Wirtschaftskinder“ sollten ihre Tochter Ramona und ihr Sohn Florian eigentlich nie werden, so Marita Rommel, die zusammen mit ihrem Mann Udo Rommel das Restaurant-Hotel „Rössle“ in Freiberg führt.

Udo Rommel machte sich 1997 mit der längsten Maultasche der Welt (980,65 Meter) und einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde einen Namen als „Maultaschenkönig“. Der gelernte Koch hat den Familienbetrieb 1982 von seinem Vater übernommen. Dieser hatte 1947 mit seiner Frau aus der Bäckerei und Schankwirtschaft seines Vaters eine reguläre Gastwirtschaft gemacht und gleichzeitig noch einen Brennstoffhandel bis 1982 betrieben.

Mit der Übergabe an den Sohn wurden Gastraum und Küche renoviert. In den 1990er Jahren kam eine Aufstockung des Gebäudes, dessen Grundmauern auf das Jahr 1678 zurück gehen, dazu, so dass neben den 25 Hotelzimmern auch eine großzügige Terrasse entstand. Außerdem wurde der Gastraum erweitert und zusätzlich ein Wintergarten angebaut.

„Für mich stand von Anfang an fest, dass ich Koch werde“, meinte Sohn Florian. Nach seinen Lehrjahren im „Nestor“ in Ludwigsburg, kam er in den Familienbetrieb, aber schnell wurde klar: „Zwei ‚Häuptlinge‘ in der Küche geht nicht“. So hat Florian Rommel vor drei Jahren sein eigenes Restaurant „Wild und Echt“, nur wenige Meter entfernt, eröffnet, in dem er als passionierter Jäger vor allem Wildspezialitäten auftischt. „Wir sind keine Konkurrenz zueinander“, stellt Florian Rommel fest. „Jeder kann seinen eigenen Weg gehen.“

Für Ramona Rommel war früh die Entscheidung gefallen, im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Nach ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und Restaurantfachfrau leitet sie seit neun Jahren das „Rössle“ mit. „Die Leute sagen, ich komme ganz nach meiner Oma“, schmunzelt sie. Denn auch für Ramona Rommel steht das Restaurant und Hotel an erster Stelle. „Es ist mir wichtig, dass der Betrieb gut läuft und ich ruhe mich nicht auf den Erfolgen aus.“

„Wir sind damit groß geworden“

Dazu gehört für sie auch ein gutes Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern. Die Eltern ziehen sich inzwischen nach und nach aus dem Tagesgeschäft zurück. „Wir wissen schon, dass wir beruhigt langsam aus dem Betrieb herausgehen können“, so Marita Rommel. Ganz im Sinne der Familientradition soll das „Rössle“ auch weiterhin als familiäres, schwäbisches Restaurant und Hotel weitergeführt werden. „Es gibt immer weniger hochwertige schwäbische Küche“, stellt Florian Rommel fest. Deshalb lege man im Hause viel Wert auf schwäbische Spezialitäten.

„Was gibt es Schöneres als selbstgemachten Kartoffelsalat und hausgemachte Spätzle mit Soß‘?“ fügt Ramona Rommel hinzu. Auch, wenn es zu den Feiertagen wie Weihnachten hoch hergeht im Restaurant, könne sie sich nichts anderes vorstellen: „Wir sind ja damit groß geworden, für uns wäre Weihnachten ohne diesen Trubel gar nicht vorstellbar.“ Einige Neuerungen habe sie eingeführt. „Man muss in der Gastronomie mit der Zeit gehen,“ so Florian Rommel.

Der Vorteil eines Familienbetriebes liege darin, dass man sein eigener Herr sei. „Wir stehen untereinander sehr fest zusammen“, bestätigt Ramona Rommel. „Wichtig ist, dass man auch ein Gefühl für den Wert des Betriebes hat.“ Und alle säßen in einem Boot, vom Mitarbeiter bis zum Chef. Für die Jungchefin ist deshalb das „Rössle“ zentraler Mittelpunkt, auch in ihrem Familienleben.

„Mein Mann sagt immer: Ich muss in die Wirtschaft gehen, wenn ich meine Frau sehen will“, lächelt sie. Mutter Marita ist froh darüber, dass die Nachfolge im Gegensatz zu vielen anderen traditionellen Gastbetrieben gesichert ist. „Wir wissen, dass es mit unseren Kindern in unserem Sinne weitergeht.

Zahlen und Fakten


Gründungsjahr: 1982
Firmensitz: Freiberg a.N.
Geschäftsführer: Udo Rommel, Marita Rommel
Mitarbeiter: 10
Ausbildung: aktuell nicht
Leistungsspektrum: Restaurant und Hotel

www.roessle-freiberg.de