Kreis Ludwigsburg Doppelte Staatsbürgerschaft ist kein Selbstläufer

Kreis Ludwigsburg / von Uwe Roth 08.06.2018

Immer mehr neu Eingebürgerte in Deutschland behalten ihre alte Staatsbürgerschaft und werden sogenannte Doppelstaatler. Das belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Danach gaben im vergangenen Jahr rund 69 000 der 112 000 neu Eingebürgerten ihre alten Pässe nicht ab. Im Landkreis Ludwigsburg ist für Einbürgerungen im Landratsamt das Amt „Ausländer und Staatsangehörigkeitswesen“ zuständig. Wie viele Antragsteller am Ende eine doppelte Staatsbürgerschaft haben, wird nach Auskunft des zuständigen Leiters Marcel Gutekunst auf Landkreisebene nicht registriert. Insgesamt erhielten im vergangenen Jahr knapp 1000 Kreisbürger einen deutschen Pass, darunter zahlreiche Türken.

Eine Ausnahme gilt derzeit für hier lebende Briten, die Deutsche werden wollen. Denn so lange Großbritannien noch faktisch Mitglied der EU ist, werden Antragsteller „unter Hinnahme von Mehrstaatigkeit eingebürgert“, wie es in der Beamtensprache heißt. Briten, die nach vollzogenem Brexit Deutsche werden möchten, müssen die britische Staatsbürgerschaft aufgeben. Voraussichtlich Ende 2020 werden die letzten Übergangsregelungen auslaufen. Danach sind Briten keine EU-Bürger mehr.

Briten nutzen vor Brexit
noch Option

Dass britische Staatsangehörige die aktuelle Option nutzen, um auch künftig eine freies Aufenthalts- und Arbeitsrecht in den verbleibenden EU-Staaten zu haben, lässt sich an den Zahlen des Landratsamtes ablesen: 2015 hat lediglich ein Brite im Kreis einen Einbürgerungsantrag gestellt. Vor ziemlich genau zwei Jahren hatten die Briten mehrheitlich den Brexit beschlossen. In dem Jahr gingen im Landratsamt 10 Anträge ein. Im Jahr 2017 waren es bereits 47. Im laufenden Jahr sind es Stand Juni 12 Anträge. „Im Vergleich zur Gesamtzahl eigentlich nicht erwähnenswert“, so Gutekunst.

„Einen direkten Antrag auf doppelte Staatsbürgerschaft gibt es nicht“, erläutert der Fachreferent. Ein Antrag auf Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft könne aber so gestellt werden, dass die bisherige Staatsangehörigkeit beibehalten werden solle. Grundsätzlich müsse die bisherige Staatsangehörigkeit aber aufgegeben werden.

Grundsätzlich eine
Staatsbürgerschaft

„Ob eine Ausnahme möglich ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab“, erläutert Gutekunst. Relativ einfach ist es für Unionsbürgerschaft, also für Bürger, die die Staatsangehörigkeit eines der 27 EU-Mitgliedstaaten haben. Damit kann man noch im Erwachsenenalter eine zweite Staatsangehörigkeit beantragen. Kinder von Einwanderern bekommen seit dem Jahr 2000 neben der deutschen Staatsangehörigkeit zusätzlich die ihrer Eltern. Voraussetzung dafür ist, dass die Eltern seit mindestens acht Jahren in Deutschland leben und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzen.

In nicht wenigen Fällen verweigert der Herkunftsstaat von Antragsstellern, ihren alten Pass loszuwerden, oder er erlegt hohe finanzielle Hürden auf. Dann akzeptiert Deutschland eine doppelte Staatsbürgerschaft. Die Entscheidung fällt letztlich im Landratsamt. Dort müssen sich die Antragsteller persönlich vorstellen. „Sie müssen ein Bekenntnis zur Bundesrepublik Deutschland ablegen und erkennen lassen, dass sie verstanden haben, was zu einem solchen Bekenntnis gehört“, sagt Gutekunst.

Türken sind die größte Gruppe

Nach Ergebnissen des Mikrozensus lebten im Jahr 2015 rund 1,8 Millionen Personen mit doppelter Staatsangehörigkeit unter den insgesamt 82 Millionen Einwohnern in Deutschland. 1,7 Millionen dieser Doppelstaatler verfügten neben der deutschen über eine weitere ausländische Staatsbürgerschaft, 107 000 Personen besaßen zwei ausländische Staatsangehörigkeiten. Innerhalb der deutschen Doppelstaatler bildeten Personen mit türkischem Pass die größte Gruppe (246 000). Dahinter folgten Personen aus der Russischen Föderation (228 000) sowie Polen (220 000).

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel