Freiberg Breite Mehrheit für Schulneubau

Das Freiberger Stadtzentrum soll mit dem Neubau der Oscar-Paret-Schule ein neues Gesicht erhalten.
Das Freiberger Stadtzentrum soll mit dem Neubau der Oscar-Paret-Schule ein neues Gesicht erhalten. © Foto: Werner Kuhnle
Freiberg / von Günther Jungnickl 07.07.2018

Eine überraschend breite Mehrheit hat am Donnerstag im Gemeinderat den Beschluss für den Neubau der Oscar-Paret-Schule (OPS) getragen: In namentlicher Abstimmung waren 17 Stadträte dafür, zwei Räte dagegen und zwei enthielten sich der Stimme.

CDU-Fraktionschef Willi Zimmer hatte es sich erneut nicht leicht gemacht. Obwohl ihm selbst in der eigenen Fraktion längst die Fälle davon geschwommen waren, beharrte er auf seinem kategorischen Nein: Denn zur Absicherung der Entscheidung hätte er sich eine vertiefte Betrachtung von Alternativen als Absicherung gewünscht. „Hätte sich dann abgezeichnet, dass nur der Neubau infrage käme, hätte ich heute ruhigen Gewissens zustimmen können“. So aber habe dieses Vorhaben das Potenzial, für die Stadt zu einem Großflughafen zu werden.

Namentliche Abstimmung

Deshalb forderte Zimmer via Geschäftsordnungsantrag eine namentliche Abstimmung, die ihm das Gremium auch einstimmig gewährte. Doch außer ihm lehnte lediglich Stadtrat Holger Fritz (ULF) den Baubeschluss ab; Andreas Schmidt (CDU) und Rudolf Lutz (FWV) enthielten sich der Stimme.

Vor dieser Abstimmung hatte Bürgermeister Dirk Schaible noch einmal auf die Bedeutung dieser Entscheidung und auf eine einstimmige Empfehlung des Baubeirats hingewiesen. Denn der OPS-Neubau soll der Startschuss für die Neuordnung des Stadtzentrums sein. Im April 2019 sollen nämlich die Bauarbeiten beginnen und zum Schuljahresbeginn 2021/22 abgeschlossen werden. Nach dem Abriss der alten Schule und des Parkdecks werde so Platz geschaffen für dessen Neugestaltung ab dem Jahr 2025.

81 Millionen Euro

„Es geht um Stadtentwicklung“, stellte der Bürgermeister deshalb fest, denn bekanntlich falle zurück, „wer stehen bleibt“. Die erhebliche Investitionssumme von rund 81 Millionen für den Schulneubau nötige zwar Respekt ab, doch keine Angst: Sie böte zugleich Chancen wie Risiken. Er dankte in diesem Zusammenhang allen, die in jahrelanger Arbeit an diesem Großprojekt mitgewirkt hatten: Den engagierten Freibergern, die sich bereits 2011 in die Bürgerbeteiligung eingebracht hatten, den beteiligten Lehrern, Schüler und Eltern der OPS, dem Kölner Gewinner des Architektenwettbewerbs Michel Victor Müller (mvm + Starke) sowie dem Kölner Landschaftsarchitekten Frank Flor (Club L94) für ihre Planungen sowie der Mehrheit des Gemeinderats, die das Projekt über Jahre mitgetragen habe.

Nachdem die beiden Architekten die wichtigsten Aspekte ihres Projekts noch einmal vorgetragen und der Erste Beigeordnete Stefan Kegreiß die Finanzierungsmöglichkeiten mit besonderem Hinweis auf die angesparten 30 Millionen Euro Rücklagen erläutert hatte, schlug die Stunde des Gemeinderats. Udo Schimke nannte für die Freien Wähler die Investitionssumme einen „sehr hohen Betrag“, zumal auch in absehbarer Zeit noch alle drei Grundschulen der Stadt saniert werden müssten. Allerdings sei die Belastung „unter normalen Umständen tragbar“, wie Kegreiß mit mehreren Rechenmodellen nachgewiesen habe.

Finanzielle Belastung

Carmen Dötterer (FDP) lobte den „tollen Entwurf“ des Kölner Architektenbüros und rief ihre Kollegen dazu auf, diese Chance auch zu nutzen. „Vor allem, die 1500 Schülern müssen nicht in Container“, freute sie sich. Auch Sabine Geißer (SPD) lobte den „gelungenen Architektenentwurf“, räumte allerdings auch ein, dass die hohen Gesamtkosten von rund 88 Millionen Euro (wenn man die Abrisskosten dazu rechnet) eine große finanzielle Belastung für die Stadt sein werden.

Felsenfest ist Ralph Schmid (Offene Grüne Liste) im Gegensatz zu Skeptiker Holger Fritz davon überzeugt, dass dieser Schulneubau „kein Fass ohne Boden wie Stuttgart 21“ werde. Allerdings hätten die Grünen stets darauf hingewiesen, dass eine Schule „radikal ökologisch“, nachhaltig und langlebig sein müsse und kündigte an, dass seine Fraktion zwar dem Bau zustimmen, aber auch „ökologisch nerven“ werde. Für die Mehrheit der CDU-Fraktion sprach Beiratsmitglied Stefan Goedeckemeyer von einer „soliden Investitionsplanung“ und signalisierte Zustimmung ebenso wie Eva Herzog „für den Rest der ULF-Faktion.

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