Markgröningen Bundestagswahl: Markgröninger Jugendgemeinderat organisiert U-18-Votum

Der Jugendgemeinderat von Markgröningen bei seiner Sitzung am Mittwochabend. Das Gremium gibts seit 16 Jahren, alle zwei Jahre wir neu gewählt.
Der Jugendgemeinderat von Markgröningen bei seiner Sitzung am Mittwochabend. Das Gremium gibts seit 16 Jahren, alle zwei Jahre wir neu gewählt. © Foto: Martin Kalb
Markgröningen / DOMINIQUE LEIBBRAND 28.06.2013
Am 13. September ist Bundestagswahl - zumindest für alle, die noch nicht volljährig sind. Im Zuge der bundesweiten U-18-Wahl dürfen auch Teenager aus dem Kreis an verschiedenen Standorten votieren, etwa in Markgröningen.

Hätten Deutschlands Jugendliche die letzte Bundestagswahl zu entscheiden gehabt, hätten wir heute eine andere Regierung. 20,45 Prozent für die SPD, 20 Prozent für die Grünen, nur 19,35 Prozent für die CDU, 7,6 Prozent für die FDP. So lauteten im Jahr 2009 die Ergebnisse der deutschlandweiten U-18-Wahl. Sie wird stets vom Deuschen Kinderhilfswerk organisiert und soll Heranwachsende mit der Bundespolitik vertraut machen.

Auch in diesem Herbst sollen all jene, die eigentlich noch nicht wahlberechtigt sind, votieren dürfen. Am 13. September, also neun Tage vor der richtigen Bundestagswahl, findet die Generalprobe statt. Im Landkreis Ludwigsburg beteiligen sich der Projekthomepage zufolge etliche Jugendhäuser an der Aktion, darunter in Sachsenheim, Bönnigheim, Oberstenfeld und Ditzingen. Der Markgröninger Jugendgemeinderat hat sich ebenfalls entschieden, im Jugendhaus in der Schwieberdinger Straße eine Urne aufzustellen. Die Sprecherin des Gremiums, Carla Bach, erklärt die Motivation: "Wir wollen die Jugendlichen auf die richtigen Wahlen vorbereiten. Sie sollen mit 18 nicht ins kalte Wasser geworfen werden."

Bei der jüngsten Sitzung des Jugendgemeinderats am Mittwoch haben die Markgröniger Teenager ihren Entschluss nochmal bekräftigt. Für die Aktion soll nun in den kommenden Monaten die Werbetrommel gerührt werden. Veröffentlichtungen im Amtsblatt seien geplant, an den Schulen werde man informieren, und am ersten Septemberwochenende will man ein jugendpolitisches Grillfest organisieren, wos reichlich Material über die Parteien und die Wahl an sich geben wird, berichtet Carla Bach.

Die 16-Jährige, die die Mathilde-Planck-Schule in Ludwigsburg besucht, ist im Februar zum zweiten Mal in den Jugendgemeinderat gewählt worden. Den gibts seit 16 Jahren, wobei die Besetzung in der Vergangenheit mal mehr, mal weniger erfolgreich verlief. So hätte die zurückliegende Wahl eigentlich schon im Herbst stattfinden sollen, doch es hätten sich zunächst nicht genügend Freiwillige gefunden, berichtet Stadtjugendpfleger Frank Becker. Anfang des Jahres klappte es aber dann, mittlerweile sitzen 21 Teenager - mehr Mädchen als Jungen - in dem Gremium.

Die Treffen sind an die regulären Gemeinderatssitzungen angelehnt. Die Atmosphäre allerdings ist gemütlicher. Im Jugendhaus werden einfach ein paar Stühle und Sessel zu einem Kreis zusammengestellt. Bürgermeister Rudolf Kürner leitet das Ganze, Frank Becker ist sein Beisitzer. Bei Bedarf erklären die beiden den Schülern Vorgehensweisen und Formalien.

Für Jugendpfleger Becker ist das Gremium eine gute Möglichkeit, bei Jugendlichen ein Interesse für das Gemeindewesen zu wecken. Bei der Arbeit gehe es vor allem um die Bedürfnisse der Heranwachsenden, aber auch darum, eine aktive Teilhabe am kommunalen Geschehen zu ermöglichen, sagt Becker. Junge Leute für Politik zu begeistern, das funktioniere am besten, wenn man auf kleinster Ebene anfange.

Die U-18-Wahl im Herbst soll auch deshalb so niederschwellig wie möglich sein. Es gibt keine Wahllisten, und das Votum ist nicht ortsgebunden. Theoretisch kann man also an einem Tag in zwei Gemeinden abstimmen. Frank Becker: "Das nehmen wir aber in Kauf." Auch ein deutscher Pass ist keine Voraussetzung.

Mit der Aktion im Jugendhaus wollen die Markgröninger Jugendlichen unterdessen nicht nur ihre Altersgenossen fit für die Wahl machen, sondern auch sich selbst. Sie schaue zwar Nachrichten, habe sich bislang aber nicht großartig für Politik interessiert, sagt beispielsweise die 15-jährige Anna Festag. Heute findet sie: Wählen gehen ist wichtig.

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