Gericht Diagnose: Wahnhafte Störungen

Sachsenheim / Bernd Winckler 20.12.2016

Auch am letzten Tag der Beweisaufnahme vor dem Heilbronner Landgericht im Fall des Sachsenheimers, der mit dem Messer auf seinen Nachbarn einstach,  ließ das Gericht keine Möglichkeit offen, die Gründe für die Tat herauszufinden, also warum der 77-Jährige, wegen versuchten Totschlags angeklagte Rentner, am 27. Februar mit einem Klappmesser seinen Nachbar angriff und schwer verletzte. Und warum er schon seit Jahren die Nachbarschaft tyrannisierte. Schließlich brachte ein psychiatrischer Gutachter mehr Aufklärung in die Psyche des Mannes.

Kinder sagen aus

Gegenüber dem Sachverständigen hatte sich der Angeklagte gegen diese Begutachtung gewehrt, sodass der Gutachter gezwungen war, Sohn und Tochter zur Krankheit des Vaters zu befragen.  Eingeflossen in die Beurteilung sind auch die Vorstrafen des Mannes, wie zum Beispiel  sein Versuch mit einer Eisenstange gegen den Kopf eines Nachbarn zu schlagen.

Auch die Fantasien des Beschuldigten, dass seine Nachbarn Drogen- und Waffenhändler seien, sich Rauschgift schicken ließen und in seine Wohnung eingebrochen seien, würdigte der Sachverständige im Gutachten mit dem Ergebnis: „Wahnhafte Störungen“. Diese psychische Krankheit müsse er schon längere Zeit haben.

Tat im Wahn begangen

Im Zustand eines solchen Wahns habe der Mann die Messerattacke vom 27. Februar vor dem Sachsenheimer Mehrfamilienhaus begangen. Und da er auch keinerlei Einsicht an den Tag legt, sei er in diesem Zustand eine Gefahr für die Allgemeinheit.

 Diese Erkenntnis nahm auch der Staatsanwalt mit in sein Plädoyer auf. Er stellte noch einmal fest, dass der Messerangriff in den Hals des Opfers eindeutig den Tatbestand des versuchten Totschlags darstelle, aber der 77-Jährige wegen Schuldunfähigkeit aus rechtlicher Sicht von dem Vorwurf freigesprochen werden müsse. Dafür müsse ihn das Gericht in die Psychiatrie einweisen. Bewährung für diese „Maßregel“ sei nicht möglich, weil der Mann nicht einsichtsfähig sei. Die Verteidigerin schloss sich diesem Antrag an, wies aber darauf hin, dass die jahrelangen Beleidigungen und Angriffe des Beschuldigten wegen dessen Krankheit eine Tragik darstellen. Mit der Einweisung in die Psychiatrie solle auch eine Hilfe für den 77-Jährigen verbunden sein. Das Urteil des Gerichts folgt. Bernd Winckler