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Olympia
Walheim / ANDRÉ DAUB Maik Baier, Olympiateilnehmer im Bycicle-Motocross, kurz BMX, war Freitagmorgen auf Wunsch der Schüler zu Gast in der Schule am Baumbach. Er brachte ihnen nicht nur die Sportart, sondern auch persönliche Ausdauer näher.

. Früher war er selbst auf den Stühlen im Klassenzimmer hin und her gerutscht. Nun hat er sie gegen ein BMX-Rad eingetauscht und ist der Grund warum es die Schüler nicht mehr auf ihren Plätzen hielt. Zweieinhalb Stunden lang durchbrach der Funsportler zusammen mit den Schülern den Lernalltag und vermittelte ihnen Hintergrundwissen über die weniger bekannte Sportart. Dazu wurden auf einer Leinwand Filmausschnitte aus Turnieren und Trainingseinheiten gezeigt. Stürze inklusive. Danach ging es weiter in die Turnhalle zu gemeinsamen "warm-up"-Übungen.

Maik Baier leitet samstags ein BMX-Training für alle Altersklassen im Olympiastützpunkt Stuttgart. Daran nimmt auch Phil, ein siebenjähriger Junge aus Walheim teil. Montags im Stuhlkreis waren seine Geschichten der Höhepunkt. Mitschüler und Lehrer zeigten sich dermaßen fasziniert, dass die Rektorin der Schule, Sabine Wecht, ihn einlud.

Zu Beginn saßen am Freitagvormittag die Schüler gebannt im Kreis auf dem Boden des Klassenzimmers. Auf einem Tisch vor ihnen befand sich ein BMX-Rad. Dahinter stand Maik Baier und erklärte ihnen das Fahrrad, seine Funktionsweise und die dazugehörige Ausrüstung, die für den Sport wichtige individuelle Technik. Er mahnte zu Vorsicht und Sicherheit. Die Kinder stellten viele Fragen. Manche standen beinahe aufrecht in ihrer Anstrengung auch aufgerufen zu werden.

Als ein Ausschnitt auf der Leinwand gezeigt wird, in dem ein BMX-Fahrer in Höchstgeschwindigkeit zwei Erdhügel überspringt, möchte Ben-David wissen: "Wie lange braucht ein Neuling um solche Tricks zu können?" Maik Baier schmunzelt. "Je früher man anfängt, desto besser. Ich fahre seit 18 Jahren und habe nicht damit aufgehört." Ein gutes Durchhaltevermögen sei genauso entscheidend wie eine hohe Konzentration: "Bist du nicht voll dabei, dann wird das nichts."

Eine der Schülerinnen möchte wissen wie teuer denn die Ausrüstung sei. "Der Sport ist schon nicht leicht zu finanzieren, da die Förderung durch den Verband erst in den höheren Jahrgängen greift." Davor zahlen die jungen Sportler Ausrüstung, Turnierteilnahme und Anreise aus der eigenen Kasse.

Als sich Klassenkamerad Phil in voller BMX-Montur im Klassenzimmer auf sein Fahrrad begibt, kennen die Kleinen kein Halten mehr. Er demonstriert ihnen das "Pushen". Ein Verfahren bei dem der Fahrer durch eine ruckartige Körperbewegung die Verlagerung seines Gewichts zur Beschleunigung ausnützt.

Zentral für ein gutes Vorankommen bei der Sportart ist neben einer guten Technik, die Bewältigung der eigenen Angst, so Baier: "Es geht beim Fahren darum, die eigene Angst loszuwerden, locker zu bleiben. Nur so lassen sich Technik und Kraft zusammen am besten auf das Rad übertragen." Er habe die Erfahrung gemacht, dass sich das auch auf den Rest des Lebens auswirkt. "Man wird fokussierter und lernt mit Druck umzugehen, wird selbstständiger in der Organisation." Das würde er den Kindern gerne zusammen mit dem Sport näherbringen.

Auch die Rektorin der Schule sieht das ähnlich. Wecht hat die Karriere ihres ehemaligen Schützlings auch während Olympia mitverfolgt: "Ich finde das eine coole Sache. So viel Durchhaltevermögen. Das ist wichtig und die Kinder freuen sich schon sehr lange darauf."

"Wie oft bist du schon Weltmeister geworden?", möchte eines wissen. "Bisher noch nicht. Das ist schwer. Aber das könnt ihr ja werden. Wir haben eine gute Nachwuchsförderung", sagt Baier.