Sagen aus dem Kreis Die Enz als Überbringer von Sagen und Geschichten

Auch im Wasser spielte das Theaterstück „Sagt die Enz“ des Theaters unter der Dauseck, das 2009 als eine Art Stadtführung angeboten wurde.
Auch im Wasser spielte das Theaterstück „Sagt die Enz“ des Theaters unter der Dauseck, das 2009 als eine Art Stadtführung angeboten wurde. © Foto: Martin Kalb
Jürgen Kunz 17.11.2018

Flüsse oder besser gesagt deren Ufer waren vor allem in früheren Jahrhunderten oft Dreh- und Angelpunkt der Menschheit. Hier entstanden große Städte und Handelszentren, hier begegneten sich Leute aus aller Welt, um ihre Waren, aber auch ihre Geschichten auszutauschen. So verwundert es nicht, dass sich auch auf den mehr als 100 Kilometern entlang der Enz so einige Sagen erzählt wurden. Barbara Schüßler vom Theater unter der Dauseck hat eine Vielzahl davon zusammengetragen – ursprünglich für ein ganz besonderes Stück des Oberriexinger Theaters unter der Dauseck.

Schüßler durchforstete die Chroniken von Städten und wurde überall fündig. 2009 entstand eine ganz besondere Produktion des Theaters, an die sich Schüßler heute noch gerne zurückerinnert. „Jede der Sagen hat ihre ganz eigene Faszination“, hat sie sich in die Kurzgeschichten verliebt. Vor allem die Flößer, die Holz aus dem oberen Elbtal brachten, sorgten entlang der Enz für die Verbreitung der Geschichten. „Das ist vermutlich auch der Grund, warum es viele Sagen gibt. Damals war es ganz normal, dass die Leute sich die Geschichten weitererzählt haben. Aber dort, wo es Transportwege gab und die Menschen sich regelmäßig begegneten, wurden die Geschichten auch weitergebracht“, sagt Schüßler.

Dem Teufel begegnet

Eine Erzählung, nämlich die Oberriexingen-Sage vom Dauseck-Pudel, ist bei ihr besonders hängen geblieben – nicht nur, weil sie die Schlussszene im Theaterstück „Sagt die Enz“ bildet.. Diese spielt, nach Schüßlers Recherchen, in der ehemaligen Burg Dauseck, die sich zwischen Ober- und Unterriexingen befand. Der Legende nach sollen drei junge Mädchen zur Burg hochgestiegen sein, um Heu zu holen. Dort gab es einen alten mysteriösen Keller „Eine war besonders mutig und wollte in den Keller steigen.“ Die Mädchen banden viele Tücher zusammen, mit deren Hilfe die eine hinabstieg. Wenn sie an den Tüchern zog, sollten die beiden anderen sie schnell wieder hochziehen. „Kaum war das Mädchen unten, hat sie heftig gezogen.“

Kreidebleich sei sie wieder oben angekommen. Sie erzählte ihren Freundinnen, dass sie dort unten einen schwarzen Pudel mit einem Schlüsselbund im Maul gesehen hätte – die Inkarnation des Teufels. „Der Schock war so groß, dass das Mädchen drei Tage später daran gestorben ist“, schließt Schüßler.

Die Sage ist auch wegen ihrer Protagonisten herausragend: „Es gibt nicht viele Sagen, in denen Mädchen die Hauptrolle spielen. Frauen tauchen sonst oft nur als verlassene Jungfern oder Geister, die später etwas Böses tun, auf“, erklärt Schüßler.

So funktioniert beispielsweise auch die Sage „Das Fräulein von Bietigheim“, die auf einem begleitenden Hörspiel erzählt wird (siehe Infobox). Das Fräulein ist am sogenannten „Kahlenstein“ beim Vergraben ihrer Aussteuer ums Leben gekommen und schwirrt nun seit 100 Jahren dort umher. Ein Mann, dem das Fräulein im Wald begegnet, soll sie erlösen, indem er einen ebenfalls dort vergrabenen Schatz aus den Zeiten des 30-Jährigen Kriegs findet.

Schüßler ist spätestens seit ihrer Recherchen der Welt der Sagen verfallen. „Zum einen sind es überlieferte Geschichten. Heute ist alles so wissenschaftlich erforscht und vernunftsmäßig“, erklärt sie den Grund. „Und wenn man es nüchtern betrachtet, sieht man auch, was für Ängste die Menschen hatten. Es geht oft darum, nachts rauszugehen oder sich Fremden anzunähern. Auch die Themen Tod und ewiges Leben spielen eine Rolle.“

Die Enz-Sagen als Hörspiel und Theaterstück

Auf der Suche nach Sagen entlang der Enz zwischen Enzthal und Besigheim sind „viel mehr Sagen zusammengekommen, als im Theaterstück ‚Sagt die Enz’ verwendet wurden“, berichtet Barbara Schüßler von ihren Recherchen fürs Theater unter der Dauseck (TudD). Quasi als Nebenprodukt ist deshalb ein Hörspiel entstanden, in denen 35 Sagen kurz erzählt werden. „Wir haben dazu bewusst Laien und keine Profis verwendet“, erklärt Bernd Schlegel, Vorsitzender des TudD. So spricht der Oberriexinger Pfarrer Ulrich Gratz die Sage „Toter gibt Ohrfeigen“, die in Bad Widlbad spielt.

Außerdem gibt es auch eine DVD mit der Filmaufnahme des Theaterstücks. Beide Werke können beim TudD zum Preis von jeweils 10 Euro nach wie vor bestellt werden: per E-Mail an info@theater-dauseck.de.

www.theater-dauseck.de

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