Lange Diskussionen und eine zweimalige Sitzungsunterbrechung prägten am Montag den Tammer Gemeinderat. Grund für die Debatte war der Neubau des Hotels am Egelsee und die entsprechende Neuordnung des benachbarten Tennis-Sportgeländes. Der Investor RRBB GmbH & Co. KG mit Sitz in Ilsfeld möchte das bestehende Hotel um ein Geschoss mit acht Zimmern aufstocken, wodurch im Bestandsbau insgesamt 23 Zimmer zur Verfügung stehen sollen. 81 weitere Zimmer sollen in einem Neubau mit drei Vollgeschossen und einer Dachetage entstehen. Zudem wird es im Erdgeschoss eine öffentliche Gaststätte und im Dachgeschoss Tagungsräume geben. Weiterhin wird die bestehende Tennishalle teilweise zurückgebaut und um ein Spielfeld im Westen gekürzt, das im Osten wieder hergestellt werden soll. Zudem entsteht ein neues Clubheim mit Umkleideräumen, einer Küche und Sanitäranlagen. Die Doppelgarage und die beiden aneinander gebauten Einzelgaragen, die sich auf dem Gelände befinden, werden nach Südosten versetzt und die Zufahrt zu ihnen asphaltiert.

Rechtsanwalt wurde beauftragt

„Der Bebauungsplan ‚Hotel am Egelsee und Tennishalle‘ wird die Neuordnung regeln“, sagte der von der Gemeinde beauftragte Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Felix Rauscher in der Ratssitzung am Montagabend. „Begleitet wird dieses Planverfahren von einem städtebaulichen Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Vorhabensträger, einem Grundstückstauschvertrag und einem Vertrag, in dem sich der TV Tamm bereit erklären, dass ihre drei auf dem Gelände befindlichen Pavillons, die als Clubheim genutzt werden, abgerissen werden dürfen“, ergänzte der Rechtsanwalt.

Im städtebaulichen Vertrag verpflichtet sich der Investor dazu, die Planungskosten zu tragen, das Gesamtprojekt innerhalb von vier Jahren und sechs Monaten durchzuführen, nachdem der Bebauungsplan in Kraft getreten ist, und dabei eine festgelegte Reihenfolge einzuhalten. So sollen zunächst die Garagen versetzt, anschließend das neue Clubheim errichtet und die Tennishalle umgebaut, danach die Pavillons abgerissen und schließlich der Hotelneubau in Angriff genommen werden.

Die Tennishalle, die sich im Eigentum der Kommune Tamm befindet, wird an den Turnverein verpachtet. Dieser trägt auch sämtliche Instandhaltungs- und Betriebskosten der Halle. Die Umkleide- und Sanitäranlagen in der Tennishalle darf die Kommune unentgeltlich mitbenutzen. Auch das Clubheim befindet sich im Eigentum der Gemeinde und dessen Umkleideräume und Sanitäranlagen dürfen mitbenutzt werden.

Dass das neue Clubheim Eigentum der Gemeinde sein soll, war aber Stein des Anstoßes der Diskussionen. „Dies kann nicht sein, denn die Pavillons, die abgerissen werden, sind Eigentum des Turnvereins. Daher soll das neue Clubheim auch Eigentum des Vereins sein. Wer weiß sonst, was in 10 oder 20 Jahren passiert“, erklärte Günter Hofmann von der Liste Lebenswertes Tamm (LLT), der auch Ehrenvorstand beim Turnverein ist. Bürgermeister Martin Bernhard verstand seine Aufregung nicht. „Der Turnverein hat das alleinige Nutzungsrecht für das neue Clubheim. Die Räumlichkeiten sind viel größer als in den bisherigen Pavillons. De facto ist der Turnverein Eigentümer der Clubheims, nur im streng rechtlichen Sinne nicht. Wäre er Eigentümer, müsste der Verein auch die Instandhaltungskosten tragen, die so die Gemeinde übernimmt“, erklärte Bernhard.

Hofmann entgegnete, dass dem Turnverein ursprünglich versprochen worden war, das Grundstück, auf dem die Pavillons stehen, dem Verein in einem Erbpachtvertrag zu überlassen. „Dieser kam jedoch nie zustande. Im Grunde wird der Turnverein enteignet“, empörte sich Hofmann. Die anderen Ratsmitglieder zeigten sich erstaunt über die Diskussion. Sie waren der Meinung, alle Details seien mit dem Verein besprochen worden. Auch von den Vereinsmitgliedern im Publikum kam Widerstand.

Bürgermeister Bernhard, der die Abstimmung nicht vertagen wollte, bemühte sich um eine Lösung. Ein Passus wurde in den Vertrag aufgenommen, der klarstellt, dass die Kommune bei einer fristgerechten Beendigung des Pachtverhältnisses, eine Entschädigung für das Clubheim zahlen muss. „Mir ist es zum Abschluss wichtig zu sagen, dass wir den Turnverein nicht schlechter stellen wollen als bisher. Im Gegenteil, seine Kooperationsbereitschaft über all die Jahre soll sich mit den besseren neuen Räumlichkeiten auch auszahlen“, sagte Tamms Bürgermeister am Ende der einhelligen Zustimmung der Ratsmitglieder zu den Verträgen.

Zusätzliche Regelung getroffen


Um die Neuordnung auf dem Gelände vollziehen zu können, wird im Rahmen eines Vertrags zudem ein Flächentausch zwischen Kommune und Investor geregelt. Auf Anregung von Adolf Bommer (CDU) soll eine Bankbürgschaft eingetragen werden, dass im Falle eines Besitzerwechsels sichergestellt ist, dass die Tennishalle auf Kosten des Investors abgerissen wird, sollte ihre Auslastung einmal signifikant sinken und kann mit der Gemeinde keine Einigung über eine Folgenutzung erzielt werden.  mig