Bietigheim-Bissingen Die Kraft der richtigen Argumente - Pro Steinbruch Fink: Rainer Kübler

Rainer Kübler, Stadtwerke-Chef und Geschäftsführer der Biogutvergärung Bietigheim.
Rainer Kübler, Stadtwerke-Chef und Geschäftsführer der Biogutvergärung Bietigheim. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / ANDREAS LUKESCH 16.07.2016
Die Biogutvergärung Bietigheim will die Anlage im Steinbruch Fink bauen. Einer der Geschäftsführer ist der Chef der Stadtwerke.

Rainer Kübler ist nur einer von drei Geschäftsführern der Bioutvergärung Bietigheim, aber für die Kritiker der geplanten Anlage im Steinbruch Fink stellt er so etwas wie die personifizierte Biomüllvergärung dar. Er ist als Geschäftsführer der Stadtwerke der  bekannteste der drei Konsortium-Chefs, auf ihn richten sich viele der zum Teil aggressiven Angriffe der Standortgegner – erst recht so kurz vor dem Bürgerentscheid. Die Emotionalität, mit der die Bürgerinitiative „Weder Bio noch Gut“   den „Wahlkampf“ führt, ist Kübler fremd. Der Stadtwerke-Chef ist Ingenieur, ein  kühler Kopf, ein Rechner und Pragmatiker. Für ihn zählen Fakten und Ergebnisse. Ist er überzeugt von einer Sache, dann vertritt er sie mit Vehemenz. Er wirbt für die gute Sache, nicht mit Leidenschaft, sondern mit der Kraft der  richtigen Argumente.

Von der Biomüllvergärung ist Kübler überzeugt. Eine Chance sei sie, für die Stadtwerke, für die Stadt und für die Energiewende, sagt er und wird dann doch emotional, wenn er hinterherschickt: Die Energiewende gehe schließlich jeden an, man können nicht die Abkehr von der Kernenergie und den fossilen Rohstoffen befürworten und gleichzeitig den Standort für eine Biogutvergärungsanlage in Bietigheim-Bissingen bekämpfen. Wer das tue, zeige keine Verantwortung für die Zukunft. Die Bereitschaft, Herausforderungen mitzutragen, sei geringer geworden, allgemein und nicht nur in Bezug auf Biomüll.

Kübler entgegnet der Kritik seiner Gegner mit Fakten, Analysen und Zahlen. Für ihn sind sie unumstößlich und ergeben in der Summe: Die Biomüllanlage wird am richtigen Standort gebaut, sie belästigt keine Anwohner und gefährdet weder Trinkwasser noch die Landwirtschaft. „Wäre ich davon nicht absolut überzeugt, würden sich die Stadtwerke an den Projekt nicht beteiligen“, versichert Kübler. Er ist sich seiner Sache so sicher, dass der vom Betreiberkonsortium ins Leben gerufene „Bioman“ in der Fußgängerzone Gärreste als Dünger für Privatgärten verteilt. Und deshalb ist für Kübler die Standortfrage auch direkt mit der Grundeinstellung zur Energiewende verknüpft, auch wenn dies von den Initiatoren des Bürgerbegehrens abgestritten werde. Seine Kritiker machten es sich zu einfach, wenn sie den Standort in Frage stellten und forderten, die Anlage doch „irgendwo an die Autobahn in ein Industriegebiet“ zu stellen. Diese Alternativflächen gibt es nicht, sagt Kübler, braucht eine Biogutvergärung doch bestimmte Voraussetzungen, um  überhaupt, zumindest aber wirtschaftlich betrieben zu werden, etwa ein leistungsfähiges Fernwärmenetz in der Nähe. Der Standort im Steinbruch Fink ist auch für Kübler nicht der allerbeste, den es theoretisch geben könnte. „Aber er ist absolut und in jeder Hinsicht vertretbar“, so Kübler. Sonst würde er nicht mitmachen. Nach seiner Beobachtung sehen das viele Bietigheim-Bissinger ebenfalls so. Das Selbstvertrauen zieht der Energieprofi aus seiner Erfahrung mit erneuerbaren Energien, auf die er die Stadtwerke Bietigheim in den zurückliegenden Jahren konsequent hingelenkt hat. „Die Biomüllvergärung ist die konsequente Fortsetzung unseres bisherigen Wegs. Wir haben jahrelange Erfahrungen mit der Nutzung von Biogas in Sachsenheim und Markgröningen. 50 Prozent unserer Fernwärme kommt aus erneuerbaren Energien.“ Der Biomüll aus den Haushalten werde bisher nicht genutzt. Das ändere sich mit einer nicht überdimensionierten, sondern verlässlich kalkulierten Vergärungsanlage. Einer Anlage mit der Leistungsfähigkeit von sechs bis sieben Windrädern, die Bietigheim-Bissingen für die nächsten 20 Jahre preisgünstig mit Wärme versorge.

Dass der Stadtwerke-Chef dem Bürgerentscheid entgegenfiebern würde, kann man nicht gerade behaupten. Er sei gespannt, warte ansonsten ab. „Am Montag wissen wir mehr und dann wird beraten, wie es weitergeht.“ Wenn es weitergeht mit der Biomüllvergärung und sie nicht an der Standortfrage und am Bürgerwillen zerschellt.