Ein riesiger Aufkleber, der eine Eule abbildet, schmückt das Auto des Oberriexingers Heinrich Keil. Der ehemalige Flaschner war schon als Kind ein Fan von Eulen. Vor drei Jahrzehnten begann er sich jedoch aktiv für Eulen und sämtliche Vogelarten einzusetzen. „Meine jüngste Tochter machte bei der Jugendgruppe des DBV (Deutscher Bund für Vogelschutz) mit. Ich habe sie immer hingebracht, irgendwann bin ich dann geblieben“, erinnert sich der Tierschützer und lächelt. Dank seines langjährigen Einsatzes besitzt heute der Landkreis Ludwigsburg die größte Steinkauzpopulation Baden-Württembergs. „Zu Beginn meiner Tätigkeit waren es acht Paare, 2018 wurden 240 erfasst“, so Keil. Ende vergangenen Jahres erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Der 74-Jährige gründete die Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen (FOGE). Er arbeitet als ehrenamtlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle des Max-Planck-Instituts Radolfzell für Ornithologie und ist Naturschutzwart im Landratsamt Ludwigsburg. Auf Wunsch der Vogelwarte in Radolfzell wird im Gebiet des Landkreises Ludwigsburg mit einer Größe von 687 Quadratkilometern eine Bestandsentwicklung des Steinkauzes durchgeführt. Weit über 700 Steinkauzröhre wurden in geeigneten Obstbaumwiesen im Kreisgebiet für eine Optimierung der Brutplatzvernetzung ausgebracht.

Seit Jahren gibt die FOGE in den Ferienprogrammen der Gemeinden, Schulen und im Akademie-Natur-Info-Center im Blühenden Barock in Ludwigsburg, den Kindern und Erwachsenen Einblick in die Lebensweise der Eulen und Käuze. Keil, der kein Wissenschaftler ist, investierte viel Zeit, um sich das notwendige Wissen, das zum Tierschutz dazugehört, anzueignen.

„Um Nisthilfen aufstellen zu dürfen, musste ich mich erst mit der Brutbiologie befassen und einem Vogelwart über die Schultern schauen“, so der Eulenexperte. Seine Aufgaben sind vielfältig: Von Artenschutzmaßnahmen wie die Wiederansiedlung von Dohlen, Turmfalken, Schwalben und anderen Vogelarten bis hin zur Telemetrie. Letztere ermöglicht die Beobachtung der Tiere mittels eines Rucksacks, der ihnen aufgesetzt wird. Genauer gesagt, geht es darum, mitzubekommen, wo sich diese zum Brüten niederlassen. „Im Alter von vier bis fünf Monaten suchen sie sich ihr Revier aus. Am Anfang machen sie kleine Ausflüge und kommen ein paar Mal zurück, bis sie verschwinden.“

Eine weitere Aufgabe von Keil ist die Beringung der Jungtiere. Der Ring, den sie um ihr Bein bekommen, ist eine Art Personalausweis, an diesem ist abzulesen, wo die Tiere geboren sind und wann sie beringt wurden. Die Daten gibt Keil an die Vogelwarte Radolfzell weiter, in deren Datenbank die Vögel in Süddeutschland erfasst werden. Vergangenes Jahr hat er 560 Tiere beringt.

Täglich mit Eulen beschäftigt

Auch seine Urlaubszeit widmet er den Tieren: „Meinen dreiwöchigen Urlaub habe ich im österreichischen Illmitz und am Neusiedlersee verbracht und dort Vögel gefangen, gewogen und beobachtet. Außerdem habe ich die Nistplätze kontrolliert. Das war mein Herbsteinsatz“, erzählt er. „Im Zeitraum September-Oktober suchen die Jungkäuze nach Revieren“, weiß Keil. Die meisten entfernen sich nicht mehr als 50 Kilometer. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: „Der weiteste Ausreißer flog von Linz nach Bönnigheim.“

Im Dezember 2018 erhielt Keil das Bundesverdienstkreuz. Das war eine große Überraschung für ihn: „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt er. „Erst dachte ich, ob ich es überhaupt annehme.“ Auch nach so vielen Jahren ist Keil weiterhin von Eulen begeistert, doch er würde sich auf einen Nachfolger freuen. „Ich suche junge Menschen, die sich der Sache annehmen, doch die schrecken alle zurück“, sagt er. „Solange ich Kraft habe, mache ich weiter.“

Mehr über das Artenschutzprojekt „Steinkauz“


Der Steinkauz war 1960 ein noch weit verbreiteter Brutvogel. Heute gehört er unter den europäischen Eulen zu den besonders gefährdeten Arten. Seine Bestandsentwicklung ist stark rückläufig, was verbreitet zu inselartiger Siedlungsstruktur und dem Aussterben von Teilpopulationen führte.

Durch Planberingung in Verbindung mit langfristigen Populationsstudien und regelmäßigen Kontrollen der markierten Vögel durch die FOGE wird ein gemeindeübergreifender und kreisweiter Artenschutz praktiziert.

In 32 Gemeinden werden im Landkreis Ludwigsburg bestehende Steinkauzvorkommen kartiert und die Lebensansprüche untersucht. Die Untersuchung der Populationsdynamik geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Radolfzell.

Herbert Keil hat bisher 9000 Steinkauz-Nestlinge beringt und etwa 20 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden zum Wohle des Steinkauzes geleistet. ifi