Rund 130 Kilometer sind es von Oberriexingen bis Wertheim, und bis auf die Tatsache, dass beide Orte im selben Bundesland liegen, besteht auf den ersten Blick keine besondere Beziehung zwischen der kleinen Stadt an der Enz und der nördlichsten Stadt Baden-Württembergs. Doch der Oberriexinger Reinhard Hintz hat kürzlich eine recht innige Bindung zu Wertheim geknüpft.

Amtseinführung des OB

Er war jüngst eingeladen in die Main-Tauber-Halle zur Amtseinführung von Markus Herrera Torrez, des neuen Oberbürgermeisters von Wertheim, um diesem ein ganz besonderes Geschenk zu überreichen. Denn Hintz’ Großvater Friedrich Bächle hatte seinerzeit ein Gemälde mit einem Wertheimer Stadtmotiv angefertigt. Seinen Großvater kennt Reinhard Hintz zwar nur aus Erzählungen, doch fand er vor rund anderthalb Jahren beim Renovieren eine Ledermappe mit rund 30 Werken seines Vorfahren. Dieser war ein passionierter Radfahrer, der auf seinem Fahrrad die Region erkundete und markante Orte malte.

Bei seinen Touren zeichnete er wohl nicht nur Motive aus seiner Heimatstadt Stuttgart, in der er 1891 zur Welt gekommen war, sondern radelte auch das Neckartal hinab und brachte die Perspektiven von Ortschaften wie Bietigheim, Markgröningen, Marbach und Münchingen gekonnt mit Blei- und Farbstiften zu Papier. Auch historische Ortsansichten etwa aus Lauffen, Schwäbisch Hall und Waiblingen fertigte er an. Und offenkundig stand Wertheim irgendwann auch auf seinem Routenplan, bevor er dem nationalsozialistischen Regime zum Opfer fiel.

Wie sein Enkel es schildert, war Bächle seinerzeit als Prokurist und Auslandskorrespondent für eine Firma in Stuttgart tätig gewesen, die von einer jüdischen Familie betrieben wurde. 1940 kam das Aus für die Firma. Sein Großvater aber war nun arbeitslos. Er machte seinem Unmut über das Geschehen auf den Stuttgarter Ämtern Luft – und kehrte irgendwann nicht mehr zurück. Seine Gattin machte sich ebenfalls auf zu den Behörden, um sich nach ihm zu erkundigen. Auch sie war plötzlich verschwunden. Einige Zeit später soll die Familie erfahren haben, dass Friedrich Bächle noch im selben Jahr in Sonnenstein bei Pirna gestorben sein soll. Seine Frau wiederum ereilte in Grafeneck der Tod. Dies belegen die Einträge im evangelischen Familienregister, so Hintz. In beiden Fällen sei irgendeine Krankheit als Todesursache angegeben worden. Doch an beiden Orten unterhielten die Nazis damals Tötungsanstalten, denen Hintz die Ermordung seiner Familienangehörigen zuschreibt.

Ehrenplatz für das Gemälde

Das schöne Gemälde seines Großvaters wird jedenfalls einen Ehrenplatz in Wertheim erhalten – ob im Stadtarchiv oder im Amtszimmer des neuen OB, wird sich noch zeigen. Reinhard Hintz rührte im Übrigen kräftig die Werbetrommel für seinen Flecken und übergab dem Wertheimer Stadtoberhaupt auch eine Flasche „Ori-Sekt“ und touristische Broschüren der Enzstadt.

Im Gedenken an seinen Großvater und dessen Schaffen will er gemeinsam mit einem Bietigheimer Veranstalter für (Senioren-) Reisen einen Ausflug nach Wertheim organisieren mit Stadtführung und Schiffstour auf dem Main sowie zu weiteren Stätten, die Friedrich Bächle gezeichnet und gemalt hat.