In einem Strafprozess wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln hat das Ludwigsburger Jugendgericht dem Sohn eines Bürgermeisters eine Lektion erteilt. Der junge Mann aus dem Kreis Ludwigsburg war vor dem Stuttgarter Polizeirevier in der Theodor-Heuss-Straße mit einem Tütchen Marihuana erwischt worden.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft warf dem 19-Jährigen vor, am 5. April gegen 18.30 Uhr auf dem Gehweg der Theodor-Heuss-Straße in Stuttgart mit einem Tütchen Marihuana daher gekommen zu sein. Und zwar direkt vor dem Polizeirevier. Der Angeklagte legte ein schnelles Geständnis ab und führte an, die Droge sei für den Eigenkonsum gedacht gewesen. Er hätte davor einen schönen Abend mit Freunden verbracht. „Geht das nicht anders“, fragte die Jugendrichterin, Dr. Franziska Scheffel. „Definitiv“, meinte der Azubi. Zum Beweis dafür legte er einen negativen Drogentest vor und erklärte, er hätte auch schon eine Sprechstunde mit der Drogenberatung vereinbart, „damit das nicht mehr vorkommt“. Gegen den 19-Jährige wurde am 12. April vergangenen Jahres schon einmal ein Verfahren wegen Drogenbesitzes eingestellt.

„Kommt gut an als Sohn eines Bürgermeisters“, bemerkte die vorsitzende Richterin und übergab das Wort an die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe. Der „Umdenkprozess“, konstatierte diese, hätte erst beim Rechtsanwalt stattgefunden. Die Staatsanwältin hielt dem 19-Jährigen zugute, dass er initiativ in Sachen Drogenproblem geworden war und befand, ein „Denkzettel“ in Gestalt weiterer Drogentests und Beratungsgespräche plus 300 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung würde in diesem Fall genügen. In diesem Sinne erging dann auch das Urteil.