Technisch am Ende präsentiert sich die Kirchenorgel im Gotteshaus unter dem Kaltenstein. "Maßgebliche Teile sind verbraucht und irreparabel", wie die Kirchengemeinde der evangelischen Stadtkirche meldet. Am Samstag fand die Gründungsversammlung eines Orgelbau-Förderkreises statt, der als erste Aufgabe einen Spendenaufruf zur Orgelerneuerung mit technischem Neubau startet.

Eine erste Kostenschätzung geht von 800 000 Euro aus. Für Projekte dieser Art gibt es nach Auskunft von Kirchengemeinderätin Jutta Hausegger keinerlei Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln. Was heißt, die gesamte Summe ist aus eigener Kraft aufzutreiben. Ziel der Fundraising-Steuerungsgruppe: bis Weihnachten 2017 rund 300 000 Euro erreichen. Erst dann dürfen Angebote für den Orgelneubau eingeholt werden, wie Bezirkskantor und Kirchenmusikdirektor Hansjörg Fröschle ergänzte. Im April wird außerdem ein Kuratorium zusammenkommen, dessen Leitung Dekan Reiner Zeyher übernimmt. Für die Mitwirkung darin sollen bekannte Persönlichkeiten gewonnen werden. In der Vaihinger Kirchengemeinde hofft man auf vereinte Kräfte, dass nahezu zeitgleich mit der Innenrenovierung der Stadtkirche das Projekt Orgelneubau realisiert werden kann. Des Weiteren wird ein Orgelfachausschuss die Planungen begleiten. Neben Benefizkonzerten steht überdies eine lange Orgelnacht am 24. September 2016 auf dem Programm.

Die Firma Walcker hatte das Kircheninstrument im Jahr 1968 unter Verwendung einiger historischer Pfeifen neu in das barocke Gehäuse von 1712 eingebaut. Entstanden sei die Orgel damals in serieller Industriefertigung, weiß Fröschle. Bereits 1978 ergab sich eine erste notwendige Renovierung. Auch 2002 wurde die Orgel nach der Außenrenovierung der Stadtkirche gereinigt und wieder instandgesetzt.

"Der Balg ist nicht aus Leder, sondern aus Textilien, die Plastikteile brechen, die Ärmchen zerbröseln, und Teile aus Kunststoff oder Vollholz ließen sich nicht nachregulieren", so der Kantor über die auftretenden Probleme, die übrigens seit 30 Jahren in einem Büchlein mit den entsprechend provisorischen Reparaturen festgehalten werden.

In einer Führung auf der Empore zeigte Kantor Fröschle die Defizite auf. Da das Instrument nicht wie gewohnt in alter Orgelbautradition hergestellt ist, sei keine langlebige Nutzung und Klimabeständigkeit gegeben, so der langjährige Kirchenmusiker der Stadtkirche. Treu gedient habe das Instrument Sonntag für Sonntag bei den Gottesdiensten, selbst in Konzerten und bei Unterrichtsstunden. Über vier Klaviaturen, 35 Register und 2553 klingende Pfeifen verfügt die mächtige Orgel auf der Empore der Stadtkirche. Vier Funktionskörper machen die wesentliche Funktion aus, wie Fröschle anhand menschlicher Körperteile verdeutlichte. Zum Beispiel die Lunge als Blasebalg, dessen Motor zwar gut ist, jedoch eine schlechte Zuleitung hat. Oder der Vollholz-Kasten als Herz mit Kammern, dessen Windladen die Töne nicht immer gleich transportiert, so Fröschle, der überzeugt ist, dass ein technischer Neubau wesentlich Abhilfe schaffen kann. Die gesamte Spielanlage und Orgeltechnik mit Windladen und Trakturen gehören erneuert. Mit den richtigen Materialien ausgestattet könne die Orgel langjährig bespielt und für die nächste Generation erhalten werden, meinte er bei der Vorführung vor Vertretern der Synode und des Kirchengemeinderats.

Für den Orgelbau muss eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Jahren gerechnet werden. Die Hoffnung für eine neue Orgel ist auf 2023 gerichtet. Die Erneuerung sei eine einmalige Chance, eine klangliche Verbesserung in süddeutscher Prägung der Orgellandschaft zu bekommen, so Kirchenmusikdirektor Fröschle.