Kreis Ludwigsburg Betrüger schlagen online zu

Astrid Kniep ist seit April Leiterin der Außenstelle Ludwigsburg des Weißen Rings, Deutschlands größter Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein kümmert sich um Opfer von Gewaltverbrechen, aber auch um die von Internet-Verbrechen.
Astrid Kniep ist seit April Leiterin der Außenstelle Ludwigsburg des Weißen Rings, Deutschlands größter Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein kümmert sich um Opfer von Gewaltverbrechen, aber auch um die von Internet-Verbrechen. © Foto: Helmut Pangerl
Kreis Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 04.12.2018

Eine E-Mail, gespickt mit persönlichen Angaben, landet im E-Mail-Eingang. Der Absender? Das eigene E-Mail-Konto. Darin enthalten, eine Zahlungsaufforderung eines Betrags auf ein Konto, verbunden mit der Drohung, bei Nichtzahlung kompromittierende Informationen ins Internet zu stellen oder gar der Familie etwas anzutun. Das ist angsteinflößend – und vor Kurzem im Kreis Ludwigsburg mehrfach passiert, unter anderem in Asperg.

Das nahm die Ludwigsburger Außenstelle des Weißen Rings, ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern, zum Anlass, die Öffentlichkeit zu warnen. Es handele sich um Massenmails, so der Verein. Verdächtige E-Mails sollten gar nicht erst geöffnet werden. Wenn bereits geschehen, so rät die Polizei, auf keinen Fall Zahlungen zu leisten und umgehend die Passwörter zu ändern. „Der Internetbetrug im weitesten Sinne hat zugenommen“, sagt Astrid Kniep, die seit 25 Jahren Mitglied des Weißen Rings ist und im April die Leitung der Außenstelle Ludwigsburg übernommen hat.

70 Fälle seit April

Seit April habe der Weiße Ring etwa 70 Fälle aus dem Kreis bearbeitet, darunter fünf, die mit Internetbetrug zu tun hatten. Besagte Droh-Mails, aber auch Passwort-Diebstahl und „Romance Scamming“, bei dem via Internet eine Liebschaft vorgegaukelt wird mit dem Ziel, sich finanzielle Zuwendungen zu erschleichen. Im Gespräch mit der BZ berichtet Kniep von einem Fall einer 71-jährigen Bietigheimerin, die sich bei ihr telefonisch gemeldet und um Hilfe gebeten hat. Die Frau sei verzweifelt, beschämt und verängstigt gewesen. Zum Fall: James, angeblich Soldat, hatte mit der Rentnerin Kontakt aufgenommen. Man habe ein Jahr miteinander gechattet, sogar per Video-Chat, dann habe er ihr den Vorschlag unterbreitet, zusammenzuziehen. Die Frau, die erst vor Kurzem von ihrem Enkel den Umgang mit dem Internet erlernt hatte, fühlte sich verstanden – sie willigte ein. Und an diesem Punkt begann die finanzielle Abzocke. Der Mann sitze beim Zoll in Untersuchungshaft, da er vergessen habe, sein Bargeld zu deklarieren. Die Frau schickte ihm Geld, insgesamt 36 000 Euro, zum Teil von Bekannten geliehen. „Das Opfer wird zum Mitwissenden und steht persönlich unter Druck“, erklärt Kniep. „Das ist eine ganz gemeine Masche, weil so sehr mit den Gefühlen gespielt wird“, so die Außenstellenleiterin.

Eben hier setze die Arbeit des Weißen Rings ein. „Es dreht sich viel um die Täter, die Opfer aber sind ganz auf sich allein gestellt“, sagt Kniep. Die Arbeit von Polizei und Gericht ende beim Täter, dann gebe es zwar viele Hilfsangebote, aber das Opfer sei kaum imstande, diese zu filtern. Ein Anruf beim Weißen Ring könne helfen. Der Verein übernehme eine Art Lotsenfunktion. Die Mitarbeiter haben fundierte Schulungen in Viktimologie (Opferforschung) und auch in der Gesprächsführung in Krisensituationen, so die Außenstellenleiterin, deren Team aus zehn Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Berufsschichten bestehe. „Wir haben Rechtsanwälte, Ärzte, Polizisten, Bank- und Verwaltungsangestellte“, sagt die ehemalige Journalistin. Außer ihr seien die Vereinsmitglieder ehrenamtlich im Einsatz, und übernehmen jeweils drei bis vier Fälle pro Jahr. Jeder Fall werde gemeinsam durchgesprochen, so könne auch bestimmt werden, wer am besten geeignet sei für den jeweiligen Fall. „Wir suchen dringend Mitarbeiter, vor allem eine Psychologin fehlt noch in unserem Team“, sagt Kniep.

Info Sowohl Hilfsbedürftige, als auch Freiwillige können sich unter Telefon (07042) 3 59 92 80 melden.

www.weisser-ring.de

Insgesamt 70 Fälle seit April, darunter:

15 Fälle von sexueller Gewalt.

5 Fälle (je): Stalking, Internetbetrug, häusliche Gewalt.

3 Raubfälle, ebenso gaben sich die Täter drei Mal als falsche Polizeibeamte aus.

25 Fälle von Mobbing, Ärztepfusch und psychischen Problemen. hevo

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