Die, die voll in der Pubertät stecken, haben gejubelt, die Fünftklässler und die Zehner eher nicht so“, beschreibt Claus Stöckle, Rektor der Aurainrealschule die Stimmungslage seiner Schüler am Montag, dem vorerst letzten Schultag wegen Corona. Hatte er sich Ende vergangener Woche noch abwartend gezeigt, was einen Unterricht für zu Hause anbelangt, so erzählt Stöckle nun, dass es ein breitgefächertes Angebot von Cloud-Lösungen gebe, die schnell aus dem Boden gestampft wurden und mit denen nun das Lernen und die Kontrolle auch fortgesetzt werden können. „Es gibt etwa einen Messenger-Dienst, den wir nutzen und bei dem etwa festgelegt werden kann, dass alle Schüler einer Klasse zur bestimmten Uhrzeit online sein müssen“, so Stöckle. Wie dies eingesetzt werde, sei sehr individuell.

Notbetreuung startet

„Es wird Dienstag keine Notbetreuung bei uns geben, da sich bisher keine Schüler dafür angemeldet haben, das heißt es werden auch keine Lehrer eingesetzt“, teilt Nicole Stockmann, Schulleiterin des Gymnasiums I im Ellental mit. Ab Dienstag wird dort eine Schulcloud eingerichtet. „Sobald diese funktioniert, werden wir die Aufgabenstellung und das Einsammeln von Aufgaben sowie die Kommunikation untereinander auf die Schulcloud umstellen.“

Die Notbetreuung spielt also zumindest bei den weiterführenden Schulen keine große Rolle. Sie gilt nur für Kinder bis zwölf Jahren und auch nur dann, wenn beide Elternteile – außer bei Alleinerziehenden – in einem Beruf arbeiten, der zur Aufrechterhaltung wichtiger Dienste für die Allgemeinheit wichtig ist. Beispiele sind medizinisches Personal, ÖPNV, Entsorgung oder ähnliches.

Permanenter Prozess

Wie viele Lehrer und Erzieher dafür eingesetzt werden, war Montagmittag noch nicht völlig klar in Bietigheim-Bissingen: „Es ist ein permanenter Prozess, der bisher rund 20 Kita-Kinder und acht Schulkinder erfasst hat“, so Stadtsprecherin Anette Hochmuth. In Sachsenheim waren es zu diesem Zeitpunkt elf Kita-Anmeldungen. „Es werden Erzieher eingesetzt, die unter 60 sind, keine Vorerkrankungen haben, nicht schwanger sind et cetera. Wie viele, hängt davon ab, wie viele Kinder betreut werden müssen“, sagt Sachsenheims Sprecherin Nicole Raichle.

Um die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten, solle die Betreuung in Kleingruppen erfolgen. Das Angebot in einer zentralen Räumlichkeit sei daher nicht sinnvoll. Die Notfallbetreuung solle soweit möglich dezentral in den einzelnen Kindergärten eingerichtet werden, erklärt Raichle. Ähnlich ist die Situation in Bietigheim. Wer die Betreuung in Anspruch nimmt, muss allerdings unter Umständen neue Wege gehen beim Transport dorthin. Wie Hochmuth erklärt, ist der Schulbusbetrieb ab Dienstag eingestellt.

„Wir haben aktuell drei Anmeldungen für die städtischen Kindertageseinrichtungen. Zudem hat ein Elternteil am Gymnasium Bedarf angemeldet“, erklärt Alexandra Kindler, Leiterin des Fachbereichs Innere Dienste, Bildung und Ordnung in Bönnigheim. Bei Bedarf werde man zudem für Mitarbeiter der Stadt Kinderbetreuung anbieten. Geplant ist die Notbetreuung im Schlossfeld-Kindergarten zu organisieren.

In Ingersheim habe man schon am Montag alle Kitas geschlossen, erklärt Bürgermeister Volker Godel auf BZ-Anfrage. „Bislang sind für die Notbetreuung nur ältere Kinder angemeldet“, sagt Godel. Das heißt, dass neben der Schulkindbetreuung keine Kita geöffnet werden muss. Geplant wäre in diesem Fall eine zentrale Betreuung im Schönblickkindergarten gewesen. In Besigheim wird in der Kita Friedrich-Kollmar-Straße eine Notbetreuung eingerichtet, weil alle städtischen Kitas, die Schulen und die Musikschule schließen.

Besonderheit in Erligheim

Eine Besonderheit gibt es in Erligheim. Wie Karin Gall vom Erligheimer Runden Tisch Asyl mitteilt, haben auch die Sprachkursus-Kinder, die von ihr und Silvia Knorr begleitet werden, von ihren Schule sogenannte Lernpakete mitbekommen. Da die Eltern wegen fehlender Deutschkenntnisse nicht helfen können, bietet Karin Gall nun montags, mittwochs und freitags für die Flüchtlingskinder Unterricht im Alten Rathaus in Erligheim an.

BZ-Schulaktionen werden verschoben


Am Montag hätte in den weiterführenden Schulen des Verbreitungsgebiets der Bietigheimer Zeitung das Schulprojekt „Wir lesen intensiv“ anlaufen sollen. 25 Schulen mit mehr als 30 Klassen und fast 1000 Schüler hatten sich angemeldet und wären bis zu den Osterferien mit Zeitungen versorgt worden. In dieser Zeit hätten sie sich mit der Zeitungsarbeit intensiv beschäftigt. Wegen der Schulschließungen aus Sorge um das Virus wird das Projekt verschoben, bis die Schulen wieder geöffnet werden.

Auch das Projekt „Deutsch geht gut“, das die Stadt Bietigheim-Bissingen und die Bietigheimer Zeitung in Kooperation mit den weiterführenden Schulen durchführt, wird verschoben. Vor zwei Wochen hatten die Schreibwerkstätten in den Schulen begonnen. Sie können nun natürlich auch nicht stattfinden. sz