Als Mitglieder einer Bande mit Hintermännern in der Türkei mussten sich ein 22-Jähriger und ein 24-Jähriger vor dem Ludwigsburger Jugendschöffengericht für gemeinschaftlichen, gewerbsmäßigen Betrug in drei Fällen verantworten. Im dritten Fall bekam auch eine Seniorin aus Kornwestheim einen Anruf von einem falschen Polizisten und wurde um Schmuck im Wert von rund 10 000 Euro erleichtert. Verurteilt wurden die jungen Männer zu zwei Jahren sowie einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung.

Der 22-Jährige wurde seinen Führerschein los, als er 2017 auf der A 52 Richtung Düsseldorf eine Autofahrerin bedrängte und im Vorbeifahren eine Gaspistole auf sie richtete. Die Frau wusste nicht, dass es sich um keine echte Pistole handelt. Deshalb führerscheinlos und mit einer dreijährigen Sperre für die Fahrerlaubnis belegt, suchte sich der Mann Fahrer für Betrugstaten. Er war Teil der bundesweit agierenden Betrügerbande geworden, die sich als falsche Polizeibeamte ausgibt und speziell ältere Menschen um Schmuck und Geld bringt. So kam der mitangeklagte 24-Jährige ins Boot, der von nun an den 22-Jährigen gegen einen Teil der Beute chauffierte.

Augsburg, Zürich, Kornwestheim

2018 bekam eine ältere Dame in Augsburg einen Anruf von einer angeblichen Polizeibeamtin. In Wirklichkeit kam der Anruf von einem Callcenter in der Türkei. Die Anruferin teilte mit, es hätte einen Einbruch gegeben, dabei sei ein Notizbuch der Angerufenen gefunden worden. Tags drauf wurde nach den Vermögenswerten der Frau gefragt. Schmuck sollte in einer Tüte vor die Haustür gestellt werden. Die Angeklagten fuhren damit zum Flughafen Düsseldorf und übergaben sie einer Läuferin. Als Belohnung durften sie sich etwas abzwacken. Ein zweiter Fall passierte in Zürich und ein dritter in Kornwestheim, dort flogen die Angeklagten auf. Zunächst meldete sich bei einer Kornwestheimer Seniorin ein Anrufer „von der Sicherheitsabteilung der Polizei“. Es hätte in der Straße einen Einbruch gegeben. Bei dem Einbrecher sei ein Zettel mit ihrem Namen gefunden worden. Die Polizei müsse deshalb ihren Goldschmuck fotografieren. Der 22-Jährige nahm den Schmuck mit und sagte, er würde ihn wiederbringen. Der Mitangeklagte wartete im Auto. Die beiden wurden auf der Autobahn Richtung Heilbronn von der Polizei erwischt und festgenommen. Mit den Urteilen des Jugendschöffengerichts kamen sie auf freien Fuß, aber nicht ohne Auflagen. Der 22-Jährige muss 7500 Euro Schadenswiedergutmachung bezahlen, der 24-jährige 2000.