Verhandlung Brandstifter hat einen Filmriss

Asperg / Bernd Winckler 09.01.2018

An den Vorwurf, in seiner Haftzelle im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg Feuer gelegt und die Feuerwehr angegriffen zu haben, kann sich der 35-jährige Algerier am gestrigen zweiten Verhandlungstag nicht mehr erinnern. Auch nicht an den Raubüberfall gegen eine 92-jährige Passantin. Das Verfahren vor dem Stuttgarter Landgericht wegen schwerer Brandstiftung und schwerem Raubüberfall wird demnach noch einige Zeit andauern (die BZ berichtete).

Nach Hohensasperg war er nach seinem Raubüberfall gebracht worden. Zu einem früheren Zeitpunkt sagte der Angeklagte, dass ihm eine Stimme mitgeteilt habe, er solle im Krankenhaus mit einer brennenden Zigarette im Mund einschlafen, was er auch getan habe. Die Zigarette setzte zuerst das Bett, dann das Zimmer in Brand. Die Feuerwehrmänner seien zudem vom Angeklagten angegriffen und teilweise erheblich verletzt worden. Bei der Untersuchung des Angeklagten wurden zwei Taschenmesser sichergestellt. Wie er diese in die Haft einschmuggeln konnte, ist noch unklar. Die Anklage geht davon aus, dass der Beschuldigte das Feuer durch ein ebenfalls eingeschmuggeltes Feuerzeug entfacht habe und nicht durch eine Zigarette. Er soll, so der Vorwurf, absichtlich die Bettdecke angezündet haben, um den Raum einzuäschern. Wie die Tat wirklich geschah, sollen nun Zeugen berichten. Der Angeklagte gibt er an, er habe damals drei Spritzen bekommen – mehr wisse er nicht.

Womöglich nicht schuldfähig

Nachdem er sich auch an den Überfall einer 92-Jährigen nicht weiterhelfen erinnern könne, ist eine psychiatrische Gutachterin eingeschaltet. Möglicherweise stand er zum Zeitpunkt der Tat unter Drogen oder ist wegen einer psychischen Krankheit nur bedingt oder gar nicht schuldfähig. In diesem Fall droht ihm die Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung.

Das Gericht hat zusätzlich noch festzustellen, woher der Angeklagte stammt. Er selbst hatte sich als Tunesier ausgegeben. Jetzt sagt er, er komme aus Algerien. Der 35-Jährige sei seit zwei Jahren in Deutschland. Eine Schule habe er nie besucht, beide Elternteile seien verstorben. „Mein Leben war bisher sehr schlecht“, sagt er.

Der Prozess geht am 17. Januar mit ersten Zeugenvernehmungen weiter. Am 2. Februar wollen die Stuttgarter Richter ein Urteil sprechen.