Kreis Ludwigsburg Bei der Hygiene hapert's häufig

Keime im Essen? Das kommt immer wieder vor.
Keime im Essen? Das kommt immer wieder vor. © Foto: dpa
DOMINIQUE LEIBBRAND 25.06.2013
In vielen Lebensmittelbetrieben im Kreis haperts an der Hygiene. Das haben Kontrollen des Landratsamtes ergeben. In die Statistik spielen allerdings nicht nur grobe Patzer, sondern auch kleine Mängel hinein.

7500 Lebensmittelbetriebe sind, Stand 2012, im Kreis gemeldet, 1400 davon statteten Mitarbeiter des Fachbereichs Veterinärangelegenheiten und Verbraucherschutz des Landratsamts im vergangenen Jahr einen Besuch ab. Bei manchen schauten die Kontrolleure gleich mehrfach vorbei, so häuften sich 2255 Stippvisiten an.

Dabei kam heraus: In mehr als der Hälfte der kontrollierten Betriebe (59 Prozent) gabs Mängel, mit Abstand der häufigste Grund war dabei die Hygiene (88 Prozent). Beanstandet wurden unter anderem die Sauberkeit, die bauliche Beschaffenheit, die Personalhygiene sowie der Umgang mit Lebensmitteln. Was die Zahlen ein wenig relativiert: Die Standards sind hoch. So wurden auch Auffälligkeiten mit geringem Mängelgrad in die Statistik eingearbeitet, wie etwa eine staubige Decke im Vorratsraum.

Es gibt jedoch noch weitere Punkte auf der Mängelliste: Häufig waren Lebensmittel falsch ausgezeichnet worden (43 Prozent), in anderen Fällen ließen die Eigenkontrollen wie Personalschulung oder die Dokumentation der Kühltemperaturen zu wünschen übrig (32 Prozent), oder Lebensmittel waren verdorben (3 Prozent). 4 Prozent der Verstöße wurden nicht näher bezeichnet. Das geht aus einem Papier hervor, das der Fachbereich am Montag dem Sozialausschuss des Kreistags vorgelegt hat. Nach diversen Lebensmittelskandalen - Stichwort Pferdelasagne - hatte die Grünen-Fraktion eine Übersicht gefordert.

Die meisten Kontrollen fanden dem Bericht zufolge in der Gastronomie statt (1141), gefolgt vom Lebensmitteleinzelhandel (795), landwirtschaftlichen Erzeugern (152) und Großunternehmen (107). 60 Mal fühlte man dem Lebensmittelgroßhandel auf den Zahn.

Die Gründe für die Kontrollen waren unterdessen verschiedene. Größtenteils handelte es sich um sogenannte risikoorientierte Routineeinsätze - die Betriebe werden je nach Art und Umgang mit Lebensmitteln in Risikoklassen eingeteilt -, zum anderen um anlassbezogene Kontrollen. Zum Beispiel, wenn es zu Erkrankungen von Kunden gekommen war, wenn Produktrückrufaktionen im Rahmen des europäischen Schnellwarnsystems überwacht werden mussten, oder wenn es galt, zu überprüfen, ob festgestellte Mängel beseitigt worden waren. 180 Verbraucherbeschwerden erreichten das Landratsamt überdies im Jahr 2012. In der Folge seien in der Regel Proben entnommen oder Betriebkontrollen angesetzt worden, heißt es in dem Bericht des Fachbereichs.

Für die Betriebe hatten die festgestellten Mängel unterschiedliche Folgen. So verzeichneten die Kontrolleure 1124 Verwaltungsverfahren - dabei gings um Anhörungen, Verfügungen oder Mängelberichte. Hinter Letzteren steht beispielsweise die Aufforderung an die Unternehmer, ihre Läden im Rahmen einer bestimmten Frist wieder auf Vordermann zu bringen.

Überdies wurden 39 Verwarnungen beziehungsweise Bußgeldverfahren eingeleitet. Fünf Fälle gab man an die Staatsanwaltschaft ab, die prüfen sollte, ob eine Straftat vorlag. Und: 55 Betriebe zogen im vergangenen Jahr selbst den Stecker, nachdem in ihren Häusern schwerwiegende Mängel festgestellt worden waren. Sie schlossen beispielsweise vorübergehend oder verkauften ihre Ware nur noch eingeschränkt. Vor allem Gastronomiebetriebe waren hier laut dem Landratsamt betroffen.

Den Grünen war der Bericht am Ende nicht ausgearbeitet genug. Sie hätten sich mehr Details gewünscht, sagte Kreisrat Claus Langbein. Die Leiterin des Fachbereichs, Dr. Monika Spieck-Kächele, hatte jedoch schon vor der Sitzung klargemacht, dass man als untere Verwaltungs- und Veterinärbehörde dem Land, nicht dem Kreis unterstellt sei. Die Zahlen zusammenzutragen sei daher auf Kulanzbasis passiert. Den Vorschlag der Grünen, den Bericht künftig jährlich vorzulegen, lehnte sie ab.

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