Die Bürgermeisterwahl in Ingersheim findet am Sonntag, 16. Februar 2020, statt. Bis dahin sind noch dreieinhalb Monate Zeit, aber schon jetzt wird deutlich, dass es eine Handvoll Aufgaben für die neue Bürgermeisterin oder den neuen Bürgermeister nach dem Amtsantritt gibt. Vieles davon ist Pflicht, darunter gibt es auch viele Wünsche. Ein Überblick.

Die Ausgangslage: Im Zuge der Aufstellung des Haushaltsplanes 2019 wurden in Ingersheim sämtliche Aufwandsansätze reduziert. Und trotzdem können die Investitionen in Höhe von 1,9 Millionen Euro nicht durch eigene Liquidität bewältigt werden, weshalb eine Kreditaufnahme von 947 000 Euro notwendig ist. Dadurch steigt der Schuldenstand und engt den Spielraum der Gemeinde ein. Der Schuldenstand der Gemeinde wird Ende 2020 dann bei fünf Millionen Euro liegen, rund 800 Euro pro Einwohner. Die Gewerbesteuereinnahmen pendeln sich bei rund zwei Millionen ein.

Bei dem jüngsten Beschluss, der Firma Atlanta ein Grundstück im Gewerbegebiet Gröninger Weg zu verkaufen, wurde Bürgermeister Volker Godel ungewöhnlich deutlich. Ohne einen weiteren Ausbau im Gewerbegebiet werde es künftig nicht möglich sein, nur annähernd einen Haushalt ausgleichen zu können. Vor diesem Hintergrund muss die neue Verwaltungsspitze an erster Stelle potente Betriebe ansiedeln, die Gewerbesteuer in die kommunale Kasse spülen.

Die Achillesferse: Die Personalaufwendungen stellen 2020 mit rund 6,6 Millionen Euro den größten Aufwandsposten dar. Davon entfallen rund die Hälfte auf die Kindergärten, was durchaus gewollt ist. Ein breites Betreuungsangebot verspricht Zuzüge junger Familien, was sich insgesamt positiv auswirkt. Nur: Die Personalkosten werden bis 2022 laut Prognose auf 6,7 Millionen Euro steigen, zehn Jahre zuvor waren es noch 3,7 Millionen Euro.

Projekte in Großingersheim gibt es genug. An erster Stelle steht die Entwicklung des neuen Wohngebietes „In den Beeten II“ an. Die Umlegung, so Bürgermeister Godel in einem BZ-Interview im September, stehe vor dem Abschluss. Das Gebiet ist 5,7 Hektar groß. Die reine Wohnbaufläche für Einfamilien-, Reihen-, Doppel- und auch Mehrfamilienhäuser beträgt 4,8 Hektar, weil auch eine neue Mehrzweckhalle vorgesehen ist. Diese Mehrzweckhalle soll als Ersatz für die sanierungsbedürftige SKV-Halle dienen.

Ein weiteres Thema, das in Großingersheim angegangen werden soll, ist die Aufwertung der Ortsmitte. Angesprochen wurden schon ein Ärztehaus und ein Café, um so den Hindenburgplatz insgesamt aufzuwerten.

Regelmäßig wird in Großingersheim auch immer wieder der Ruf nach einem Discounter laut. Im Gewerbegebiet wäre dies möglich, müsste jedoch mit großem Nachdruck verfolgt werden. Hinzu kommt: Die seit Jahren immer wieder angekündigte Erweiterung des Edeka-Marktes in der Talstraße lässt nach wie vor auf sich warten.

Ein Projekt in Kleiningersheim wäre die Runderneuerung des Vereinsheims Schönblick, im besten Fall ein Neubau.

Ein Ärgernis ist nach wie vor die Parksituation rund um die Kelter, vor allem an den Wochenenden. Eine Änderung ist nur mit verschärften Kontrollen möglich.

Eine weitere Aufgabe wäre eine Neubebauung der Fläche am Ortseingang, auf der seit Jahrzehnten das alte Lager der Raiba steht.

Die neue Bürgermeisterin oder der neue Bürgermeister kann auch in Sachen Tourismus aktiv werden. Der neu eingeweihte Steillagenrundweg bedarf einer regelmäßigen Bewirtschaftung durch die Wengerter, um dem Thema Steillagen weiter Gewicht zu verleihen.

Bei allem muss allerdings der 18-köpfige Gemeinderat mitmachen, der sich nach der jüngsten Kommunalwahl politisch zersplittert zeigt. Vor allem den beide Wählervereinigungen WIR und MIT fehlt es am Gestaltungswillen, dementsprechend gering ist die Bereitschaft der anderen Parteien zu kooperieren. Künftig in wichtigen Fragen immer die nötigen Mehrheiten zu schaffen, dies wird eine Mammutaufgabe für die neue Spitze der Verwaltung.