Spielsucht Den Chef um viel Geld geprellt

Asperg / Heike Rommel 12.01.2018

Wegen gewerbsmäßiger Untreue an seinem Arbeitgeber in Asperg hat das Ludwigsburger Schöffengericht einen 38-Jährigen aus Möglingen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Als Einkäufer, der Rechnungen bis zu 100 000 Euro freigeben durfte, hatte er immer mal wieder in die eigene Tasche gewirtschaftet.

Der Angeklagte war im Jahr 2015 schon einmal wegen Hehlerei verurteilt worden. Damals hatte er gestohlene Rauchmelder im Internet verhehlt. Diesmal ging es um Motoren und Pumpen, die der Einkäufer für seinen Chef bei einer eigens in Kornwestheim dafür eingerichteten Scheinfirma bestellen ließ.  Die Vorkasse aus dem Betrieb seines Arbeitgebers floss zunächst auf das Konto seiner Schwester, und als diese nicht mehr mitmachen wollte, wie der Angeklagte sagte, auf sein eigenes Konto. Als Strohmann für die Kornwestheimer Scheinfirma setzte er einen Kollegen ein, der in Asperg eher handwerliche Tätigkeiten verrichtete, und brachte auch diesen mit dem Gesetz in Konflikt. Dem Arbeitgeber gingen so im Zeitraum von Ende 2013 bis zum 19. Mai 2014 mehr als 33 000 Euro verloren, ergab die Verhandlung.

Dummheit und Langeweile

Als Tatmotiv gab der geständige Angeklagte an, spielsüchtig gewesen zu sein. Er habe damals immer Geld gebraucht, um an Automaten zu  spielen und sich an den Poker-Tisch setzen zu können. Den Schaden hat er bereits in monatlichen Raten von 300 Euro beglichen, was vor Gericht positiv gewertet wurde. Sein Verteidiger legte dem Gericht die Belege über drei Beratungsgespräche bei einer Stelle für Spielsüchtige vor. Just am Tag der Verhandlung bekam er wieder eine Festanstellung bei einer Spedition.

Mit dem Spielen, erklärte der gelernte Verkäufer und als Fachkraft für Lagerlogistik ausgebildete Angeklagte vor Gericht,  habe er mittlerweile aufgehört, und seine Eigentumswohnung, die noch mit 90 000 Euro Schulden belegt ist, habe er auch halten können. Zu seiner Situation während der Tatzeit sagte er: „Es gab keinen mehr, der mir Geld geliehen hat, und ich habe Schufa-Einträge ohne Ende bekommen.“ Auf die Frage der Richterin, wie er denn in die Spielsucht hineingeraten sei, meinte er: „Aus Dummheit und aus Langeweile.“

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