Bundestagswahl Die Kandidaten sind eher brav

sz 08.07.2017

Twitter und Facebook, Youtube und Instagramm: Die Präsenz in den sozialen Medien wird auch im Bundestagswahlkampf wichtiger und unter Umständen zu einem Entscheidungsfaktor. Dr. Peter Tauber, Generalsekretär der CDU, hat mit seiner Aussage auf Twitter, „Wenn Sie etwas Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs“, einen Shitstorm ausgelöst. Dagegen sind die Auftritte der zwölf Bundestagskandidaten der Wahlkreise Ludwigsburg und Neckar-Zaber von CDU, SPD, FDP, Grüne, Der Linken und der AfD eher brav. Zumeist geht es um Eigenwerbung oder dem Bericht eines Auftrittes, selten um kontroverse Mitteilungen. Youtube, der Videokanal, oder Instagramm, das Fotoportal, werden von den Kandidaten so gut wie nicht genutzt.

Bilger führt Rangliste

Eberhard Gienger (CDU)  hat zwar auf Facebook einen Account, hat auch erst am vergangenen Donnerstag von einem Wahlauftritt in Nordheim berichtet, aber davor war er das letzte Mal am 29. Januar aktiv. Der 38-jährige Ludwigsburger Bundestagsabgeordnete  Steffen Bilger (CDU)   nutzt alle Kanäle in den sozialen Medien. Er führt auch die Follower-Rangliste der Bundestagskandidaten von Neckar-Zaber und Ludwigsburg an: Er hat 3199 Follower, alle anderen um die 200 Follower. Twitter nutzt Bilger vor allem für schnelle, spontane Nachrichten, wie der Gratulation für den neuen Oberriexinger Bürgermeister Frank Wittendorfer. Außerdem demonstrierte er mit einem Foto aus dem EU-Parlament in Straßburg, dass er auf der Gedenkfeier für den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, seinem Parteigenossen, dabei war. Auf Youtube finden sich seine Bundestagsreden.

Thomas Utz, Bundestagskandidat für die SPD für den Wahlkreis Neckar-Zaber, „unser Utz“, wie er sich nennt, kennt als erst 28-Jähriger die Möglichkeiten der sozialen Medien genau. Auf Twitter kommentiert er mehrmals täglich das Zeitgeschehen und seine politischen Gegner: „Wegen Typen wie @petertauber haben so viele Menschen die Nase voll vom Berliner Politiktheater. Abgehoben und arrogant #tauber.“  Auf das Insolvenzverfahren der regionalen Metzgerei Dietz reagiert er auch: „Ich hoffe, dass ein geregeltes Insolvenzverfahren zu einer Fortführung des Unternehmens und zum Erhalt der Arbeitsplätze führen wird!“ Aber auch er hat nur 116 Follower auf Twitter.

Sein Parteifreund und Kandidat für den Wahlkreis Ludwigsburg, Macit Karaametoglu hingegen meidet Twitter bisher. Einen Facebook-Account hat er zwar, aber der wird nur sporadisch gefüttert, zum letzten Mal am 25. Juni zum SPD-Bundesparteitag. Aber er zeigt auch persönliches, zum Beispiel ein altes Schwarz-Weiß-Foto seines türkischen Großvaters zum Vatertag.

Marcel Distl (FDP), Wahlkreis Neckar-Zaber, postet auf Facebook nur kleine Videos seiner Partei. Seine Parteikollegin Stefanie Knecht retweetet in ihrem Twitter-Account lediglich Beiträge, trägt nichts Eigenes bei, ihr letzter Auftritt in Facebook war am 6. Januar 2015.

Posts aus Vaihingen

Die Grüne Catherine Kern hat keinen Twitter-Account, auf Facebook allerdings macht sie ihre Auftritte transparent und kommentiert auch politische Gegner wie erst am 5. Juli Lothar de Maizière. Ingrid Hönlinger, die für die Grünen in Ludwigsburg antritt, ist auf Twitter und Facebook sehr aktiv. Sie beteiligt sich am regionalen Geschehen, postet Fotos aus ihrer Heimatstadt Vaihingen und von Festen ihrer Partei.

Wie die Bundes-AfD die sozialen Medien zur Stimmungsmache nutzt, machen das auch ihre Kandidaten Marc Jongen, der für Neckar-Zaber kandidiert, und Martin Hess (Ludwigsburg). Während Jongen aber mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält, teilt Hess lediglich bundesweite Beiträge seiner Partei. Die Linken Peter Schimke und Walter Kubach nutzen die sozialen Medien nicht für ihre Kommunikation.

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