Prozess Dealer hilft Spitzel der Polizei

Bernd Winckler 18.08.2017

Eigentlich waren für den dritten Verhandlungstag gegen einen 31-Jährigen das Schlussplädoyer und das Urteil erwartet worden. Ihm wirft der Staatsanwalt vor, in der Zeit von Anfang 2015 bis Februar dieses Jahres um die 50 Kilo Rauschgift eingekauft und mit hohen Gewinnen an Konsumenten verkauft zu haben (die BZ berichtete). Sein Hauptlieferant, ein 37-jähriger Mann aus Pleidelsheim ist inzwischen zu einer viereinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Einen weiteren 35-jährigen Mittäter hat das Stuttgarter Landgericht ebenfalls zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten verurteilt.

Das Kuriose; der Mann fungierte als Vertrauensmann für die Polizei und hatte den gesamten Ludwigsburger Drogenmarkt der letzten zwei Jahre durch seine Angaben auffliegen lassen. Und das, ohne dass die Fahnder merkten, dass er selbst mit verwickelt war.

Den bereits verurteilten „Großhändler“ holten die Stuttgarter Richter am Donnerstag in die Zeugenbank – und erlebten eine Überraschung: Der 37-Jährige änderte die Aussage, die er bei seinem Verfahren gemacht hatte, zu Gunsten des Angeklagten: Nicht ein halbes Kilo zweimal pro Monat sei es gewesen, sondern höchstens 100 bis 300 Gramm einmal im Monat. „Jetzt weiß ich nicht, was ich glauben soll“, sagt die Strafkammervorsitzende.

Selbst wenn es so wäre, dann, so die Rechnung der Strafkammer, kämen immer noch über 10 Kilo Drogen zusammen, ehe er am 13. Februar dieses Jahres verhaftet wurde.

Große Mengen sichergestellt

Ein Zeuge der Rauschgiftfahndung Ludwigsburg klärt zudem die Stuttgarter Richter über die gesamte örtliche Drogenszene generell auf: Man habe in den letzten Jahren Rauschgift im zweistelligen Kilobereich sichergestellt. Dazu eine Menge von Waffen und Amphetamin-Pillen.

Im Fall der Dreiergruppe, zu der der 31-Jährige gehöre, seien im März oder April letzten Jahres aus den Niederlanden weitere 600 Gramm Kokain nach Ludwigsburg geliefert worden. Dabei werde die Qualität gerade dieser Droge beängstigend besser. Man habe Fälle ermittelt, in denen das Kokain einen THC-Reinheitswert von 98 Prozent aufweist. Bei Heroinsteinen 88 Prozent. Das sei absoluter Spitzenwert.

Der Einkaufswert für ein Gramm liege bei 3 bis 7 Euro. Das Straßengramm hingegen werde – gestreckt – für 25 bis 27 Euro verkauft.

Am 22. August soll der Prozess gegen den 31-Jährigen mit den Plädoyers und dem Urteil fortgesetzt und zu Ende geführt werden.