Markgröningen Das Schicksal der vierjährigen Anita

Immer Ende Januar wird eine Gedenkfeier am Markgröninger Behindertenheim abgehalten.
Immer Ende Januar wird eine Gedenkfeier am Markgröninger Behindertenheim abgehalten. © Foto: Martin Kalb
BZ 15.01.2016
In diesem Monat jährt sich zum 76. Mal der Beginn des Massenmordes an Menschen mit Behinderung im nationalsozialistischen Deutschland. In Markgröningen wird seit geraumer Zeit jedes Jahr an die Opfer erinnert. So auch am 27. Januar.

Auch in diesem Jahr wird wieder eine Gedenkfeier für die Opfer der sogenannten Euthanasie beim Mahnmal des Behindertenheim Markgröningen abgehalten. Die Veranstaltung startet am Mittwoch, 27. Januar, um 19 Uhr. Einmal mehr werden Einzelschicksale im Mittelpunkt stehen. "Drei Geschichten von hier - Das Leben und die Ermordung von Anita Henk, Emma Unterkofler und Christof Deisser" lautet in diesem Jahr das Thema. Dazu wird es Kurzvorträge von Andreas Nothardt, Christian Rehmenklau und Marc Haiber geben, außerdem wird der Bürgermeister Rudolf Kürner ein Grußwort sprechen. Weiter sind Beiträge von Edeltraud Balzer (AK Mahnmal) und Antje Michaelis (LWV Eingliederungshilfe GmbH Behindertenheim Markgröningen) sowie Musik von Horst Balzer vorgesehen.

Zum Hintergrund heißt es in der Ankündigung der Veranstaltung: Im Jahr 1940 wurden 120 Menschen aus dem Behindertenheim Markgröningen nach Grafeneck deportiert und sofort nach ihrer Ankunft vergast. Von drei Menschen, die stellvertretend an diesem Abend für die millionenfache Morde der Nazis stehen, soll an diesem Abend berichtet werden. Anita Henk war noch keine fünf Jahre alt, als sie 1943 in einer sogenannten "Kinderfachabteilung" getötet wurde. Christof Deisser wurde 1940 im Alter von 73 Jahren von der Landesfürsorgeanstalt Markgröningen in die Gaskammer nach Grafeneck "verlegt". Emma Unterkofler erlitt das gleiche Schicksal. Die Ludwigsburgerin wurde von Weinsberg nach Grafeneck deportiert und mit der Einstufung "lebensunwert" ermordet. Vier Jahre zuvor war sie zum zweiten Mal Mutter geworden. Von Januar bis Dezember 1940 wurden allein in Südwestdeutschland mindestens 10 654 Menschen aus Heil- und Pflegeanstalten abgeholt und in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb, nahe der Stadt Münsingen, in einer Gaskammer ermordet.Info Das Innenministerium zeigt vom 18. Januar bis 12. Februar, zugänglich montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr, im Atrium 1 die Ausstellung "Grafeneck 1940 - Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland".