Je individueller, desto besser: Nach diesem Motto werden immer mehr Kaufentscheidungen getroffen. Auch bei der Autofarbe ist der Trend zur Individualisierung auf dem Vormarsch. Besonders Kleinwagenkäufer bestellen verstärkt Zier- und Kontrastfarben, zum Beispiel für das Dach, um sich abzuheben, so die Dürr AG in einer Mitteilung.

Für die Autoindustrie bedeutet die Zweiton-Lackierung erheblichen Mehraufwand. Denn sie kostet mehr Zeit und Energie und verursacht viel Abfall. Dank einer Innovation von Dürr ändert sich dies nun.

Mit dem System EcoPaintJet präsentiert das Weltmarktunternehmen in der Automobillackiertechnik eine automatische Applikationslösung mit Präzision beim trennscharfen Lackauftrag. Auch bei der Lackierung von Elektroautos bringe der EcoPaintJet wichtige Vorteile, so Dürr in einer Mitteilung. Die Lösung stellt Dürr zum 11. Open House noch bis zum 17. Mai  am Unternehmensstandort Bietigheim-Bissingen  vor.

Dr. Jochen Weyrauch, Vorstandsvorsitzender der Dürr Systems AG: „Der EcoPaintJet ist ein Quantensprung auf dem Weg zum effizienten zweifarbigen Lackieren von Autos. Er ermöglicht erstmals die effiziente Verbindung von kundenindividueller Produktgestaltung und automatisierter Fertigung.“

Wenn nur eine Farbe lackiert wird, sind moderne Automobillackierereien unschlagbar effizient. Dank hochautomatisierter Prozesse werden in großen Werken über 300 000 Karosserien pro Jahr in konstant hoher Qualität beschichtet. Kommt aber eine Zier- und Kontrastfarbe dazu, etwa auf Dächern oder als Designstreifen, nimmt der Aufwand deutlich zu. Nachdem die komplette Karosserie in der Grundfarbe lackiert, getrocknet und gekühlt wurde, muss sie in Handarbeit mit Klebefolie maskiert werden – bis auf die Bereiche, die eine andere Farbe erhalten sollen. Danach geht es nochmals in die Lackierlinie, so Dürr, wo die zweite Farbe aufgetragen wird. Nach neuerlichem Trocknen und Kühlen muss die Folie wieder manuell abgezogen werden. Im Vergleich zur einfarbigen Lackierung steigt auch der Energiebedarf für das Einbrennen des Lacks um mindestens 25 Prozent. Zudem müssen pro Karosserie 6 bis 15 Quadratmeter Klebefolie entsorgt werden. Darüber hinaus wird die Lackierlinie durch den zweiten Lackauftrag blockiert, es geht also auch wertvolle Zeit verloren.

Das neue Dürr-Verfahren ist wesentlich effizienter, da ein Abkleben der Karosserie entfällt. Dafür sorgt ein  neuartiger Applikator. Auf einem Roboterarm bewegt er sich über die Zielfläche und trägt den Lack absolut trennscharf auf. Der Lack landet exakt auf den vorgesehenen Flächen, nicht aber daneben – auch nicht in Kleinstmengen. Daher muss der Rest der Karosserie nicht mehr abgeklebt werden. Nach einer Taktzeit von nur 120 Sekunden ist ein Karosseriedach mit der Kontrastfarbe lackiert. Zum Vergleich: Beim Abkleben  dauert allein das Aufbringen und Abnehmen der Klebefolie etwa 50 Minuten.

Herstellern von Elektroautos hilft der EcoPaintJet, eine wichtige Kundenanforderung zu erfüllen, so das Unternehmen weiter.  Manche E-Autos sind etwas höher als herkömmliche Modelle, da die Batterie in der Bodengruppe unter der Fahrgastzelle eingebaut ist. Allerdings wünschen viele Käufer sportliche, flach wirkende Fahrzeuge. Aus diesem Grund werden am Übergang vom Dach zur Seitenwand und am Schweller Streifen in dunkler Kontrastfarbe aufgetragen, dadurch wirkt das Auto flacher. Hierfür eigne sich der EcoPaintJet ideal, da er die Streifen exakt aufträgt, ohne die vorhandene Lackierung zu beeinträchtigen.

Seine hohe Präzision erreicht der EcoPaintJet, weil der Applikator komplett ohne Overspray arbeitet. So wird der aus kleinsten Tröpfchen bestehende Lacknebel bezeichnet, der bei anderen Zerstäubern entsteht und außerhalb des Zielbereichs landet. Beim EcoPaintJet verhindert eine filigran gearbeitete, wenige Quadratzentimeter große Düsenplatte das Entstehen von Overspray, erläutert das Unternehmen das System.

  Die Düsenplatte bildet die Unterseite des rechteckigen Applikators und ist mit rund 50 kaum sichtbaren Löchern versehen, die einen Durchmesser von circa 1 Zehntelmillimeter haben. Durch sie wird der Lack aus 30 Millimetern Entfernung in parallelen Strahlen auf das Karosserieblech appliziert.