Schwerpunkt Städtepartnerschaft  Der Versöhnung folgte tiefe Freundschaft

Gabriele Szczegulski 09.06.2018

Mindestens einmal im Jahr, sagt Landrat Dr. Rainer Haas, besuche er seinen Amtskollegen Giora Salz in der israelischen Region Oberes Galiläa, und umgekehrt sei es genauso. Mit Aharon Valency, Vorgänger des jetzigen Amtsinhabers, verband Haas, der seit 1996 im Amt ist, eine, wie er sagt, „tiefe und innige Freundschaft“. Für Haas ist die Partnerschaft mit dem Oberen Galiläa, die 1983 begann und 1997 offiziell wurde, unter den fünf Partnerschaften (Landkreis Zwickau, chinesische Provinz Hubei, ungarisches Komitat Pest und italienische Provinz Bergamo) die „speziellste“. „Denn hier war die Versöhnung zwischen Deutschen und jüdischen Israelis der Zweck“, sagt der Landrat.

Die älteste Partnerschaft des Landkreises begann zaghaft. „Die Annäherung war laut den Zeitzeugen schon eine harte Nummer“, so Rainer Haas, zu der dessen Vorgänger Dr. Ulrich Hartmann und der damalige Amtskollege Avram Broshi den Grundstein legten. „Erkennbare Zurückhaltung und angespannte Stimmung“ herrschte laut Haas auch noch 1997, als die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet wurde.

Erstes Treffen im PKC

Broshi, ein Freund des damaligen Leiters der Ehemaligen Synagoge in Freudental, Ludwig Bez, war 1983 zur Einweihung des Pädagogisch-Kulturellen Centrums eingeladen worden. Dort entstand die Idee, eine deutsch-israelische Partnerschaft auf Kreisebene zu formen. „Erst nach vielen persönlichen Gesprächen ließen sich einige Israelis von Avram Broshi überreden, ihn nach Deutschland zu begleiten“, erzählt Haas. Immer wieder, so Haas, hätten ihm seine Amtskollegen erzählt, dass die jüdischen Israelis sich zuerst schlichtweg weigerten, das Land zu besuchen, das ihnen während der Nazi-Herrschaft so viel Leid zugefügt hatte.

Wichtig, so Haas, seien heute neben dem Austausch in Verwaltungsthemen und der Kooperation für ihn vor allem die Einbeziehung der Jugend, die die Partnerschaft in die Zukunft tragen müsste.  In den Gesprächen, so Haas, wie auf einer Reise der  Kreisräte im Oktober 2017, sei aber ein Wandel eingetreten, die Versöhnung der beiden Völker stehe nun nicht mehr so im Vordergrund, eher die Vertiefung der Beziehungen und deren Fortführung durch die Jugend. Momentan, so Haas, sei die Distanz der Israelis aber wieder gestiegen. „Giora Salz erzählte mir, dass er immer wieder betonen muss, dass Angela Merkel nicht die Nachfolge von Hitler angetreten hat“, sagt Haas: „Durch das Kennenlernen auf unterster Ebene, bei den Menschen vor Ort, werden Vorurteile abgebaut“.

Partnerschaft mit der Region Oberes Galiläa in Israel

Die Partnerschaft zwischen der Region Oberes Galiläa und dem Landkreis Ludwigsburg besteht seit 1983 und ist somit die älteste Partnerschaft des Landkreises. 1997 wurde sie offiziell mit dem Austausch von Partnerschaftsurkunden besiegelt. Das Obere Galiläa liegt im hügeligen Norden Israels an der Grenze zum Libanon. Die Region mit ihren vielen jüdischen Kibbuz-Gemeinden ist landwirtschaftlich geprägt.
Es gibt viele gemeinsame Projekte zwischen dem Landkreis und dem Oberen Galiläa. Unter anderem im Naturschutz, auf künstlerischer und musikalischer Ebene, in der Bildungsarbeit sowie auf Krankenhausebene. Vier Schulen im Landkreis, das Alfred-Amann-Gymnasium Bönnigheim, das Friedrich-Schiller-Gymnasium Marbach, das Robert-Bosch-Gymnasium Gerlingen und die Robert-Franck-Schule Ludwigsburg, haben eine Partnerschule in Israel und führen regelmäßig Schüleraustausche durch. Es gibt regelmäßig stattfindende Lehrerseminare.

Im Juni 2015 wurde der Kooperationsvertrag zwischen den Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH und dem ZIV Medical Center in Zefat unterzeichnet. Seitdem finden gegenseitige Hospitationen von Fachärzten und Pflegepersonal statt. Seit einigen Jahren nehmen außerdem Vertreter des Oberen Galilä an dem jährlich im Herbst stattfindenden Spätlingsmarkt teil. sz

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel