Gericht Drogensüchtiger fälscht Arznei-Rezepte im großen Stil

Kreis Ludwigsburg / bz 23.07.2018

Sein illegaler Handel mit Arzneimitteln war seit Oktober 2015 ganze 210-mal gut gegangen. So stellte sich der Fall eines 35-Jährigen, vollumfänglich geständigen Suchtkranken vor dem Ludwigsburger Schöffengericht dar. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Drogen- und Tablettenabhängige einen Großteil seiner ergaunerten Arzneimittel in der Drogenszene vertickte und mit dem Rest seinen Eigenbedarf deckte und sein Leben finanzierte.

Das Urteil: Drei Jahre Haft für gewerbsmäßiges sowie versuchtes, unerlaubtes Handeltreiben mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Tateinheit mit Betrug, Urkundenfälschung und Drogenbesitz. Der vielfach einschlägig vorbestrafte Mann kam aber nicht ins Gefängnis, sondern wurde zwangsweise in einer Entziehungsanstalt untergebracht. Das befürwortete ein Sachverständiger.

210 Rezeptfälschungen

Zu seinem Prozess kam der Angeklagte, der den ganzen Raum Ludwigsburg und Stuttgart mit illegal erlangten Arzneimitteln versorgt hatte, aus rund sechsmonatiger Untersuchungshaft. Er räumte die Tatvorwürfe der Stuttgarter Staatsanwaltschaft vollumfänglich ein. Nämlich einen schwunghaften, gewerbsmäßigen Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten betrieben zu haben. Angeklagt waren 223 Fälle. In 210 davon wurden ihm die Medikamente auf gefälschte Rezepte ausgegeben. Zur Abholung schickte der Angeklagte teilweise Strohmänner vor. Lediglich 13-mal kam er nicht an die Arznei,  und 10 gefälschte Privatrezepte löste er gegen Geld ein. Aufgeflogen ist der Ludwigsburger, als er am 26. April letzten Jahres der Polizei mit einer Kleinmenge Marihuana in die Arme lief. Zu diesem Zeitpunkt liefen bereits Ermittlungen gegen den Mann.

Mir ging es nicht um Reichtum, nur um meine Sucht“, nannte der Angeklagte sein Motiv. „Es war zu einfach, Rezepte selber zu schreiben und das Abgeben hat funktioniert.“ Weil alles so gut gelaufen sei, hätte er es eben „nochmal, nochmal und nochmal probiert“. Bei den Kassenrezepten hätte er die Rezeptgebühr nur am Anfang bezahlt und dann einfach „gebührenfrei“ angekreuzt.

Die Vorlagen beschaffte sich der Angeklagte seinen eigenen Angaben nach über das Darknet, einem exklusiven Parallel-Internet, das auch als illegaler Umschlagplatz genutzt wird. Die Vorlagen legte er einfach in einen Scanner und versah sie mit Stempeln und Unterschriften real existierender Ärzte. Die meisten Apotheken bemerkten dieses Fälschungen nicht, wodurch ein Schaden von über 35 000 Euro entstand.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel