Binnen einer Woche ist es zweimal passiert: Unfälle auf der A 81 führten zu langen Staus. Auch die Umfahrungen rund um Ludwigsburg waren stark be- oder sogar überlastet. Doch was kann eigentlich getan werden, wenn die Autobahn dicht ist. Kurzfristig relativ wenig, sagen Experten. Das liegt auch am insgesamt hohen Verkehrsaufkommen. „Wir reden hier über Umleitungen von höchstbelasteten Bundesutobahnen“, sagt Dirk Apel vom Regierungspräsidium (RP) Tübingen, in dem auch die Verkehrsrechnerzentrale des Landes angesiedelt ist. Rund 157 000 Autos fahren an Ludwigsburg täglich vorbei – im Durchschnitt.

„Bei einem Unfall sperren wir und leiten den Verkehr auf die ausgewiesenen Strecken  um“, sagt Tatjana Wimmer, Sprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Viel mehr könne die Polizei nicht tun. Ihr Kollege Sebastian Wagner ergänzt: „Wir versuchen immer, so lange und so oft wie möglich Vollsperrungen zu vermeiden. Denn die Umleitungen haben kaum Potenzial, das alles aufzunehmen.“

Eine theoretische Möglichkeit, die aber so gut wie nie angewandt werde, sei eine Verkehrsregelung durch die Polizei. „Da gibt es Konzepte. Oft haben wir aber gar nicht genügend Kräfte, um diese umzusetzen. Es besteht die Möglichkeit, Ampelanlagen abzuschalten“, erklärt Sebastian Wagner. Dazu müsste man in jedem Einzelfall mit Stadt und Landratsamt in Kontakt treten. „Zudem ist das sehr störanfällig und zeit­intensiv.“

Darüber hinaus werde dadurch auch nur eine „bedingte Erleichterung“ erreicht. „Wenn bei uns von der Autobahn abgeleitet wird, ist es immer schwierig. Wir haben ‚nur’ zwei Autobahnen. In anderen Regionen kann man auf andere Autobahnen umleiten, das ist hier schwierig“, erklärt Wagner. Ein weiteres Problem aus seiner Sicht: „Viele Verkehrsteilnehmer kennen die Umleitungsregelungen nicht“, verweist er auf die blauen Schilder. Zwischen Ludwigsburg Nord und Stuttgart-Zuffenhausen führt die Umleitung beispielsweise über Ludwigsburg, Kornwestheim und Stammheim. In entgegengesetzter Richtung wird zwischen Ludwigsburg Süd und Nord über Pflugfelden, Ludwigsburg und Eglosheim umgeleitet. „Wenn eine Umleitung da ist, sollte man der auch folgen“, empfiehlt der Polizeisprecher. Viele verließen sich aber heute aufs Navigationssystem. „Dann ist eine Lenkung vonseiten der Polizei nicht mehr möglich, da die Verkehrsströme nicht mehr vorhersehbar sind.“

Was geht, ist den  weiter entfernten Verkehr großräumig umzuleiten. Dafür ist die Verkehrsrechnerzentrale des Landes in Stuttgart-Feuerbach zuständig. Kommt es zum Kollaps, wie vergangene Woche, als im Berufsverkehr die A 81 in Richtung Heilbronn bei Ludwigsburg-Nord voll gesperrt war, werden Autofahrer möglichst früh darauf hingewiesen. „Wir machen unsere entsprechenden Schaltungen und Verkehrssignale“, sagt Dirk Abel, Sprecher des RP Tübingen. Konkret wurde vergangene Woche schon an den Dreiecken Karlsruhe, Walldorf und Leonberg auf die Vollsperrung hingewiesen, ebenso gab es Umleitungen.

Den Leuten, die bereits im Stau stehen, bringt das wenig. Aber Abel weist darauf hin: „So einfach ist das nicht, weil das Straßennetz, auch das nachgeordnete, vor allem in der Region Stuttgart extrem ausgelastet ist. Man löst das Problem nicht allein dadurch, dass man schnell von der Autobahn ableitet.“ Auch die Verkehrsrechnerzentrale kann Kontakt mit den Kommunen aufnehmen und beispielsweise andere Ampelschaltungen erwirken. „Aber das ist nicht so schnell möglich. Und ob die betroffenen Kommunen bereit wären, mitzuwirken, kann ich so pauschal nicht beantworten.“

Abel betont: „Dass wir ein auch auf den nachgeordneten Straßen leistungsfähigeres Verkehrsnetz benötigen, ist klar.“ Die Verkehrsrechnerzentrale könne nicht die grundsätzlichen Probleme lösen. „Situativ können wir aber schon einwirken“, verweist er auf die Möglichkeit, Standstreifen freizugeben, wie zwischen Ludwigsburg-Nord und Süd, oder schon im Vorfeld des Staus Temporeduzierungen auszuweisen, damit die Leute langsam auf den Stau auffahren. „So wird der Verkehr besänftigt. Es  führt auch dazu, dass sich Staus verringern. Das merken die Menschen vielleicht gar nicht konkret. Denn sie wissen nicht, wie schlimm der Stau ohne unsere Maßnahmen wäre.“