Ludwigsburg / Frank Ruppert

Nach 13 Jahren an der Spitze der Polizei im Landkreis Ludwigsburg (seit 2014 auch für den Landkreis Böblingen) geht Polizeipräsident Frank Rebholz Ende des Monats in Ruhestand. Zum Abschiedsgespräch trifft ihn die BZ in seinem Büro mit Blick auf die Baustelle des neuen Führungs- und Lagezentrums das erst 2020 fertig werden soll. „Leider erlebe ich die Fertigstellung nicht mehr im Amt“, sagt Rebholz und fügt lachend an: „Aber beim Spatenstich durfte ich wenigstens noch etwas Staub aufwirbeln.“ Sein letzter Arbeitstag wird voraussichtlich der 29. Mai. Die Übergabe an seinen Nachfolger und aktuellen Vizepräsidenten Burkhard Metzger ist schon voll im Gange. Am 15. Mai wird der Amtswechsel offiziell vollzogen. „Normalerweise stapeln sich die Akten auf meinem Tisch“, sagt Rebholz beim Blick auf seinen nun geordneten Schreibtisch.

„Ich wollte eigentlich schon immer zur Polizei“, sagt Rebholz rückblickend. Der gebürtige Stuttgarter, der vom 13. Lebensjahr an in Freudenstadt lebte, ist verwandtschaftlich vorbelastet. Sein Onkel war Polizist und nahm den jungen Neffen mit zu Polizeiveranstaltungen im Neckarstadion. „Ich hatte da nie eine Distanz zur Polizei“, sagt Rebholz heute. Nach dem Abitur spielte er mit dem Gedanken Jura zu studieren, seine Eltern, die gerade ein Haus gebaut hatten, konnten das finanziell nicht zusätzlich stemmen und empfahlen dem Sprössling eine Banklehre zu machen. Der setzte sich aber mit seinem Wunsch durch und ging zur Polizei nach Stuttgart. Nach der Ausbildung stieg er erst in den gehobenen und dann in den  höheren Vollzugsdienst auf. Nach einer Station beim Innenministerium wurde er 2006 Leiter der Polizeidirektion Ludwigsburg. Später wurde aus der Direktion sogar das Präsidium und Rebholz auch für den Landkreis Böblingen zuständig.

Auf die Herausforderungen zum Beginn seiner Ludwigsburger Zeit angesprochen, fällt Rebholz zunächst das Personal ein. Als Chef von rund 1800 Polizeibeamten habe man mit Personalplanung sehr viel zu tun. Auch die Reformen im Polizeiwesen, unter anderem die Installierung der Präsidien seien sehr herausfordernd gewesen. „Es ging darum, dafür zu sorgen, dass die Böblinger nicht glaubten, zu kurz zu kommen. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen“, so Rebholz im Rückblick. Auch der Polizeidienst selbst hatte für den bald Ruheständler viele Herausforderungen parat, etwa die Bedrohung durch Terrorismus und wie damit umzugehen sei oder die Flüchtlingswelle. Rebholz ist stolz darauf, wie man das im Präsidium gelöst habe und darauf, dass man früh auf Dialog mit den Flüchtlingen gesetzt habe.

Aber nicht nur positive Erinnerungen nimmt Rebholz mit. Eine Geiselnahme in Holzgerlingen vor Jahren bei der er die Entscheidung zum weiteren Vorgehen treffen musste und bei der er nach stundenlangen Verhandlungen zum Schutz der Geiseln den Schusswaffengebrauch erlaubte, endete mit dem Tod des Geiselnehmers. „Da fragt man sich natürlich schon, was hätte man anders machen können und letztlich hätte es auch passieren können, dass bei der Aktion Polizisten ums Leben kommen“, sagt Rebholz nachdenklich. Lange mit sich rum, trägt er auch Personalentscheidungen und Gespräche, etwa mit suchtkranken Polizeibeamten, die nicht immer zum Erfolg führten.

Überhaupt macht sich Rebholz viele Gedanken, auch über Themen abseits der Polizei. Deshalb saß er für die CDU im Ludwigsburger Gemeinderat und will nun für die Grünen in den Kreistag einziehen. Auch sonst besteht nicht die Gefahr, dass es ihm im Ruhestand langweilig wird. Neben Arbeiten im großen Garten habe er seiner Frau die Renovierung des Hauses versprochen und will sich ein Pedelec kaufen, mit dem er den Landkreis weiter erkunden möchte. „Ich habe auch schon angekündigt, mal zur Mittagspause hier im Präsidium mit dem Rad vorbeizukommen“, sagt Rebholz und lacht. Vermissen wird er die Kollegen und auch viele andere, mit denen er in seiner Funktion als Polizeipräsident zu tun hat. Und was wird er nicht vermissen? „Dass der Tag komplett durchgetaktet ist und ein Termin auf den nächsten folgt“, sagt Rebholz.

Über seinen Nachfolger Metzger freue er sich, denn dieser bringe schon sehr viel für die neue Funktion mit. Er sei ebenfalls auf Konsens aus. Das Gespräch zu suchen, sei auch wichtig in dem Beruf. „Ich wünsche ihm, dass er so viel Spaß an der Arbeit hat, wie ich!“

Der Nachfolger ist kein Unbekannter

Burkhard Metzger wird am 15. Mai in das Amt des Polizeipräsidenten von Ludwigsburg eingeführt. Metzger trat 1981 in den Polizeidienst ein und stiegt bis 1998 in den höheren Vollzugsdienst auf. Danach war er zunächst beim Landeskriminalamt in Stuttgart. 2001 wurde er Leiter des Polizeireviers Marbach, 2003 ging er als Referent ins Staatsministerium. 2008 wurde Metzger zum Leiter der Polizeidirektion Pforzheim berufen, 2014 wurde er Vizepräsident im Polizeipräsidium Einsatz. 2016 wechselte ein gleicher Position nach Ludwigsburg. Metzger lebt in Bietigheim-Bissingen. bz