Ingersheim Diesel aus dem Holzfass

Die Reste der ehemalige AVIA-Tankstelle in der Großingersheimer Straße werden, wie die mechanische Werkstatt und Wohnhaus abgerissen und das ganze Areal neu überbaut.
Die Reste der ehemalige AVIA-Tankstelle in der Großingersheimer Straße werden, wie die mechanische Werkstatt und Wohnhaus abgerissen und das ganze Areal neu überbaut. © Foto: MARTIN KALB
Ingersheim / Jörg Palitzsch  11.10.2018

Die einstige AVIA-Tankstelle in der Ingersheimer Forststraße 8 wurde am 1. September 2000 geschlossen, gut zwei Jahre vor der Umstellung von D-Mark auf Euro. AVIA begründete den Schritt damals mit dem geringen Umsatz, es gab zwei Säulen mit vier Zapfhähnen, und dem fehlenden technischen Standard der Tankanlage. Außerdem lehnte es die Betreiberfamilie Leibbrand ab, die Tankstelle in ein Shopsystem umzubauen.

Schon 1911 hatte Gottlob Leibbrand in der Forststraße eine mechanische Werkstatt. Als die Betriebsstätte zu klein wurde,  eröffnete er mit Sohn Will 1925 an er Ecke Tiefengasse/Goethestraße die erste Tankstelle im Ort. Heute steht auf dem Gelände ein Wohnhaus mit Arztpraxis, Apotheke und Bank.

Platz wurde zu eng

Aber auch dort wurde der Platz zu eng, also wurde in der Forststraße größer gebaut. 1968, also vor 50 Jahren, gab es in der Forststraße neben der AVIA-Tankstelle eine mechanische Werkstatt mit Schlosserei und auch  noch ein Zweiradgeschäft.

Nach dem Tod von Willi Leibbrandt führten dessen Frau Anna sowie die beiden Sohne den Betrieb weiter. Anna Leibbrandt, im August 2000 war sie 80 Jahre alt, erinnerte sich damals noch gut an das Tankstellengeschäft in der Tiefengasse. Benzin der Marke „Standard „ musste von Hand über einen Kolben in die Auto gepumpt werden, ebenso der Treibstoff „Mix“ in Mofas. Diesel gab es hinter dem Haus aus dem Holzfass.

Bei AVIA in der Forststraße war dagegen alles viel einfacher. Allerdings  musste die Chefin  dann doch noch den Umgang mit dem Taschenrechner lernen, weil an der Zapfsäule automatisch der Preis pro Liter nur bis zu 1,99 Mark gerechnet wurde. Umgestellt wurde die Automatik dann doch zügig, weil der Spritpreis im Jahr 2000 über zwei Mark pro Liter sprang.

Schwierig war das Tankstellengeschäft schon immer. So berichtete Anna Leibbrandt damals, dass man pro Liter verkauftem Sprit lediglich 3,5 bis vier Pfennige verdient habe. Geld verdiente man damals auch nur über das sonstige Angebot der Tankstelle, so wie es heute noch ist.

An der Ingersheimer Forststraße erinnert nur noch das charakteristische Dach an die alte AVIA-Tankstelle. Die einstige mechanische Werkstatt dient noch als Treffpunkt für abendliche Runden und das Zweiradgeschäft gibt es auch nicht mehr.

Mit dem Abriss des Tankstellendachs und der Neubebauung verschwindet somit auch ein Stück Großingersheimer Ortsgeschichte.

Bebauung zugestimmt

Der Gemeinderat hat  einstimmig den Plänen eines privaten Investors zugestimmt, auf dem Gelände der stillgelegten Tankstelle an der Forststraße 8 ein Wohnhaus zu erstellen. Damit gab er „grünes Licht“ für ein beschleunigtes Bauverfahren, damit   Wohnraum geschaffen werden kann. Bisher war Wohnen in diesem 1245 Quadratmeter großen Plangebiet  nicht erlaubt.

Allerdings müsse noch geprüft werden, ob sich im Untergrund noch Altlasten von der Tankstelle befinden.
Eine erste Untersuchung Jahre nach der Stilllegung der Tankstelle vor etwa 18 Jahren hatte keinen Anlass zu Beunruhigungen ergeben. Trotzdem wurde empfohlen, die Erdarbeiten fachtechnisch zu überwachen, um mögliche lokal auftretende Schadstofffenster erfassen zu können. nick

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