Ingersheim Bücher immer weniger gefragt

Marlies Piscopello bemüht sich das Angebot in der Bücherei in Großingersheim (Foto) und Kleiningersheim weiterhin zu verbessern.
Marlies Piscopello bemüht sich das Angebot in der Bücherei in Großingersheim (Foto) und Kleiningersheim weiterhin zu verbessern. © Foto: Helmut Pangerl
Ingersheim / Günther Jungnickl 03.11.2018

Große Sprünge kann die Büchereileiterin Marlies Piscopello nicht machen, daran hat sie sich im Laufe der Jahre gewöhnt. Die Enge der Räumlichkeiten, das eher bescheidene Angebot („Ich kaufe lieber keine Bücher mehr und nutze die Fernleihe.“) und dazu die steile Treppe im alten Kleiningersheimer Rathaus, die vor allem ältere Leser nicht mehr erklimmen können und deshalb wegbleiben. Darüber sei es immer mal wieder in diesem Rathaus „arschkalt“, wenn die Heizung ausfällt und sie deshalb Vizekämmerer Harald Schnabel anrufen muss. Dies berichtete die Büchereileiterin dem Gemeinderat im Vereinsheim Schönblick in Kleiningersheim.

Bücherkisten für Schillerschule

Doch ständig bemüht sich Marlies Piscopello trotz ihrer spürbaren Gelassenheit weiterhin um die Verbesserung ihres Angebots, obgleich auch sie spürt, dass immer weniger Printmedien zugunsten von Hörbüchern, Spielen und DVDs nachgefragt werden. So versorgt sie beispielsweise die Klassen der Schillerschule mit Bücherkisten oder Kindergartengruppen beim Büchereibesuch mit Bilderbüchern. Und sie möchte aktuell diese Kontakte auch noch verstärken.

Wer sie denn vertrete, falls sie einmal krank werden würde, fragt eine Gemeinderätin besorgt nach. Immerhin gebe es eine ehrenamtlich tätige Frau, die sie vertreten könne, meint die Büchereileiterin beruhigend. Nur wolle sie die Dame nicht über Gebühr einspannen. Trotz der Schwierigkeiten erreicht sie ihre treue Kundschaft: Zumindest in Großingersheim gab es im vergangenen Jahr immer noch 23 141 Ausleihen (586 weniger als im Jahr davor) und in Kleiningersheim 1735 (was einem Minus von 74 entspricht). Der Gesamtbestand an Medien beträgt derzeit noch 15 732. Im Jahr 2017 waren in Großingersheim 507 Nutzer angemeldet, also 27 weniger als noch im Vorjahr, in Kleiningersheim 54 Aktive und damit fünf weniger als 2016.

„Notnagel“ Kleiningersheim

Auch im kommenden Jahr möchte sie noch mehr Führungen für die Kindergärten und die Schule anbieten, den Kundenwünschen noch weiter Gehör schenken und vor allem den Bestand an elektronischen Medien Zug um Zug erneuern. Während Bürgermeister Volker Godel die Situation zumindest in Großingersheim alles in allem gut, weil „ausgeglichen“ (Piscopello), fand, sprach er in Kleiningersheim von einem „Notnagel“.

Als Kleiningersheimerin wollte Hilde Grabenstein (SPD) wissen, was denn nun mit dem desolaten Zustand des alten Rathauses werden solle. „Aber auf alle Fälle muss die Ortsbücherei erhalten bleiben“, forderte sie energisch.

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