Pfarrerin Ira Philipp von der Stadtkirche Vaihingen wurde auf die Comic-Ausstellung "Toleranz im Comic" des Evangelischen Presseverbands für Bayern aufmerksam. "Das ist was für uns, habe ich sofort gedacht", erzählt die junge Pastorin. Gedacht, getan: Seit vergangenem Wochenende ist die auf den ersten Blick recht unauffällige Ausstellung rechts und links des Stadtkirchen-Altars mit dem auffälligen Metallkreuz aufgebaut.

Doch die Unauffälligkeit der Schau ist nur Schein. Geht man näher ran, zeigen die Comics Probleme und Lösungen im Bereich Toleranz. Und zwar punktgenau mit wenigen Worten und starker Bildsprache. Ein Comic ist zwar kein Plakat, aber doch plakativ. "Man muss sich schon Zeit lassen, um alle Comics zu lesen. Das ist keine Ausstellung für nur einen Blick", sagt Ira Philipp, die "fast jeden Tag hierher kommt, um einen Comic genau anzuschauen".

32 Comics oder Comicteile sind hier ausgestellt. Insgesamt 120 Comics wurden eingeschickt. Der Evangelische Presseverband für Bayern schrieb im Jahr 2013 unter dem Motto "Toleranz in Comics & Graphic Novels" einen Wettbewerb in drei Sparten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus. Die Gewinner aller drei Sparten bekamen den Gramic-Award.

Die Ausstellung "Toleranz in Comics & Graphic Novels" stellt das ganz unterschiedliche Werk der Comic-Zeichner aus aller Welt vor. Jede Tafel ist einem Künstler gewidmet - und zeigt eine komplette Geschichte oder den Auszug aus einer längeren Graphic-Novel. Mit in der Ausstellung sind alle drei Sieger der drei Kategorien und ausgewählte andere Einsendungen.

Zu sehen sind die Werke von renommierten Künstlern wie David Füleki, Simon Schwartz, Birgit Weyhe oder Isabell Ristow. Aber auch junge Nachwuchszeichner haben sich mit dem Thema Toleranz auf sehr kreative Art auseinandergesetzt. Die Wanderausstellung wurde konzipiert aus Anlass der Lutherdekade, die 2013 unter dem Thema "Reformation und Toleranz" stand. An dem internationalen Comic- Wettbewerb des Evangelischen Presseverbands für Bayern beteiligten sich mehr als 120 Zeichnerinnen und Zeichner. Die Ausstellung wurde bereits auf dem Comicfestival München und dem Comicsalon Erlangen präsentiert.

"Marie, du bist voll gut" ist ein Comic von vielen, die das Thema Ausgrenzung angehen. Vor allem die Zehn- bis Zwölfjährigen dachten sich Geschichten rund um Mobbing, so auch der Titel des Gewinner-Cartoons von Elina Gross, aus. Ob im Rollstuhl sitzend, mit zu großen Füßen oder ein blaues Männchen - die Kinder wollen, dass keiner diskriminiert wird und so gibt es am Ende immer ein Happy End. Vor allem die Kinder, das fiel auch Pfarrerin Philipp auf, bringen in ihren Zeichnungen genau, klar und direkt auf den Punkt, um was es geht. "Soziale Ausgrenzung spüren sie sofort, das merke ich auch im Religionsunterricht", so Ira Philipp.

Bei den jugendlichen Zeichnern kommen schon spezielle Techniken ins Spiel: Mangas oder Graphic Novels stehen im Vordergund, auch beim Gewinner Johannes Töpfer, der eine historische Geschichte namens "Die Anderen" erfand. Darin geht es um ein geteiltes, verfeindetes Dorf im Mittelalter. Der Comiczeichner Christopher Burgholz erhält den Gramic-Award 2013 für Erwachsene für seine Erzählung über einen "Penner".

Info Die Ausstellung "Toleranz in Comic und Graphic Novel" ist noch bis zum 16. August in der Stadtkirche Vaihingen. Geöffnet ist sie samstags von 11 bis 16 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Für Schulklassen gibt es nach Anmeldung per E-Mail an Ira.Philipp@elkw.de Führungen mit dem Pädagogen Eberhard Schulze.