Walheim Der Altar kann verschoben werden: Einweihung der renovierten Stephanuskirche mit Anbau am 21. Juli

In den gesamten Chorraum wurde ein hölzernes Podest eingezogen, zu dem drei Stufen hinaufführen.
In den gesamten Chorraum wurde ein hölzernes Podest eingezogen, zu dem drei Stufen hinaufführen. © Foto: Martin Kalb
CHRISTIAN BRINKSCHMIDT 29.06.2013
Die Stephanuskirche erstrahlt seit Kurzem in neuem Glanz. Jetzt bekommt der Anbau zwischen der Kirche und dem Alten Schulhaus noch den letzten Schliff. Am Sonntag, 21. Juli, wird das renovierte Gotteshaus feierlich eingeweiht.

Hell und freundlich wirkt das evangelische Gotteshaus nach der umfangreichen Innen- und Außensanierung. Die hohen Wände wurden frisch geweißt, der Boden sowie die Sitzbänke abgeschliffen und neu behandelt. Doch welche Veränderungen die mehr als einjährige Renovierungsaktion mit sich gebracht hat, offenbart sich dem Betrachter erst so richtig bei genauerem Hinsehen.

Da fällt zunächst einmal der Blick auf die Sakristei. Die Kanzel und den schweren Taufstein sucht man vergebens. An deren Stelle befinden sich jeweils ein Rednerpult und eine vergleichsweise schlicht anmutende Säule - beide aus dunkel gebeiztem Eichenholz - mit einer darin eingefassten kleinen Taufschale. Im gleichen filigranen Stil wurde der Altar gestaltet. Das Besondere: Die drei Prinzipalien sind allesamt beweglich. "Dadurch ist unsere Kirche nun funktionaler", beschrieb Kirchenpflegerin Renate Walter am Mittwoch im Gespräch mit der Bietigheimer, Sachsenheimer und Bönnigheimer Zeitung das Novum.

Im Gottesdienst kann sich der Posaunenchor jetzt im hinteren Teil des Chorraums aufstellen, während der Altar etwas nach vorne - in Richtung der Sitzbänke - geschoben wird. Bei Darbietungen im vorderen Bereich des Chors ist es wiederum möglich, den Altar weiter nach hinten zu bewegen. "Der Altar bleibt aber immer im Zentrum", stellte Walter indes klar. Auch der Taufstein kann bei Bedarf verrückt und nach vorne verschoben werden. In den gesamten Chorraum wurde ein hölzernes Podest eingezogen, zu dem drei Stufen hinaufführen. "Anfangs hatten wir Bedenken im Blick auf die Raumhöhe. Denn früher führte nur eine Stufe zur Sakristei. Aber nun sind wir davon überzeugt. Der Chor hat dadurch eindeutig gewonnen. Es ist eine Art Kapelle daraus geworden", erklärte die Kirchenpflegerin. Zwei der drei Grabplatten mussten wegen des Podestes etwas höher gehängt werden.

Ganz auf der Höhe der Zeit befindet sich jetzt auch die technische Einrichtung in der Stephanuskirche. Pfarrer Christian Lehmann kann über ein eingebautes Display vom Rednerpult aus den Predigttext ablesen. Mitarbeiter in der Sakristei informiert ein Flachbildmonitor über das gegenwärtige Gottesdienst-Geschehen. Die gesamte Technik - so auch den Beamer und die Kamera - steuert der Mesner von seinem Platz an der Treppe zur Empore aus. Hochmodern sind zudem die Lampen im frisch renovierten Gotteshaus. "Wir haben uns für LED-Leuchten entschieden und sind damit wohl eine der wenigen Kirchen, die über eine solche extrem energiesparende Beleuchtung verfügen", berichtete Walter. Zwar sind die neuen Heizkörper unter den Sitzbänken immer noch strombetrieben. Aber Sensoren an den Banklehnen halten auch hier den Energieverbrauch in Grenzen.

Während die rund 560.000 Euro teure Kirchensanierung bereits abgeschlossen ist, legen die Handwerker gerade den letzten Schliff am neuen Anbau an. Tritt man am früheren Haupteingang gegenüber der Sakristei aus der Kirche heraus, gelangt man ins großzügige Foyer des Anbaus, der wie die Kirche am 21. Juli im Rahmen eines Festgottesdienstes eingeweiht werden soll. Dort sollen später einmal - ebenso durch einen Bildschirm mit der Kirche verbunden - die Kinder während des Gottesdienstes betreut werden. Im Anbau ist auch Platz für ein Damen-WC, ein Behinderten-WC, das auch die männlichen Kirchenbesucher mitbenutzen können, und einen Lagerraum. Mehrere Tageslichtnischen sorgen für genügend Helligkeit im Anbau. Da verdunkelt auch der Blick auf die alte Dorfmauer nicht die Sicht. Gottesdienstbesucher, die die Kirche nicht über den jetzigen seitlichen Haupteingang betreten wollen, könnten auch den Weg über den Anbau wählen, machte Walter deutlich. Die Kosten von rund 240 000 Euro für den Anbau will sie wenigstens teilweise über die Geldrücklage der Kirche finanzieren.

An der Kirchenrenovierung beteiligen sich die Landeskirche und der Kirchenbezirk mit zusammen rund 40 Prozent. Ohne die gesammelten Spenden in Höhe von rund 100.000 Euro wäre aus der Stephanuskirche indes nicht das geworden, was sie jetzt ist: Ein regelrechtes Schmuckstück.