Das große Bangen und Zittern nach intensivem Büffeln ist für die Gymnasiasten gerade zu Ende, das Thema Abitur lässt den Bildungsbetrieb aber noch nicht los. Die Kultusministerin des Landes, Susanne Eisenmann, hat sich für ein echtes Zentralabitur mit einheitlichen Prüfungsaufgaben und Notenskalen in ganz Deutschland ausgesprochen. Sie hat sich aber gegen die Einrichtung eines nationalen Bildungsrats ausgesprochen, der Vorschläge für mehr Vergleichbarkeit der Bildungssysteme erarbeiten soll.

Wie sehen die Praktiker vor Ort die Diskussion? Die BZ hat an Gymnasien nachgefragt.

Am Beruflichen Schulzentrum Bietigheim haben dieses Jahr 140 Schüler ihr Abitur gemacht, erklärt Schulleiter Stefan Ranzinger. Zwar gelten für berufliche Gymnasien etwas andere Regeln als für die allgemeinbildenden aber ein Zentralabitur in Deutschland würde Ranzinger begrüßen. Er hat dabei vor allem die Ungleichgewichtung im Kampf um Studienplätze im Visier. So hätten es bislang Schüler aus einem Bundesland, dessen Abitur weniger anspruchsvoll sei, leichter als solche aus Bayern oder Baden-Württemberg. Voraussetzung für ein einheitliches Abitur ist für Ranzinger aber, dass das Niveau nicht sinkt. Schon jetzt habe man so viele Studienabbrecher wie nie und diese Entwicklung dürfe sich nicht fortsetzen. Dass das Zentralabitur tatsächlich kommt, glaubt Ranzinger, der auch schon im Kultusministerium gearbeitet hat, allerdings nicht. Nur ein Minister müsse dagegen sein und dann komme es nicht. Entsprechende Signale gebe es bereits aus Bayern. Ranzinger glaubt nicht, dass die Länder in einem ihrer Gestaltungsfelder Macht abgeben würden, etwa an einen Bildungsrat.

Der Schulleiter des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums, Reinhart Gronbach, unterstützt den Gedanken eines bundesweiten Zentralabiturs. So ein Schritt sei dringend notwendig. Seiner Meinung nach sollten „Abitur-Abschlüsse vergleichbar sein und das Curriculum sollte sich angleichen, Bildung soll keinen Flickenteppich darstellen“. In einer modernen Gesellschaft, in der hohe Mobilität herrsche, mache es auch Sinn, mehr Flexibilität zu ermöglichen und „eine Zersplitterung der Bildung“ zu unterbinden. Eltern, die mit ihren Kindern innerhalb Deutschlands umziehen, würden sich somit besser zurechtfinden und sich nicht fremd im eigenen Land fühlen. Er spricht aus Erfahrung, denn es sei schon vorgekommen, dass zugezogene Schüler aus anderen Bundesländern die Klasse am Sachsenheimer Gymnasium wiederholen mussten, weil sie von der Leistung her, nicht weit genug waren. Worin Gronbach allerdings eine Schwierigkeit sieht, ist „auf welches Niveau man sich einigen kann“.

„Ich unterstütze die Forderung von unserer Kultusministerin“, sagt Achim Salomon, Schulleiter des Alfred-Amann-Gymnasiums in Bönnigheim. Ziel des Zentralabiturs sollte es sein, eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse herzustellen. Momentan gebe es erhebliche Unterschiede vor allem in den fachlichen Anforderungen der einzelnen Bundesländer. Dies müsse aus Gründen der Gerechtigkeit behoben werden.

„Aber am Ende muss es nicht nur deutschlandweit dieselben Prüfungsaufgaben geben, sondern auch einheitliche Regeln dafür, welche Fächer ins Abitur eingebracht werden und wie lange die Schülerinnen und Schüler zur Schule gegangen sind, 8 oder 9 Jahre“, sagt Salomon.