BZ-Wahlforum Diesel-Debatte auf dem BZ-Podium

Christiane Rebhan 07.09.2017

Noch 17 Tage bleiben den Wählern im Wahlkreis Neckar-Zaber um sich zwischen sechs Kandidaten zu entscheiden. Knapp 200 BZ-Leser nutzten am Mittwochabend die Möglichkeit, sich beim BZ-Wahlforum persönlich einen Eindruck von den Kandidaten für die Erststimme zur Bundestagswahl zu machen. Auf dem Podium in der Bietigheimer Gaststätte Paulaner standen Thomas Utz (SPD), Catherine Kern (Grüne), Marcel Distl (FDP), Walter Kubach (Linke) und Marc Jongen (AfD), um dem CDU-Mann Eberhard Gienger das Direktmandat streitig zu machen.

Die Kandidaten erhielten jeweils eineinhalb Minuten, um sich vorzustellen. Am kürzesten fasste sich Eberhard Gienger, der seit 2002 den Wahlkreis Neckar-Zaber vertritt. Er verwies auf seine 14-tägige Bürgersprechstunde, bei der sich die Leute aus seinem Wahlkreis direkt an ihn wenden könnten. „Ich bin der Überzeugung, dass es eine neue Generation im Parlament braucht“, griff Thomas Utz sogleich den altgedienten Gienger an. Er wolle im Falle seines Einzugs in den Bundestag stets transparent arbeiten und kein Vertreter der Lobbyisten werden. Der SPD-Kandidat präsentierte sich als „Mann von hier“ – er wohnt in Murr. Die einzige Frau auf dem Podium, Catherine Kern, warb sogleich mit ihrem Alleinstellungsmerkmal: „Wir sind im 21. Jahrhundert und neben mir stehen fünf Männer im Anzug.“ Die geborene Britin ist Mutter von drei Kindern und sitzt in Öhringen im Gemeinderat. Als Kern zum nächsten Satz ansetzte, lief zum ersten Mal an diesem Abend die Zeit ab – doch auch die Herren links und rechts von der Grünen-Kandidatin sollten bald in Zeitnot kommen.

Der Linken-Kandidat stellte sich als „Mensch, der schon viel erlebt hat im Leben“ vor. Es brauche einen Linksruck zur Bundestagswahl, fand Walter Kubach. AfD-Vertreter Marc Jongen warb um die Erststimme, um in Berlin mehr Gewicht zu haben. „Heute Abend stehen wir über den Wählern auf dem Podium, wenn ich gewählt werde, beweise ich mehr Volksnähe“, sagte Jongen. Marcel Distl hat vor kurzem sein Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaft abgeschlossen. Der FDP-Kandidat beklagte in seiner Eingangserklärung den Investitionsstau im Kreis beim Breitband- und ÖPNV-Ausbau sowie beim Straßenbau. Auch Distl versuchte mit Jugendlichkeit zu punkten: „Wir Jungen sind uns nicht zu schade, neue Konzepte zu entwickeln.“

Ehe es in die Themenrunden ging, bat BZ-Chefredakteur Andreas Lukesch die Kandidaten um eine gepflegte Streitkultur: „Die Veranstaltung soll doch Lust aufs Wählen machen.“ Zum Einstieg wurde die Diesel-Problematik angegangen – das bundesweite Thema sollte von den Kandidaten auf dem Podium regionalisiert werden.

Die Grünen-Kandidatin sprach sich für die Einführung der blauen Plakette aus, die in betroffenen Städten Diesel-Fahrverbote im begrenzten Umfang zur Folge hätte. Mit dieser Forderung stand Kern auf dem Podium allein. Thomas Utz sagte, er wolle Fahrverbote vermeiden, wurde aber von den Gegenparteien angegangen: „Damit sprechen Sie gegen die Meinung in Ihrer Partei.“ Utz blieb standhaft. Jongen wiederholte seine Aussage, dass Fahrverbote einer Enteignung gleich kämen. (Die BZ berichtete.) Distel stimmte Jongen zu und ergänzte, die Diesel-Affäre lenke von den wahren Umweltsündern – den Hauskaminen und Frachtschiffen – ab. Kubach stieg bei diesem Thema ganz aus und forderte stattdessen ein Spendenverbot. Er wollte auf den Einfluss der Autoindustrie auf die etablierten Parteien aufmerksam machen. Wenig Zustimmung erhielt Eberhard Gienger mit seiner Forderung, einerseits die Industrie in die Pflicht zu nehmen, aber zu zehn Prozent auch die Käufer an den Kosten der Nachrüstung zu beteiligen.

Info In unserer morgigen Ausgabe berichten wir über weitere Themen, die beim BZ-Wahlforum diskutiert wurden. Zudem bewertet der Rhetorikexperte Bruno Schollenberger, welcher Kandidat sich am besten präsentierte und überzeugen konnte.