Lektüre Büchertipps für den Sommer

Von Carolin Domke 11.08.2018

Urlaub heißt Entspannen. Und das kann man sehr gut bei einer spannenden oder interessanten Lektüre, für die man sonst unter dem Jahr kaum Zeit findet. Die BZ hat sich bei den Büchereien im Landkreis Ludwigsburg umgehört und die Bibliothekare nach ihren Empfehlungen für diesen Sommer gefragt.

Hans-Christian Pöhnl von der Otto-Rombach Bücherei in Bietigheim-Bissingen widmet sich normalerweise keinem 500 Seiten Sachbuch. Der Titel „Entlang der Gräben“ von Navid Kermani hat es ihm allerdings besonders angetan. Der deutsche Schriftsteller, mit iranischen Wurzeln, begibt sich auf eine Reise von Köln durch das östliche Europa bis nach Isfahan, die Heimatstadt seiner Eltern – immer entlang der Gräben, die sich östlich von Deutschland befinden, wo es ein noch immer fremd wirkendes und von Kriegen und Katastrophen zerklüftetes Gebiet von Russland bis in den Orient gibt. „Das Buch ist sehr lehrreich und zeigt eine Reise in die Geschichte der Länder mit Blick auf die heutigen Konflikte.“ In seinem Reisetagebuch spricht Kermani mit Menschen aus vergessenen Regionen und zeigt Parallelen zum gegenwärtigen Europa. „Ich habe viel erfahren, was ich nur teilweise oder sogar gar nicht wusste“, erzählt der Bibliothekar. Das Besondere für ihn war zu erfahren, wie Menschen ticken. „Für uns ist das westliche Denken unser ideal“, in Ländern wie Polen werde diese Denke aber nicht immer übernommen und angesehen. So zum Beispiel im Hinblick auf die Homosexualität. „Es ist auch ein Spiel mit den Nationen“, meint Pöhnl. So werden geschichtliche Einblicke mit den heutigen Konflikten gegenübergestellt. „Es ist etwas oberflächlich, aber gerade für einen Überblick hilfreich.“

Einen „wunderbar guten und humorvollen Krimi“ empfiehlt dagegen Stephanie Junk von der Stadtbücherei in Sachsenheim. Ihr Buchtipp, der Sylt-Krimi „Wellenbrecher“ von Gisa Pauly, erzählt die Ermittlungsgeschichte von Mamma Carlotta, Schwiegermutter von Kommissar Wolf, und Großmutter von Carolin, die eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Hotel „Frangiflutti“ in Westerland absolviert. Als ein Kellner spurlos verschwindet, stößt der Kommissar auf etwas Unglaubliches. Carolin gerät in Gefahr, während Mamma Carlotta zum Widerwillen ihres Schwiegersohns die Ermittlungen mit aufnimmt und eine Spur entdeckt, die nach Italien führt. „Mamma Carlotta muss man einfach lieben“, schwärmt Junk. „Sie ist eine italienische Hausfrau. Durch ihre Neugier erfährt sie, manchmal heimlich, einige Dinge die sie vielleicht auch mal in Schwierigkeiten bringen. Sie ist sehr liebenswert und immer für andere da. Das muss man einfach lesen. Das kann man nicht beschreiben.“ Vor allem Leute, die gerade auf Sylt Urlaub machen, kommen laut Stephanie Junk, die selbst Sylt-Fan ist, auf ihre Kosten.

„Fesselnd bis zur letzten Minute“ beschreibt Heike Feigl von der Ortsbücherei Löchgau ihren Buchtipp für die Sommerferien. In dem Thriller „Anonym“ von Ursula Pouznanski und Arno Strobel führt der Fund einer entsetzlich zugerichteten Leiche den überkorrekten Kommissar Daniel Buchholz und seine unkonventionelle Kollegin Nina Salomon zu einem Internetforum, das seinen Mitgliedern ein Spiel der besonderen Art bietet: „Sie dürfen Menschen, denen sie den Tod wünschen, auf eine Liste setzen, und die User des Forums stimmen dann über den ‚Gewinner’ ab.“ Die Uhr tickt, denn die nächste Spielrunde hat bereits begonnen, doch der Betreiber lässt sich nicht lokalisieren. Eine große Herausforderung – er, wie auch die User sind anonym und befinden sich im Darknet. Damit befassen sich die Autoren mit einem aktuellen Thema. „Es zeigt die tiefen Abgründe unserer digitalen Gegenwart und lässt einen nachdenklich zurück“, so Feigl. Interessant machen das Buch, laut der Löchgauer Bibliothekarin, dazu die beiden ungleichen Kommissare, die mit ihren unterschiedlichen Ermittlungsansätzen den Fall zu klären versuchen – bis es zu einem unerwarteten Ende kommt.

In die fiktive Kleinstadt Holt in Colorado, USA, führt die Empfehlung von Tordis Oder aus der Stadtbücherei in Bönnigheim. Bei ihrem Buchtipp „Lied der Weite“ von Kent Haruf geht es gleich um zwei Handlungsstränge, die parallel laufen: Während die schwangere 17-jährige Victoria von ihrer Mutter auf die Straße gesetzt wird, sucht sie Obdach bei ihrer Lehrerin Maggie. Wegen ihres dementen Vaters muss das junge Mädchen jedoch zu den Brüdern McPheron, zwei alte Viehzüchter, die sich nur widerwillig überreden lassen, nichts ahnend, wie diese Situation ihr Leben bereichern wird. Der zweite Handlungsstrang erzählt von Maggies Kollegen Tom Guthrie, dessen Frau an Depressionen leidet und ihn sowie die beiden Söhne verlässt. Als der alleinerziehende Vater es auch noch mit einem renitenten Schüler, der seine Kinder bedroht, zu tun bekommt, führt das zu weiteren Problemen. „Es gibt in diesem Buch so viele menschliche Figuren, realistisch geschildert, die ganz normale Fehler machen, daraus aber auch lernen und sich weiterentwickeln“, beschreibt Oder den Inhalt. Die Personen seien so lebhaft beschrieben, man könne meinen sie stehen vor einem. Trotz tragischer Momente zeige es ebenso viele komische Situationen, „zum Beispiel als die beiden alten Viehzüchter ein Babybett kaufen wollen“, erzählt sie. Der Roman ist, wie auch Harufs sechs weiteren Romane und die Verfilmung von „Unsere Seelen bei Nacht“, in der Stadt Holt angesiedelt. Der Roman „Lieder der Weite“ verspricht jedoch kein ausgesprochenes Happy-End, trotzdem „sind die Aussichten doch positiv“, findet Tordis Oder.

Die Büchertipps der Bibliothekare
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