Schwerpunkt 70er-Jahre Die 70er waren die Blütezeit der Diskotheken

Gabriele Szczegulski 28.07.2018

Eröffnet wurde der Dancing Park Freiberg 1977 mit Musik von den Bee Gees. Musik von Abba „war was für Weicheier, das lief hier kaum.“ Das erzählt Ekkehard Menninger, heute 61 Jahre alt, damals gerade 19. „Aber ansonsten legten wir alles auf, was in den 70ern angesagt war.“

Mit 19 Discobesitzer

1976 hatte er, mit Hilfe seines Vaters, auf dem leeren Gelände des heutigen Industriegebietes eine Diskothek gebaut, den Dancing Park. Heute, nach 41 Jahren, heißt der Club Dancing Park Palazzo und hat zwei Dancefloors, damals nur einen, mittlerweile ist die Diskothek zweigeschossig, hat ein Restaurant und einen Außenbereich mit Pool, „für unsere Schaumpartys“.

„Die 70er waren die Hochzeit der Diskotheken, fast täglich strömten die Leute in die Clubs, heute kannst du nur noch am Wochenende ein volles Haus erwarten“, sagt Ekkehard Menninger. Wenn er an die Zeit zurückdenke, überkäme ihn ein nostalgisches Gefühl. „Wir waren frei, endlich gab es richtig gute Musik, es gab noch nicht so viele Regeln wie heute, es war eine tolle Zeit“, sagt er. Damals waren es hauptsächlich englische Rocktitel von den Rolling Stones, den Bee Gees, den Beatles. Schlager wurden nur ab und an aufgelegt. Heute, so erzählt Menninger, seien Mallorca-Schlager in, die bei ihm in seiner rustikalen, kleineren Disco gespielt werden. Im großen Saal aber sind derzeit auch die deutsch singenden Interpreten wie Andreas Bourani oder Mark Forster gefragt. „Deutsche Songs sind grade in, wenn Schlager, dann eben die von den sogenannten Mallorcakünstlern“, erklärt er. „Getrunken wurde immer, aber in den 70ern hauptsächlich Bier, heute musst du Cocktails anbieten und der Alkoholgenuss ist exzessiver“, sagt er.

Auch wenn es ihm bis heute Spaß macht, den Palazzo zu betreiben, „früher war es einfacher“. Allein die Sicherheitsbestimmungen seien eine Nummer für sich: „Wir müssen von jedem Gast beim Eintritt den Ausweis sehen, jede Rechnung wird im Computer personalisiert, wir wissen genau, was wer wann getrunken hat“, sagt er und schüttelt den Kopf, „in den 70ern waren wir unbeschwerter, da war alles nicht so reglementiert und es wurde durchaus auch mal ein Auge zugedrückt“. Handtaschen müssten heute durchsucht werden, an den Eingängen hängen Kameras zur Videoüberwachung. Dabei, so sagt er, seien seine Kunden friedlich. Es gebe fast nie Krawall. „Was wir in den Taschen finden, ist Alkohol“, sagt er. Das habe sich in den Anfangszeiten der Disco keiner getraut, Alkohol einzuschmuggeln.

Was er auch kritisiert sind Handys. „Die Leute stehen am Dancefloor und tippen auf ihren Handys rum“, sagt Ekkehard Menninger. Früher seien die Discogänger „gechillter“ gewesen. „Und das Rauchen gehörte zu einer Disco wie die Musik, als das Rauchverbot kam, gab ich meine Disco auf, weil ich dachte, das geht gar nicht, da bist du bald pleite.“ Nach zwei Jahren übernahm er das Palazzo wieder, die Immobilie gehört ihm sowieso, das Palazzo läuft immer noch.

Mallorcapartys sind in

Was heutige Discogänger wollen, seien Mottopartys wie Schaum-, Mallorca-, Après-Ski- oder 90er-Partys. „Die 70er gehen leider gar nicht, das interessiert die Jungen gar nicht und diejenigen, die die Zeit mitmachten, gehen nicht mehr in eine Disco. Im Moment liegen die 90er voll im Trend“, sagt der 61-Jährige. „Für mich sind die 70er die Zeit der Rockmusik, der Protestmusik und natürlich die Blütezeit der Diskotheken.“ Mindestens 25 Betriebe habe es im Kreis damals gegeben. „Heute sind es grade mal vier“.

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