Baby-Boom Der Trend geht zum Zweit-Kindersitz

Das Kleinkind von heute hat mehrere Kindersitze.
Das Kleinkind von heute hat mehrere Kindersitze. © Foto: dpa
Landkreis Ludwigsburg / Bettina Nowakowski 13.09.2017

Steigende Geburtszahlen machen sich beim Umsatz im Fachhandel für Baby- und Kinderausstattung bemerkbar. Der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) berichtet, dass 2016 Eltern insgesamt 2,5 Milliarden Euro für die Ausstattung ihrer Kinder in den ersten drei Lebensjahren ausgegeben haben. Das waren vier Prozent mehr als im Vorjahr und 1125 Euro pro Kind. Während für Spielzeug und Möbel die Umsätze nur leicht anstiegen, legten die Umsatzzahlen beim Verkauf von Kinderwagen und Autositzen zu. Mit dem Verkauf von 773 200 Kinderwagen und rund 2,4 Millionen Autositzen sei der Absatz um jeweils rund zwei Prozent gestiegen.

„Der Trend geht zum Zweit- oder Drittsitz bei Kinderautositzen“, bestätigt auch Tobias Gellhaus vom Freudentaler Kinderladen. Neben dem Erstkauf eines hochwertigen Modells für das elterliche Auto werden auch die Großeltern immer öfter mit Autositzen ausgestattet. „Der bleibt dann im Auto, so dass nicht immer umgebaut werden muss“, erläutert Gellhaus. Zum „Statussymbol“ seien Kinderwagen geworden, da griffen die Eltern schon mal zum teuren Modell.

Das bestätigt auch Karsten Panne, Projektmanager für die Abteilung Baby der Vedes AG. „Die zunehmend höher entwickelte Technologie bei Autokindersitzen und ein größeres Sicherheitsdenken treiben den Markt voran“, so seine Erfahrung. Es werde wesentlich mehr Wert auf Qualität und Sicherheit gelegt. „Durch das heute gängige Isofix-System werden die Sitze meistens im Auto gelassen.“ Den Trend zu hochwertigen Kinderwagen kann er ebenfalls bestätigen: „Die Leute wollen etwas Besonderes haben.“

Bei der Baby-Erstausstattung und erstem Spielzeug zum Verschenken wird immer mehr auf hochwertige Qualität geachtet. Das bemerkt auch Angiz El Hindi von Campino Kindermoden in Bietigheim-Bissingen. „Bei der Erstlingsausstattung und Babygeschenken läuft es gut.“ Allerdings haben es kleinere Geschäfte schwer gegen das umfangreichere Angebot im Internet. „Wir spüren noch nichts vom Babyboom, wir haben eher ein saisonales Geschäft, gerade nach den Ferien oder vor Ostern und Weihnachten.“

Laut Meldung des BVS gab es einen Umsatzrückgang bei Kinderbekleidung um 1,5 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Spielzeug bis zum Alter von drei Jahren verzeichnete geringe Umsatzsteigerungen (plus 0,8 Prozent) auf 529 Millionen Euro. In der Möbelindustrie ergab sich ein leicht gestiegener Umsatz von 2,4 Milliarden Euro für Kinder- und Jugendmöbel. Hier sind vor allem mitwachsende, also einfach umzubauende Möbel besonders gefragt und so genannte Themenzimmer wie Prinzessin, Froschkönig oder Seeräuber.

Die große Konkurrenz im Internet mache sich gerade bei Kinderbekleidung bemerkbar: „Für den Fachhandel ist der Umsatz bei Kinderbekleidung eher rückläufig, weil das viele Händler auch online anbieten“, erklärt Gellhaus. Das veränderte Kaufverhalten der Kunden zeige sich auch darin, dass das Internet für den mittleren Preisbereich eher genutzt werde. Seit Anfang des Jahres bietet der Freudentaler Kinderladen ebenfalls einen Online-Vertrieb an und wurde im Rahmen des amazon-Förderprogramms dafür mit dem Preis „Unternehmer des Jahres“ ausgezeichnet.