Landkreis Ludwigsburg Der Trend geht zur späten Geburt

Im Landkreis Ludwigsburg stieg die Zahl der Schwangerschaften von Frauen über 35 in den vergangenen fünf Jahren pro Jahr um 7,1 Prozent.
Im Landkreis Ludwigsburg stieg die Zahl der Schwangerschaften von Frauen über 35 in den vergangenen fünf Jahren pro Jahr um 7,1 Prozent. © Foto: Jochen Tack
Kreis Ludwigsburg / Susanne Yvette Walter 24.08.2018

Spätgebärende Mütter sind bei den Promis gang und gäbe: Hollywood-Star Nicole Kidman bekam ihr erstes Kind mit 41 Jahren, die Französin Carla Bruni brachte „le premier bébé“ mit 43 zur Welt und die italienische Sängerin Gianna Nannini wurde gar erst mit 54 Jahren Mutter. Die Zahl der Spätgebärenden nimmt zu. Deren Kinder sind – anders als bislang angenommen – keineswegs anfälliger für Krankheiten, wie neue Studien beweisen.

Auffallend ist, dass hier der Landkreis Ludwigsburg keine Ausnahme macht und auch dort  die Zahl der Spätgebärenden steigt. Dr. Sabine Knapstein von der AOK-Bezirksdirektion Ludwigsburg-Rems-Murr stellt fest, dass Frauen, die Kinder bekommen, immer älter werden. Laut AOK-Statistik waren im Jahr 2017 in Baden -Württemberg 22,36 Prozent der Frauen, die ein Kind zur Welt brachten, 35 Jahre alt und älter. Im Landkreis Ludwigsburg betrug der Anteil der späten Schwangerschaften im Vorjahr 22,3 Prozent.

Durchschnittsalter 31,4 Jahre

Im Landkreis Ludwigsburg stieg die Zahl der Schwangerschaften von Frauen Ü-35 in den vergangenen fünf Jahren pro Jahr sogar um 7,1 Prozent. Landesweit lag der Anteil von Geburten bei Frauen im Alter von über 40 Jahren noch bei 4,29 Prozent. Während noch in den 1990er-Jahren die 25- bis 29-Jährigen die meisten Kinder bekamen, findet sich heute die höchste Geburtenrate in der Altersgruppe der 30- bis 34-jährigen Frauen. Offizielle Zahlen des Statistischen Bundesamtes dokumentieren das Durchschnittsalter von Müttern in Baden-Württemberg im Jahr 2015 bei 31,4 Jahren.

Eine Analyse dieser Entwicklung liefert AOK-Ärztin Dr. Sabine Knapstein: „In allen Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen realisieren Frauen ihren Kinderwunsch zunehmend in einem höheren Alter. Dabei haben ältere Frauen, die gesund in ihre Schwangerschaft starten und sich gesundheitsbewusst verhalten, beinahe genauso gute Chancen auf ein gesundes Baby, wie jüngere Mütter.“ Auch wenn das Risiko für Fehlbildungen beim Kind in höherem Alter der Schwangeren ansteige, stünden dem Millionen gesunder Kinder von Spätgebärenden gegenüber. „Frauen in einem Alter ab 35 Jahren mit Kinderwunsch sollten sich von ihrem Frauenarzt umfassend über alle altersabhängigen Risiken für Schwangerschaft, Geburt und Kind informieren lassen. Und sie sollten ausführlich dazu beraten werden, was sie selbst aktiv für einen optimalen Verlauf der Schwangerschaft tun können“, betont Sabine Knapstein.

Längst hat also das Phänomen der „Last-Minute-Mütter“ auch die breite Bevölkerung erreicht. Das hat Gründe: Weil das Durchschnittsalter der Bürger steigt, bekommen Frauen oft erst spät ihre Kinder. Ein weiterer Grund, der die Schwangerschaft oft weit nach hinten verschiebt, sind die langen Ausbildungszeiten.

Warum also sind späte Schwangerschaften noch immer recht verpönt? Fakt ist, dass die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, mit zunehmendem Alter deutlich abnimmt. Gleichzeitig steigt das Risiko eines Erbgut-Defektes an: Von der Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt, ist statistisch gesehen bei 35-jährigen Müttern ein Kind von 350 betroffen. Bei 44-jährigen Frauen ist es eins von 14.

Bildungsgrad mit entscheidend

Bislang wurde häufig angenommen, dass der erwachsene Nachwuchs von Spätgebärenden häufiger krank ist – etwa weil der Körper der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt bereits abgebaut hatte, Eizellen oder Plazenta schwächer waren. Doch am Max-Planck-Institut für Demografische Forschung in Rostock ist man heute anderer Meinung: „Für das Erwachsenenalter der Kinder scheinen frühe Geburten bedenklicher zu sein als späte“, sagte Mikko Myrskylä, geschäftsführender Direktor und Leiter der Forschungsgruppe Demografie.

Entscheidend für die spätere Gesundheit der Kinder sind nach Erkenntnis von Myrskylä vor allem der Bildungsgrad der Mutter und die Anzahl der Jahre, die sie mit ihrem Kind gemeinsam erlebt. „Der Bildungsstand der Mutter hat direkte Auswirkungen auf ihr Gesundheitsbewusstsein, etwa in Bezug auf Partnerwahl, Rauchen, körperliche Bewegung und Alkoholkonsum.“

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