Kreis Ludwigsburg / Mathias Schmid  Uhr

Der Borkenkäfer und die vergangenen Dürreperioden halten Forstverwaltung und Kommunen im Kreis weiter auf Trab. Zwar ist derzeit nahezu alles befallene Fichten- und kranke Kiefernholz aufgearbeitet. Verkaufen lässt es sich aber nicht. Das Angebot an Nadelholz ist aktuell einfach zu viel groß.

„Wir sind zur Zeit auf dem aktuellen Stand, was die Aufarbeitung des außerplanmäßigen Holzes angeht“, sagt Förster Burkhard Böer. Heißt: Käfer-, Sturm- und Dürreholz sind erkannt, geschlagen und aus dem Wald geräumt. Ganz glücklich ist der Forstbeamte des Landkreises, der für Teile Sachsenheims, sowie Erligheim, Kirchheim und Bönnigheim zuständig ist, dennoch nicht. Nicht nur, weil sich die Situation jeden Tag ändern kann, sondern aktuell vor allem, weil die Kommunen auf ihrem Nadelholz sitzen bleiben. Weite Teile der Stämme sind laut Böer wegen des schnellen Eingreifens vergangenes und dieses Jahr unversehrt und daher eigentlich gut zu verkaufen. Aber:  „Die Holzpreise sind im Keller“, klagt Böer: bei etwa einem Drittel des Normalpreises von rund 100 Euro pro Festmeter, Tendenz fallend.

Doch das ist nicht das einzige Problem: „Selbst wenn wir sagen würden, dass wir damit zufrieden sind, kommt keiner und holt das Holz ab.“ Denn andere Regionen, wie der Schwarzwald, sind viel stärker vom Borkenkäfer befallen als der Kreis Ludwigsburg. „Da sprechen wir von ganz anderen Mengen“, erklärt Böer. Das Bisschen, was sich im Vergleich dazu in den hiesigen Wäldern angesammelt hat, ist da für große Sägewerke nicht interessant.

Zwischenlager eingerichtet

Daher haben Böer und Kollegen zwei Zwischenlager nahe des Eichwalds eingerichtet: Eines im Waldstück in Richtung Unterriexingen, im Gewann Steingereut beziehungsweise Galgenäcker. Dort sind bereits alle Fichten Sturm und Käfer zum Opfer gefallen. Das andere nahe der ehemaligen Radarstation. Dort wartet man jetzt darauf, dass sich die Lage auf dem Markt entspannt.

Gleichzeitig ist auch die Gefahr gebannt,  dass sich die beiden Borkenkäferarten Kupferstecher und Buchdrucker weiter ausbreiten - und das ganz ohne den Einsatz von Pestiziden. Denn selbst wenn das gelagerte Fichtenholz noch befallen wäre, was Böer ausschließt, fänden die Schädlinge keinen geeigneten Nährboden. Die alten Stämme sind nicht mehr vital genug, als dass sich eine Brut erfolgreich entwickeln könne. Und lebendige Fichten gibt es im Umkreis von mehr als einem Kilometer nicht.

Die Gefahr einer erneuten Ausbreitung in den Waldstücken, in denen noch Fichten erhalten sind, ist aber damit noch nicht gebannt. „Der Käfer ist im latenten Bestand immer noch da“, weiß Böer, wichtig war, dass wir zwischen März und Mai den ersten Schwärmflug möglichst gut vermieden haben. Bis Ende der 1980er-Jahre waren ungefähr ein Viertel der Bäume in den hiesigen Wäldern Fichten. Nach Sturm- und Käferjahren schrumpfte dieser Anteil in den Wäldern Sachsenheims und Bönnigheims auf rund sieben Prozent. „Dieser Rest wird jetzt nach zwei Jahren extremer Dürre bedroht“, weiß Böer.

Zu retten ist die Fichte in unseren Wäldern auf Dauer nicht mehr. Auf ihr Ende aufgrund des Klimawandels „bewegen wir uns schon lange sehenden Auges zu“, sagt Böer, „sie ist ein Flachwurzler und extrem trockenheitsanfällig. Die Schädlinge kommen sofort.“ Anstatt aber die Baumart gleich radikal zu schlagen, habe man sich entschieden, sie „in vernünftigem Maße zu halten - nicht nur  wegen den Bäumen als solche, sondern auch dass der Markt möglichst entspannt bleibt“.

Kiefern sterben ab

Derzeit geht es aber auch noch einem anderen Nadelbaum im Kreis schlecht: „Die alten Kiefern sterben unkontrolliert ab“, sagt Böer. Vor allem im Bereich mittlerer und westlicher Stromberg sei zu beobachten: Die Krone bekommt braune Flecken, irgendwann ist sie komplett rotbraun und der Baum abgestorben. Auch hier ist die Dürre der Auslöser. Was genau das Sterben verursacht, weiß man derzeit noch nicht. „Dort, wo das Sterben großflächig auftritt, ist es bestandsbedrohend“, bedauert Böer“, da sind dann Bäume, auf die man 100 Jahre gewartet hat, plötzlich kaum noch etwas wert. Das wäre ein herber Verlust für die „Strombergmischung“ genannten Mischwälder auf Keuperboden. „Die Kiefer passt eigentlich sehr gut hierher, auch was Trockenheitstoleranz angeht. Sie verträgt sich gut mit der Eiche.“ Deshalb hofft Böer, dass sich die Lage nach den jüngsten Niederschlägen entspannt.

Während man bei der Kiefer nur auf eine vorübergehende Schwächephase hofft, steht der Nachfolger für die Fichte in unseren Wäldern schon fest: Die Douglasie. „Sie ist vor allem durch ihr Herzwurzelsystem deutlich resistenter“, sagt Böer.

Waldbrandgefahr: Bislang gilt nur in Sachsenheim ein Grillverbot

Die anhaltende Trockenheit sorgt auch in Sachsenheim für eine hohe Brandgefahr. Darum ist ab sofort das Grillen auf städtischen Waldspielplätzen und öffentlichen Grillplätzen der Stadt Sachsenheim bis auf weiteres verboten. Das teilt die Stadtverwaltung mit. Die Bevölkerung wird aufgefordert, keine brennbaren oder brandbeschleunigenden Gegenstände im Wald oder waldnahen Bereichen achtlos zurückzulassen, sondern zwingend die dafür vorgesehenen Müllbehälter zu verwenden.

Kein Grillverbot gibt es dagegen derzeit in Bietigheim-Bissingein, wie Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadtverwaltung auf BZ-Anfrage mitteilt. „Im Wald und auf den Wiesen sollte man zur Zeit keine Zigarettenkippen wegwerfen oder sonst Feuer machen, die Brandgefahr ist hoch“, teilt sie dennoch mit. Dies sei nach dem Landeswaldgesetz sowieso im Sommerhalbjahr verboten und könne mit Bußgeldern geahndet werden.

Auch in Bönnigheim ist aktuell noch kein Grillverbot vorgesehen, wie Torben Pellkofer von der Stadtverwaltung erklärt. Bis auf die Florianshütte habe man keine öffentlichen Grillplätze und darum würde sich der Förster kümmern und im entsprechenden Fall ein Grillverbot anregen.

In Ludwigsburg habe man noch kein Grillverbot verhängt. Der Fachbereich Sicherheit und Ordnung sei aber in enger Abstimmung mit den Fachbehörden, teilt eine Sprecherin mit. Wenn der Boden zu trocken ist, wird auch Ludwigsburg ein Verbot verhängen. bz