jahrelangen „Freiberger Traum“ nun endlich Wirklichkeit werden zu lassen und informierte darüber den Gemeinderat, der dann im Herbst 2017 in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluss fasste, eine Machbarkeitsstudie für die Überdeckelung und  die Überbauung mit Wohnungen und Büros auf einer Länge von 450 Metern in Auftrag zu geben.

Die liegt jetzt vor, obwohl Schaible von Anfang an schwante, dass das Ganze wohl „Zukunftsmusik“ sei und sich alle Beteiligten deshalb auch auf „einen Marathonlauf“ einzustellen hätten. Denn auch das Land und den Bund müssten dafür erst noch gewonnen werden. Immerhin könnte die Idee von der Überbauung der A 81 der „nachhaltigen Stadtentwicklung“ den nötigen Schub verleihen.

Technisch möglich

Technisch sei das in hybrider Leichtbauweise durchaus möglich, versicherte Dr. Herrmann und bezifferte die mit der Überdeckelung gewonnene Baufläche zwischen 2,9 und 3,6 Hektar. „Für Freiberg wäre dies ein Meilenstein“, versicherte Bürgermeister Schaible: „Aber ohne die Freiberger Bürger wird`s nicht gehen“.